Porträt Johann Wolfgang Goethe © picture-alliance / akg-images

Peter Matić liest aus Goethes "Venezianischen Epigrammen"

Stand: 02.12.2020 17:03 Uhr

Unter der Überschrift "Und es ruhet mein Geist stets der Geliebten im Schoß" liest Peter Matić nun aus den "Venezianischen Epigrammen" von Johann Wolfgang von Goethe.

Wie die "Römischen Elegien" sind die "Venezianischen Epigramme" die Frucht von Goethes Italien-Reisen, sie gehen auf seinen zweiten Venedig-Aufenthalt im Frühjahr 1790 zurück. Goethe reiste damals der weimarischen Herzoginmutter Anna Amalia, die von einer längeren Reise aus Italien zurückkehrte, bis Venedig entgegen, um sie von dort nach Weimar zurückzubegleiten. Ihr Eintreffen verzögerte sich jedoch erheblich, sodass Goethe, statt des geplanten kurzen Aufenthalts, fast zwei Monate in Venedig zubrachte. Unmittelbar nach seiner Ankunft teilte er Herder in einem Brief mit, er habe die Arbeit an den "Römischen Elegien" eingestellt und arbeite stattdessen an einem "Buch Epigrammen", "die, hoff' ich, nach dem Leben schmecken werden".

103 Epigramme für den "Musen-Almanach für das Jahr 1796"

Nach der Rückkehr nach Weimar begann Goethe mit der Ordnung und Zusammenstellung der über 100 Texte. Im Druck erschienen die Epigramme erst einige Jahre später, als Schiller seinen neuen Freund um einen Beitrag für seinen "Musen-Almanach" bat. Goethe stellte dafür 103 Epigramme zusammen, die im "Musen-Almanach für das Jahr 1796" erschienen. Goethe hat den Zyklus später erweitert, neu geordnet und an der metrischen Form der Distichen gefeilt. In der Werkausgabe von 1806 stellte er den "Venezianischen Epigrammen" das Motto voran: "Wie man Zeit und Geld vertan, / Zeigt dieses Büchlein lustig an."

Die Aufnahme bei Publikum und Kritik war zurückhaltend. Man tadelte sowohl Form als Inhalt, und in späteren Editionen wurden anstößige Verse unterschlagen. Dabei herrscht die erotische Thematik darin keineswegs vor. Es finden sich hier auch Epigramme zu Religion und Kirche, Politik und Ästhetik und nicht zuletzt über Venedig und das Milieu der Lagunenstadt.

Grundlage unserer Auswahl ist die Ausgabe des Musen-Almanachs von 1796: Aus 103 Epigrammen hat Hanjo Kesting 60 zusammengestellt.

Zu hören ist die Lesung am 4. Dezember von 22 bis 22.35 Uhr im Programm von NDR Kultur. Nach der Ausstrahlung finden Sie sie für sieben Tage auch hier.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Am Abend vorgelesen | 04.12.2020 | 22:00 Uhr

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