Andrew Manze © NDR / Nikolaj Lund Foto: Nikolaj Lund

Andrew Manze: "Es ist mir eine Ehre, das Eröffnungskonzert zu leiten"

Stand: 10.06.2021 18:00 Uhr

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern beginnen am 12. Juni mit dem Eröffnungskonzert der NDR Radiophilharmonie zusammen mit dem Preisträger des diesjährigen Festspielsommers, dem Bratschist Nils Mönkemeyer. Ein Gespräch mit dem Chefdirigent Andrew Manze.

Andrew Manze © NDR / Nikolaj Lund Foto: Nikolaj Lund
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Andrew Manze, seit Sie 2014 als Chefdirigent die NDR Radiophilharmonie leiten, kommen Sie immer wieder zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Jetzt in Neubrandenburg wird es schon Ihr fünftes Konzert sein. Wer wiederkommt, der muss offensichtlich die Festspiele mögen?

Manze: Ja natürlich. Ich liebe die Konzertkirche und ihren Klangraum, genau wie St. Georgen in Wismar. Das Festival ist einfach wunderbar. Und es ist mir eine Ehre, das Eröffnungskonzert zu leiten.

Das Eröffnungskonzert 2021 wird keines wie die anderen. Sie müssen, sie dürfen das Konzert gleich zweimal spielen. Ist das eine Premiere für Sie? Wenn Ja, was wird die Herausforderung sein?

Es ist aufregend und eine Herausforderung, dass wir wieder vor Publikum spielen können. In dieser Woche ist das nach vielen Monaten wieder möglich in Deutschland. Meistens spielen wir ja fürs Radio. Wir wissen natürlich, dass Leute uns da zuhören. Aber es ist so schön, sie auch zu sehen. Das inspiriert uns.

Und nach dem ersten Konzert um 14 Uhr gibt es mit den Musikerinnen und Musikern der Radiophilharmonie eine Auswertung, nach dem Motto: Beim zweiten Mal machen wir dieses und jenes anders?

Nach der Pause werden wir tatsächlich anders spielen, aber wir müssen das nicht besprechen, weil das Orchester mich sehr gut kennt. Wir versuchen vielleicht etwas im ersten Konzert und etwas anderes im zweiten. Bei Waltons Concerto mit Nils Mönkemeyer richten wir uns nach ihm. Aber bei Haydns Sinfonie kann ich vieles anders machen. Das wird ein richtiger Spaß.

Wie bereits 2015 und 2017 dirigieren Sie das Eröffnungskonzert. Und mit einer Festspielouvertüre als Uraufführung. Überwiegt hierbei das Interesse an dem Neuen oder ist die Herausforderung besonders groß, ein Stück, das noch keiner kennt, ohne lange Vorbereitung aufzuführen?

Als ich mir die Partitur von Hertensteins Ouvertüre angesehen habe, dachte ich: Das sieht schwierig aus. Als wir es dann gespielt haben, kam beim Orchester alles zusammen, und ich hoffe, dass die Leute im Publikum sagen werden: Das ist ein wunderbares Stück. Gut zu hören und überhaupt nicht schwierig. Es war ein großes Vergnügen, diese Uraufführung vorzubereiten. Wir sind die ersten, die das Stück spielen und das ist sehr aufregend.

Neben der Ouvertüre stehen Waltons Bratschenkonzert und Haydns 99. Sinfonie auf dem Programm, worauf darf sich das Publikum freuen?

Nils Mönkemeyer ist ein fantastischer Bratschist, sehr gefühlvoll und leidenschaftlich. Ich hoffe, dass das Publikum seinen Auftritt genießen wird. Und Haydn passt sehr gut in diese Zeit. Während der Pandemie haben wir Live-Konzerte vermisst. Und Haydn ist live einfach großartig. Wir nennen ihn den Vater der Sinfonie, mehr als 100 hat er geschrieben. Mit seiner Musik spricht er die Menschen direkt an. Wegen der Abstandsregeln können wir ja nicht mit großem Orchester auftreten. Mit Haydn aber können wir den Spaß an Live-Musik vermitteln.

Anfang September wollen sie die NDR Radiophilharmonie in Ulrichshusen an zwei Tagen Ihr Orchester vorstellen - 360 Grad heißt die Reihe. Haben Sie so etwas schon einmal gemacht?

Nicht ganz. Fürs Fernsehen habe ich schon mal etwas ähnliches gemacht, aber nicht live vor Publikum. Wir wollen zeigen, wie ein Orchester funktioniert. Jeder kennt ja das Klavier oder die Geige. Ein Orchester aber vereint viele Instrumente, drei von diesen z.B. oder 12 von jenen. Warum das so ist, das wollen bei unseren Konzerten Ende August vermitteln.

Das Gespräch führte Axel Seitz.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 10.06.2021 | 19:00 Uhr

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