Polarfuchs im Gegenlicht © GDT ENJ 2021 / Arnfinn Johansen Foto: Arnfinn Johansen

Pferdemuseum in Verden zeigt atemberaubende Naturfotografie

Stand: 07.12.2021 12:35 Uhr

Im Deutschen Pferdemuseum in Verden werden bis Mitte März 2022 über 80 Naturfotografien des Wettbewerbs "Europäischer Naturfotograf 2021" ausgestellt, darunter auch Angel Fitors Gewinnerbild.

von Maren Momsen

Sie beeindrucken durch ihre intensiven Farben, durch ihre bezaubernden Porträts und durch ihre ungewöhnlichen Blickwinkel - die besten europäischen Naturfotografien des Jahres 2021. Zum ersten Mal überhaupt werden sie im Deutschen Pferdemuseum in Verden ausgestellt.

Gewinnerbild von Angel Fitor verdeutlicht Umweltproblematik

Das beste Naturfoto des Jahres wurde vom spanischen Fotografen Angel Fitor aufgenommen. Dafür hat sich die Jury des Wettbewerbs "Europäischer Naturfotograf 2021" entschieden. Es zeigt Quallen in einem ganz besonderen fast magischen Licht und sehr ungewöhnlichen rötlichen Farbtönen. "Das sind sogenannte Spiegelei-Quallen. Sie wurden in Mar Menor in der Dämmerung aufgenommen, also mit einem schönen rötlichen Licht", erklärt Ina Rohlfing, Leiterin des Deutschen Pferdemuseums in Verden, das Farbspiel. "Das Bild sieht im ersten Moment sehr romantisch aus, aber es ist im Grunde ein Foto, was drauf hinweisen soll, dass in Mar Menor gerade sehr viele Tiere aussterben und einzelne Lebewesen die Vorherrschaft übernehmen - und anderen dadurch den Lebensraum wegnehmen."

Unter anderem tun das die Quallen. Sie hätten viele andere Wassertiere inzwischen komplett verdrängt, sagt Rohlfing: "Früher gab es in dem Gebiet sehr viele Seepferdchen und eine reiche Unterwasserwelt. Durch die umliegende industrielle Landwirtschaft, die dort massiv betrieben wird, - und natürlich die Erwärmung der Gewässer - sind diese Vorkommen an Seepferdchen komplett ausgerottet. Einzelne Arten, die sich durchgesetzt haben, sind dort noch zu finden, aber im Frühjahr 2021 hat das Fischsterben zugenommen, so dass das Foto noch einmal eine ganz besondere Brisanz mit sich bringt." Zu erkennen ist diese Brisanz auf dem ruhigen, faszinierenden Foto allerdings nicht auf den ersten Blick. Aber der nebenstehende Text erklärt sie.

Wenn Umweltverschmutzung wie ein Gemälde aussieht

Genauso ist es auch bei einem zunächst wie ein reines Farbspiel wirkenden Foto des Spaniers Sergio Tapia. Passenderweise gab der Fotograf ihm den Titel "Abstraktes Gemälde". Nur - ein Gemälde ist es nicht. "Das Bild sieht aus wie ein Ölgemälde. Es ist aber eine Fotografie, die am Rio Tinto gemacht wurde", erläutert Rohlfing. "Diese Farbgebung kommt zustande, weil sich in dem Wasser sehr viele Schwermetalle vom Bergbau ablagern und in den Grund des Flusses ziehen. Sobald sich das Wasser zurückzieht, entstehen Ablagerungen am Boden. Im Grunde genommen ist es ein Bild, was auf den ersten Blick sehr schön aussieht, aber wenn man sich den Text dazu durchliest, lässt es einen doch eher nachdenklich zurück.

Deutsches Pferdemuseum zeigt faszinierende Naturschauspiele

Ein Vogel sitzt auf einem Gartenzaun. Sein hauchender Atem schwebt nach oben. © GDT ENJ 2021 / Félix Calvo Foto:  Félix Calvo
Lobende Erwähnung in der Kategorie Vögel: Zaunkönig von Félix Calvo, Spanien.

Aber natürlich gibt es auch einfach nur schöne Naturfotos in der Ausstellung. Wie zum Beispiel das Foto "Der Zaunkönig". Hier ist es dem Fotografen Felix Calvo gelungen, den Atem des Vogels eingefangen. Ein Bild, das Rohlfing und ihr Team sehr amüsant finden: "Das ist ein Zaunkönig, der auf einem Stamm sitzt und singt. Man sieht in der kalten Morgenluft seinen Atemhauch. Und das war auch genau die Idee des Fotografen: Er wollte den Atemhauch eines singenden Vogels einfangen. Eine Idee, die total verrückt klingt - mit dem Foto hat er es geschafft. Man muss doch lächeln, wenn man es sieht."

Genauso faszinierend ist im Bereich Landschaft ein fast schwarzweiß wirkendes Foto eines Eislochs in einem See - aufgenommen aus einem Blickwinkel, den normalerweise niemand einnehmen kann, ohne im Eis einzubrechen. Das Foto zeige einen See, der zufriert, erklärt Rohlfing: "Außenrum schon mit Schnee bedeckt und in der Mitte ist noch ein Loch frei. Das Eis bahnt sich zur Mitte hin seinen Weg - und man denkt, es sei eine Nervenzelle oder ein Auge, wenn man drauf schaut. Das ist mithilfe einer Drohne direkt nach unten fotografiert - eine Perspektive, die man so nie zu sehen bekommt. Der Fotograf ist Jorge Popa aus Rumänien."

Über 80 ausgezeichnete Fotografien des Wettbewerbs zeigt das Deutschen Pferdemuseum in Verden - noch bis zum 13. März. Für den Besuch gelten die jeweils aktuellen Corona-Regeln. Im Moment ist das 2G. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

Pferdemuseum in Verden zeigt atemberaubende Naturfotografie

Bis Mitte März 2022 werden über 80 Fotografien des Wettbewerbs "Europäischer Naturfotograf 2021" ausgestellt.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Deutsches Pferdemuseum e.V.
Holzmarkt 9
27283  Verden
Preis:
Erwachsene: 5,00 €; Kinder bis 4 Jahre: frei; Kinder bis 17 Jahre: 2 Euro
Öffnungszeiten:
Di-So 10-17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 07.12.2021 | 14:20 Uhr