Stand: 11.09.2020 09:26 Uhr

Festpiele MV enden mit Beethoven-Konzert

von Axel Seitz

30 Jahre Festspiele Mecklenburg-Vorpommern - und ein Wechsel in der Intendanz: Das Jahr 2020 sollte für das Klassikfestival ein besonderes werden. Das wurde es dann auch, allerdings anders als geplant und erhofft. Denn statt der vorgesehenen mehr als 160 Veranstaltungen konnten wegen der Corona-Pandemie bedeutend weniger Konzerte angeboten werden. Am Sonnabend gehen die Festspiele in der Wismarer St.-Georgen-Kirche mit dem Abschlusskonzert zu Ende. Eine Bilanz über ein Festival unter dem Motto "30mal anders".

"Sie können sich auf ein wirkliches Orchesterkonzert freuen. Darauf freue auch ich mich sehr, denn ein richtiges Orchester habe ich schon lange nicht mehr gehört. Ganz zum Jubiläumsjahr von Beethoven passend kommen sie mit 40 Musikern. Das wird ein krönender Abschluss eine besondere Saison." Es ist das NDR Elbphilharmonieorchester, auf das sich die neue Festspielintendantin Ursula Haselböck so freut - unter anderem mit Beethovens Ouvertüre zum Trauerspiele Coriolan und dem Klavierkonzert Nummer 5.

5.500 statt über 85.000 Besucher

Das Konzert in der Wismarer St.-Georgen-Kirche bildet den Abschluss eines ungewöhnlichen Festspielsommers: "Wir hatten im Laufe des Sommers 60 Konzerte mit zirka 5.500 Besuchern statt wie sonst über 85.000 Besuchern", macht Haselböck den Unterschied zum normalen Betrieb deutlich. "Allein diese Zahlen gegenüber zu stellen, zeigt schon, was Corona für einen Kulturbetrieb heißt. Gerade für uns, die auf Ticketeinnahmen angewiesen sind."

Ursula Haselböck ist die Intendantin der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern © NDR Foto: Axel Seitz
Ursula Haselböck, Intendantin der Festpiele Mecklenburg-Vorpommern, freut sich auf das Abschlusskonzert in Wismar.

Wenn Ursula Haselböck auf die vergangenen drei Monate zurückblickt, wird für die Intendantin deutlich: "Die Bilanz ist die, dass sich gezeigt hat, wie wichtig Musik ist, wie wichtig die Rolle der Festspiele in MV sind, um Musik ins Land zu bringen. Und wir haben gesehen, dass wir einen unglaublichen Rückhalt in der Bevölkerung haben, sowohl beim Publikum als auch bei unseren Sponsoren und Unterstützern."

Armida Quartett glücklich, vor Zuschauern zu spielen

Für zahlreiche Künstler war das diesjährige Festspielkonzert das erste nach einer langen Corona-Pause. Wie für die Violinistin Johanna Staemmler vom Armida Quartett beim Konzert im Juli in Ribnitz-Damgarten: "Wir haben es als wahnsinnig befreiend und beglückend, auch berührend empfunden. Manchmal merkt man erst in dem Moment, was so sehr gefehlt hat. In die Augen der Leute zu schauen und zu merken, dass auch auf der Seite so viel Freude darüber da ist, dass man den Moment gemeinsam teilen kann, das alles sind Dinge, die man nicht simulieren kann. Das sind Dinge, die mir gefehlt haben, wie eine Nahrung."

Violinist Hope gibt drei Konzerte an einem Tag

Der deutsch-britische Geiger Daniel Hope während eines Konzertes im Schweriner Dom © NDR Foto: Axel Seitz
Geiger Daniel Hope ist froh, wieder live aufzutreten, auch wenn die Anzahl der Zuhörer limitiert ist.

Der Geiger Daniel Hope trat im August an einem Tag gleich drei Mal an drei verschiedenen Orten als Solist auf, in Wismar, Schwerin und Rostock: "Das hat etwas Tröstendes nur allein zu sein mit der Geige. Ich liebe es, mit Kollegen zu spielen, Kammermusik ist für mich das Größte überhaupt. Aber tatsächlich habe ich mich für diese Auftritte sehr gefreut, dass man fokussieren kann. Gerade nach solch einer turbulenten Zeit. Wir wissen alle nicht, wie es weitergeht."

Festspielwinter beginnt im November

Für die Festspiele MV, die erneut vom NDR unterstützt wurden, geht es bereits im November weiter - mit einem Festspielwinter und 45 Konzerten bis zum kommenden März. Nach vielen ungeklärten Fragen für den Kulturbetrieb in den vergangenen Monaten sieht Intendantin Ursula Haselböck für die Festspiele, auch dank des Eine-Million-Euro-Rettungsschirms, eine Perspektive für die Zukunft: "Dieser Rettungsschirm, der ins Leben gerufen wurde, hat Gott sei Dank funktioniert. Für 2020 sind wir halbwegs durch, es ist noch nicht zu ende, es fehlen uns noch rund 140.000 Euro. Aber das ist eine Summe, bei der wir die Hoffnung haben, dass wir die bis Weihnachten erreichen können. Wir hoffen nicht, dass es eine große zweite Corona-Welle gibt und dass es nicht zu großen Einschränkungen kommt, sondern dass wir im Winter unter gegebenen Hygienebestimmungen normal spielen können."

Normal spielen, zumindest fast normal - das gilt bereits für das Abschlusskonzert am Samstagabend in Wismar, wenn das NDR Elbphilharmonieorchester unter der Leitung von Krzysztof Urbański mit der 1. Sinfonie von Ludwig van Beethoven den Festspielsommer im Jubiläumsjahr 2020 beendet.

Festspiele MV
Markus Fein wechselt von den Festspielen MV an die Alte Oper nach Frankfurt/Main. © NDR Foto: Axel Seitz

Markus Fein übergibt Intendanz an Ursula Haselböck

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Impressionen vom Auftakt der Festspiele MV in der Saison 2017 am 17.06.2017 in der St-Georgen-Kirche in Wismar. © NDR Foto: Christian Kahlstorff

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

Feine Kammermusik statt großer Sinfonien, Solisten statt Orchester - die Festspiele MV waren im Sommer 2020 anders als geplant. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 11.09.2020 | 19:00 Uhr

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