Ein Plakat weist in der Rostocker Innenstadt auf die Kulturaktion ErlebnisWinter Rostock hin. © Großmarkt Rostock GmbH

ErlebnisWinter bringt Kultur auf Rostocks Straßen

Stand: 03.02.2021 10:47 Uhr

Die Kulturaktion ErlebnisWinter soll in den kommenden Wochen die Stadt Rostock beleben. Begonnen hat die Kampagne mit Plakaten von Exponaten aus Rostocker Museen auf City Lights.

von Matthias Schümann

Es ist still in der Rostocker Innenstadt. Die wenigen Menschen in der City sind vermummt, wegen der Kälte und natürlich wegen der Pflicht, den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Steffen Stuth ist in der Fußgängerzone unterwegs. Er leitet das Kulturhistorische Museum gleich neben dem Hauptgebäude der Universität. Sein Haus hat sich an einer Plakat-Aktion beteiligt. Große Poster, sogenannte City Lights, zeigen Objekte aus dem Museum. "Museum ist ja auch gerade im Winter eine relevante Größe in der Stadt und wir wollen einfach aktuell bleiben und gesehen werden", erklärt Stuth. "Da ist so eine City-Light-Kampagne eine gute Möglichkeit, den Rostockern zu zeigen: Wir sind noch da!"

Fünf Rostocker Museen zeigen Exponate auf Postern

Fünf Museen der Stadt zeigen auf den Postern überall in der Stadt ihre Lieblingsexponate: Gemälde aus der Kunsthalle Rostock, eine Galionsfigur aus der Societät Rostock maritim, zwei Objekte aus dem Kulturhistorischen Museum. Steffen Stuth erklärt, welche Objekte sein Museum zeigt: "Einmal ist es ein Pokal aus dem 18. Jahrhundert aus Silber, ein 'Willkomm'. Das ist der 'Willkomm' der Schiffergesellschaft, das hat was mit Handel zu tun, mit Reichtum, mit den Kaufleuten, mit den Schiffern. Das andere Exponat führt zurück in das Mittelalter in das St.-Georgs-Hospital, das auch ein Armenhaus hatte. Das ist eine Reiterfigur, die gehört zu den schönsten mittelalterlichen Plastiken in Rostock. Beide Objekte sind, wenn wir denn wieder geöffnet haben, auch in den Dauerausstellungen bei uns im Kulturhistorischen Museum Rostock zu sehen."

Initiative ErlebnisWinter setzt 15 Konzepte um

Die Plakatkampagne ist der Auftakt des Rostocker ErlebnisWinters, eine Initiative, die von der Stadt ausging und Wirtschaft und Kultur zusammenbringen soll. Dafür hat die Stadt 200.000 Euro locker gemacht, die vor allem der Kulturszene zugute kommen sollen. Offenbar eine gute Idee, denn als das Projekt ausgeschrieben wurde, war die Resonanz sehr groß, sagt Inga Knospe: "Wir haben 48 wirklich gute Konzepte bekommen und wir freuen uns, dass wir jetzt gemeinsam mit dem Amt für Kultur und Denkmalpflege 15 Konzepte ausgewählt haben. Die werden jetzt in den nächsten Wochen umgesetzt."

Ein Plakat zeigt ein Fotos des Musikers Sebastian Powilleit von der Rostocker Band Les Bummms Boys © Großmarkt Rostock GmbH Foto: Arne Lifson
Die Rostocker Band Les Bummms Boys ist bekannt für eine Mischung aus Pop, Ska, Balkan und Rock'n'Roll. Auch sie beteiligt sich an der Aktion ErlebnisWinter.

Inga Knospe arbeitet für die Großmarkt Rostock GmbH, eine städtische Gesellschaft. Normalerweise organisiert sie den Weihnachtsmarkt oder die Hanse Sail mit Millionen Besuchern. Jetzt sind die Projekte etwas kleiner, aber dafür umso vielfältiger. "Wir haben eine Literatur-Rallye auf dem Plan, wir haben eine Fotoausstellung, es wird eine Künstlerschnitzeljagd geben, also viel Interaktives, bei dem es nicht notwendig ist, dass viele Leute sich auf einem Fleck zur selben Zeit und möglicherweise nicht Corona-konform treffen." Mit dabei sind die wichtigsten Kultur-Akteure der Stadt: das Literaturhaus Rostock, die Galerie Goldwerk, das Kulturwerk, die Musikclubs, Kleinkünstler und auch einzelne Band wie Les Bummms Boys.

Schaufensterkonzerte sollen Blick auf kulturelle Einrichtungen lenken

Insgesamt 130 Aktive aus dem Kulturbetrieb profitieren vom ErlebnisWinter, allein schon dadurch, dass sie Gage bekommen für das, was sie auf die Beine stellen. Geplant sind zum Beispiel Schaufensterkonzerte, um die Innenstadt zu beleben, Menschen anzulocken, sobald das wieder möglich ist. Oder einfach darauf aufmerksam zu machen, dass die kulturellen Einrichtungen nicht verschwunden sind. Das ist das Anliegen von Anne Kellner, der Chefin des Li.wu., des einzigen Programmkinos von Rostock. Im großen Schaufenster des Kino Metropol im Szeneviertel Kröpeliner-Tor-Vorstadt herrscht gähnende Leere. Das soll sich ändern. Anne Kellner hat sich mit Künstlerinnen und Künstlern der Kunstschule Frieda zusammengetan. "Unser Schaufenster ist jetzt den vierten Monat unbelebt, man kommt immer hier vorbei und es sieht alles tot und leblos aus. Ich wünsche mir da ein bisschen Impulse, Farbe, Freude, Bewegung und ein bisschen Leben", hofft Keller.

Kino Metropol plant Kunstwerk im Schaufenster

Für Bewegung im Fenster sorgen der Künstler Christoph Knitter und mehrere Studierende der Kunstschule. Sie planen ein großformatiges Kunstwerk, das gerade im Foyer der Kunstschule Frieda entsteht, damit auch dieser Ort nach Wochen des Stillstands lebendig wird. Noch ist in der Stadt vom ErlebnisWinter nicht viel zu sehen, aber für die Verbindungen von Wirtschaft und Kultur, von Akteurinnen und Akteuren, die bislang nichts miteinander zu tun hatten, sagt Inga Knospe von der Großmarkt GmbH, dafür hat sich die Initiative jetzt schon gelohnt.

Der ErlebnisWinter in Rostock bringt Kultur und Wirtschaft zusammen. Bis in den März hinein soll diese Initiative der Stadt und der Kulturträger dauern, vielleicht sogar bis nach Ostern, je nach der aktuellen Lockdown-Regelung.

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NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 01.02.2021 | 18:00 Uhr