Die NDR Radiophilharmonie unter Leitung von Chefdirigent Andrew Manze in der Konzertkirche Neubrandenburg © NDR Foto: Oliver Borchert

Bilanz Festspiele MV 2021: Wilder Ritt durch den Musiksommer

Stand: 18.09.2021 06:46 Uhr

Zum zweiten Mal mussten die Macher der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern 2021 auf die Corona-Pandemie reagieren. Trotzdem fällt die diesjährige Bilanz im Vergleich zum Vorjahr überwiegend positiv aus.

von Axel Seitz

Ein letztes Konzert mit der Violinistin Veronika Eberle in der gotischen Pfarrkirche von Zarrentin, dann ist die Festspielsaison 2021 für den Bratschisten Nils Mönkemeyer vorbei. "Es war absolut großartig", sagt Mönkemeyer. "Ich habe noch nie so viele Sachen in so kurzer Zeit gespielt und so viele schöne Erlebnisse gehabt. Da werde ich das folgende Jahr noch von zehren. Am Anfang denkt man: Meine Güte, es geht noch ewig. Und dann, zack, ist es schon vorbei."

Eröffnungskonzert der Festspiele MV 2021 in Neubrandenburg © NDR/ Axel Seitz Foto: Axel Seitz
Nils Mönkemeyer, Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie beim Eröffnungskonzert der Festspiele MV in Neubrandenburg

Als Preisträger des Festspielsommers 2021 wurde Nils Mönkemeyer vom Publikum gefeiert. Und auch Intendantin Ursula Haselböck war von dem 42-Jährigen sehr angetan: "Nils Mönkemeyer hat uns durch diese doch so besondere Saison getragen. Er hat fast 40 Veranstaltungen gestaltet, viele gedoppelte Konzerten gespielt und er hatte viele Freunde zu Gast. Das sticht für mich besonders heraus, weil es das Herz der Festspiele ausmacht."

Freude über Saison 2021 der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

Und zu diesem Herz der Festspiele gehöre eben auch, so hebt es Mönkemeyer hervor, dass es immer wieder zahlreiche Konzerte in ungewöhnlichen Orten gebe: "Ich bin ein großer Garten- und Rosen-Fan, und daher war für mich zum Beispiel Groß Siemen ganz besonders schön, weil einfach diese ganze Anlage ein Traum ist. Da stehen hunderte Rosen, das ist so eingebettet in die Landschaft und die Orangerie. Das klingt auch noch ganz toll. Es war unglaublich heiß - ich dachte irgendwie, im Gewächshaus spielen ist nicht so ideal. Aber dafür war es ein schöner Tag."

Nigel Kennedy bei der Festpielen MV 2021 © NDR/ Axel Seitz Foto: Axel Seitz
Nigel Kennedy mit dem Deutschen Kammerorchester Berlin bei ihrem Auftritt in Redefin

Ob in der Orangerie Groß Siemen bei Kröpelin im Juli oder in Grünz bei Penkun im September in der Reihe "Stars im Dorf" - Nils Mönkemeyer war eben nicht nur in den größeren Städten des Landes zu erleben, sondern spielte gewissermaßen im ganzen Land. Insgesamt besuchten in diesem Sommer mehr als 37.000 Zuschauer die rund 200 Veranstaltungen der Festspiele. Vor der Pandemie im Festspielsommer 2019 - kamen noch knapp 85.000 Konzertbesucher. Intendantin Ursula Haselböck blickt auf ihre erste Saison so zurück: "Die Saison 2021 war ein wilder Ritt, das kann ich durchaus bestätigen. Und ich freue mich sehr, dass sie geschafft ist und dass sie so geschafft werden konnte, dass wir praktisch alle Konzerte bis auf wenige Ausnahmen durchführen konnten."

Festival-Finanzen: Hoffen auf normale Saison

Ursula Haselböck, die Intendantin der Festspiele MV.
Ursula Haselböck, die Intendantin der Festspiele MV, hofft eine bessere nächste Saison.

Auf die Frage, ob sich die Festspiele noch so einen Sommer wie dieses Jahr leisten können, antwortet die Intendantin: "Ganz offen gesagt: Nein, wir können es uns nicht leisten. Wir sind ein größtenteils privat finanziertes Festival. Wir sind in den üblichen Jahren zu fast 50 Prozent aus Ticket-Einnahmen finanziert. In Sommern wie diesen, wo die Ticket-Kapazitäten auf maximal 50 Prozent begrenzt sind, kann man sich einfach ausrechnen, dass hier die Finanzierung nicht steht, wenn von der Ausgabenseite her die Kosten die gleichen bleiben. Wir müssen also auf eine wirkliche Normalität im nächsten Jahr hoffen, um uns als Festspiele finanziell wieder zu konsolidieren."

Zum Abschluss der Saison 2021 gab es noch eine Premiere. Erstmals stand der Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, Alan Gilbert, bei den Festspielen MV am Dirigentenpult. Auf dem Konzertprogramm in der St.-Georgen-Kirche Wismar standen dann Beethovens 3. Klavierkonzert und die 4. Sinfonie von Schumann.

Die Festspiele 2022 beginnen nächstes Jahr am 18. Juni mit einem Konzert der NDR Radiophilharmonie in der Neubrandenburger Konzertkirche.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 17.09.2021 | 07:20 Uhr

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