Sendedatum: 26.06.2019 19:00 Uhr

Vokalensemble Sjaella eröffnet den Musiksommer

von Karin Erichsen

Mit einem umjubelten Konzert zum Thema "Natur und Mystik" hat das Leipziger Vokalensemble Sjaella am Dienstag den Schönberger Musiksommer eröffnet. Für ihr zeitgenössisches Programm erhielt das Frauensextett aus Leipzig tosenden Beifall von rund 500 Besuchern in der St. Laurentiuskirche.

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Die Organisatoren des Musiksommers Kantor Christoph Minke und Geschäftsführer Karsten Lessing begrüßen die Konzertgäste.

Die Schönberger feiern in diesem Jahr die Gründung ihrer Stadt vor 800 Jahren und der Musiksommer feiert mit. Für das Eröffnungskonzert hatten die Organisatoren die Messlatte hoch gehängt: Es sollte festlich und künstlerisch auf höchstem Niveau sein, einen Bezug zum Ort haben, es sollte der Tradition verpflichtet und dennoch zukunftsweisend sein, spirituell und unterhaltsam, ernst und schön, attraktiv für Jung und Alt, Freude schenkend und begeisternd. Deswegen hatten sie das Vokalensemble Sjaella aus Leipzig eingeladen - und damit voll ins Schwarze getroffen. Der Eröffnungsabend mit dem Frauensextett wurde überwältigend schön.

Sjaella eröffnen den Musiksommer

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Sjaella aus Leipzig haben das Publikum begeistert.

Rund 500 Besucher aus der gesamten Region zwischen Lübeck, Ratzeburg, Rostock und Schwerin waren in die St. Laurentiuskirche gekommen, denn das europaweit gefeierte Ensemble ist auch dem Schönberger Publikum längst nicht mehr unbekannt. Schon in den Vorjahren haben die sechs jungen Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren die Konzertbesucher mitgerissen. In ihrem neuen Programm ging es um Natur und Mystik, Volksweisen und Legenden aus dem Norden Europas. Sie verbinden darin barocke Musik und nordeuropäische Folklore mit zeitgenössischen Arrangements - eine umwerfende, nie gehörte Kombination. 

Sjaella eröffneten den Abend mit den "Vier Jahreszeiten" aus der Oper "The Fairy-Queen" von Henry Purcell, in einer Fassung, die Gregor Meyer, der Leiter des Leipziger Gewandhauschores, für das Frauensextett erstellt hat. Im Verlauf des Abends präsentierte das Sextett aus derselben Oper noch die Gesänge der "Geister der Nacht" ebenfalls in einem hoch komplexen, faszinierend modernen Gewand von Philip Lawson. Lautmalerisch hat sich der Komponist darin mit der Nacht und ihren Geheimnissen, mit Ruhe, Lust, Schlaf und Traum auseinandergesetzt.

Volkslieder aus Island und Dänemark

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Viele ehrenamtliche Helfer ermöglichen den Schönberger Musiksommer.

Den Naturelementen widmet sich ein Auftragswerk für das Ensemble von Jeremy Rawson. Aus dem vierteiligen Zyklus sangen die Frauen die Lieder zum Wasser und zur Luft, die sich wunderbar sphärisch mit vielfältigen Geräuschen in der Kirche ausbreiteten. Schließlich rezitierten sie noch poetische Texte, die Graham Lack als verschiedenfarbige "Sehnsuchts-Linien" zeitgenössisch vertont hat. Unter dem Titel "Rot" ging es zum Beispiel um das Rotwild hoch oben in den Bergen bei den letzten Kiefern, dem die Sehnsucht folgt.

In der zweiten Konzerthälfte präsentierten Sjaella Volkslieder aus Norwegen, Island, Dänemark und Finnland, ebenfalls in anspruchsvollen Arrangements zeitgenössischer Komponisten. Aus einfachen Volksweisen über kuriose Fabelwesen, über Liebe und Liebesleid wurden vielstimmige, rhythmisch und harmonisch komplexe Kunstwerke, die Sjella allerdings schwebend leicht, strahlend und mit viel Charme interpretierten. Dass sie hier über zwei Stunden ausschließlich neue Musik gehört hatten, nahmen die Besucher nur am Rande wahr. Ihre Begeisterung war am Ende grenzenlos, mit tosendem Beifall bedankten sie sich bei den Künstlerinnen für diesen grandiosen Auftakt des Musiksommers.

Schönberg feiert sein 800. Jubiläum

Und mit Vokalmusik geht es in Schönberg weiter. Nicht zufällig, denn gerade das Singen vereine ja die Menschen seit Jahrhunderten, sagt Christoph Minke, der künstlerische Leiter des Musiksommers. Es passe deshalb hervorragend zum großen Stadtjubiläum. Am Sonntag, beim Festgottesdienst "800 Jahre Schönberg" werden die neuen Glocken eingeweiht, die die St. Laurentiuskirche in diesem Sommer erhalten hat. Und dann wird die Schönberger Kantorei mit dem Strelitzer Kammerorchester und Solisten Werke von Johann Sebastian Bach aufführen, unter anderem die Ratswahlkantate "Wir danken dir Gott, wir danken dir". Und Musik aus der Zeit des Kirchenbaus erklingt am kommenden Dienstag. Das Männer-Vokalensemble Schola Gregoriana Pragensis ist dann mit einer Messe von Guillaume de Machaut aus dem 14. Jahrhundert zu Gast. Das ist Musik, wie sie vielleicht schon einmal in Schönberg erklungen ist, als Kaiser Karl IV. aus Prag in Schönberg, der ehemaligen Bischofsresidenz, Hof gehalten hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 26.06.2019 | 19:00 Uhr