Stand: 07.06.2019 14:44 Uhr

Schliemann-Museum in Ankershagen wiedereröffnet

von Heiko Kreft

In Ankershagen ist am Freitag das Heinrich-Schliemann-Museum wiedereröffnet worden. Nach umfangreicher Sanierung präsentiert sich das Haus mit einer neuen Dauerausstellung.

Weltenbummler, Selfmade-Millionär, Troja-Entdecker - das Leben Heinrich Schliemanns scheint einem Abenteuer-Roman entsprungen. Seine prägenden Kindheitsjahre verbrachte er im Pfarrhaus von Ankershagen an der Mecklenburgischen Seenplatte. Hier verschlang der kleine Heinrich alte griechischen Epen und Sagen und hier fasste er als Sechsjähriger den Beschluss, das legendäre Troja zu suchen.

Statue eines Mannes.

Schliemann-Museum nach Sanierung wiedereröffnet

Nordmagazin -

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten zeigt das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen in einer neuen Dauerausstellung alles über das Leben und Werk des berühmten Archäologen.

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Die neu konzipierte Dauerausstellung am historischen Ort zeigt nun noch umfangreicher Schliemanns Weg vom mecklenburgischen Pastorensohn zum weltweit bekannten Archäologen. "Wir haben zwei moderne Ausstellungsräume dazubekommen und können somit auch Themen zeigen, die vorher nicht so präsent waren. Wie den Kosmopoliten und die griechische Familie Schliemanns", freut sich Museumsleiterin Undine Haase. "Ich glaube, dass ist eine wirkliche Bereicherung für die Ausstellung." Durch die liebevolle Sanierung des alten Pfarrhauses ist mehr Ausstellungsfläche entstanden.

Heinrich Schliemann brachte sich mehr als 20 Sprachen bei

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Udine Haase steht vor dem Modell einer Brigg, mit der Heinrich Schliemann 1841 vor der holländischen Küste Schiffbruch erlitt.

Auch Schliemann-Kennern bietet die neue Schau vielfach überraschende Erkenntnisse. Sie zeigt unter anderem wie der geschäftstüchtige Schliemann sein Sprachtalent vermarktete. "Schliemann hat seine eigene Methode gehabt, Sprachen zu erlernen. Er hat ja keinen normalen Sprachunterricht genommen", sagt Haase. Insgesamt brachte sich Schliemann 20 Sprachen autodidaktisch bei. In Lizenz gab ein Verlag ein Lehrbuch der "Methode Schliemann" heraus. Durchgesetzt hat sich die Methode allerdings nicht.

In der neuen Ausstellung gibt es erstmals auch englische Texttafeln. "Wir haben sehr viele ausländische Besucher, denn Schliemann ist weltweit bekannt", erzählt die Museumsdirektorin. "Es war wichtig, dass die Besucher zumindest auch englischsprachig den Rundgang erleben können. Im nächsten Jahr soll es dazu noch mehrsprachige Audioguides geben.

Schliemann-Museum zeigt noch mehr Originalfunde aus Troja

Hingucker der Ankershagener Schau bleiben die Nachbildung des legendären Schatzes des Priamos und Originalfunde aus Troja. Davon gibt es nun sogar fast doppelt so viele wie vor der Sanierung. Das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte überließ den Mecklenburger Ausstellungsmachern 94 Exponate als Dauerleihgabe. Sie sind im freigelegten historischen Gebälk des Pfarrhauses zu sehen.

Direkt daneben steht ein großer Touchscreen, mit dem Besucher sich detailliert durch die Grabungssituation in Troja klicken können. "Es ist wirklich so ein bisschen das Highlight, weil man sich durch die Schichten durcharbeiten kann, um zu sehen, welche Fundstücke zu welcher Schicht gehören", sagt Undine Haase stolz.

Viele Anreize zum Ausprobieren für Kinder

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Im Trojanischen Pferd können Kinder spielen und sich austoben.

Grundsätzlich sei das Museum aber keine Einrichtung für Spezialisten. Der wissenschaftliche Aspekt kommt nicht zu kurz, aber in erster Linie sind wir populärwissenschaftlich. "Wir wollen Schliemann in allen Schichten bekannt machen."

Vor allem Kindern bietet das neue gestaltete Museum nun deutlich mehr Anreize als früher. An Hörstationen können sie sich griechische Sagen vorlesen lassen, im Museumsgarten selbst Ausgrabungen unternehmen oder im riesigen Trojanischen Pferd ausgiebig toben. "Was auch ein Renner bei den Kindern sein wird, ist ein Telefon, mit dem man mit den Göttern und Helden des Trojanischen Krieges telefonieren kann", erklärt Haase.

Heinrich-Schliemann-Museum hofft auf steigende Besucherzahlen

Die Museumsleiterin Undine Haase hofft, dass in Zukunft wieder mehr Besucher den Weg in das etwas abseits gelegene Ankershagen finden. Denn in den Jahren vor der zeitweiligen Schließung gab es einen erheblichen Rückgang. "Die Besucherzahlen beliefen sich nachher bei 12.000. Wir hatten früher 18.000 gehabt. Und wir hoffen, dass wir jetzt wieder mehr Besucher kriegen." 15.000 Besucher pro Jahr ist die neue Zielmarke der Museumdirektorin.

Regelmäßige Sonderausstellungen, Vorträge und moderne Ausstellungstechnik, die auch in der Dauerschau unkompliziert neue Inhalte ermöglicht, sollen Besucher zum regelmäßigen Besuch animieren. So wie Heinrich Schliemann, der selbst im hohen Alter immer wieder nach Ankershagen zurückkehrte.

200-jähriges Schliemann-Jubiläum 2022

Im Blick hat Museumschefin Haase schon jetzt das große Schliemann-Jubiläum in drei Jahren. Dann steht der 200. Geburtstag des großen Archäologen an. Gleich nach dem Trubel der Wiedereröffnung des Museum soll es mit Überlegungen für eine große Sonderausstellung losgehen: "Da müssen wir uns natürlich etwas ganz Besonderes ausdenken. Aber Themen gibt es bei Schliemann genug."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 07.06.2019 | 19:00 Uhr