Banner "Auf zu Schinko fertig los" im Flur der Bollewicker Scheune. © NDR Foto: Beatrice Böse

Erinnerungsstätte für Grafiker Werner Schinko in Bollewick eröffnet

Stand: 11.07.2021 09:12 Uhr

In einer Scheune in Bollewick in der Mecklenburgischen Seenplatte hat ein alter Freund Werner Schinkos einen Ort für dessen Kunst geschaffen. Der vor fünf Jahren verstorbene Künstler war einer der bedeutendsten Grafiker der DDR.

von Beatrice Böse

Er ist ein bisschen versteckt, der Raum in der Bollewicker Scheune, der nur einen Bruchteil der Werke von Werner Schinko zeigt. In der zweiten Etage lehnt ein Banner mit der Aufschrift "Auf zu Schinko fertig los" an einer Wand. Es weist den Weg in einen Raum mit einer Tafel und einer Glastür - darauf ein holzschnittartiges, großes Kranich-Motiv. Links steht geschrieben: "Werner Schinko Ehrung 2021".

Blick in die Erinnerungsstätte für Werner Schinko in der Bollwewicker Scheune: Mehrere Bilder hängen gerahmt an einer Wand, davor steht ein Tische mit zwei Stühlen. © NDR Foto: Beatrice Böse
Unter dem Dach der Bollewicker Scheune verbirgt sich seit Kurzem die Welt des Röbeler Künstlers Werner Schinko.

Dahinter verbirgt sich seit Kurzem die Welt des 2016 verstorbenen Röbeler Künstlers - eines der bedeutendsten Grafiker der DDR. "Ich habe ihn eines Nachts mal ins Krankenhaus gefahren, weil er sich seinen Kopf schwer an einer Schwelle gestoßen hatte" erinnert sich der Röbeler Galerist Lutz Kroh. "Das sah nicht gut aus. Und während der Fahrt haben wir abgemacht: Wenn irgendwann mal was passiert, sorge ich dafür, dass man den Namen Werner Schinko nicht vergisst."

Ende der 90er-Jahre hat der Galerist Schinko kennengelernt, seit dessen Tod vor fünf Jahren kümmert er sich um den künstlerischen Nachlass seines alten Freundes. Sei es in Krohs eigener Galerie "Radius" oder in der alten Röbeler Mühle. Nun also eine Erinnerungsstätte in Bollewick im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Klassisches Museum und Verkauf

Der Raum befindet sich unmittelbar unter dem Dach der Scheune. Lutz Kroh hat ihn gestaltet: "Ich habe dort im Tragwerk weiße Flächen eingezogen, die dort eine Ruhe schaffen. Mir war wichtig, eine Balance zwischen klassischer Museumsarbeit und Verkauf hinzubekommen." Der Verkauf von Werner Schinkos Arbeiten ist wichtig, um den Raum weiter nutzen zu können - und um finanziell weitere Projekte über den Grafiker zu stemmen.

Für Kroh ist sein Freund einer der größten Künstler Mecklenburgs, sein Schaffen fasziniert den Röbeler Galeristen bis heute: "Er war sehr dem Realismus verbunden. Und hatte diese Lockerheit, die er in die Zeichnungen, Drucke und Grafiken gebracht hat. Außerdem hat er eine schöne Art gefunden, Tiere lebendig zu machen."

Zeichnungen für DDR-Grundschulzeitschrift "Die Unterstufe"

Drei Bilder Werner Schinkos hängen an einer Wand, in der Mitte: "Zu Ehren der Katzen" von 1976. © NDR Foto: Beatrice Böse
Das Werk in der Mitte, "Zu Ehren der Katzen", hat Schinko 1976 geschaffen.

Werner Schinkos Geschichte beginnt 1929 in Böhmen. Mit der Familie flüchtet der Sudetendeutsche 1946 nach Mecklenburg. Schon in der Schulzeit zeichnet er gerne, baut das weiter aus.

"Er ist dann 1950 als perfekter Zeichner zum Studium an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee gegangen", erzählt Kroh. "Seine Abschlussarbeit zu Fritz Reuters 'Kein Hüsung' war sehr anspruchsvoll. Er hat mit Holzstich und Holzschnitt hervorragende kleine Illustrationen geschaffen, die adäquat zum Inhalt der Erzählung passten. Reuters Erzählung wurde dann als neue Ausgabe mit Schinkos Arbeiten herausgebracht".

Werner Schinko illustriert unzählige Bücher für den heute in Rostock ansässigen Hinstorff Verlag. Auch seine Zeichnungen für die DDR-Grundschulzeitschrift "Die Unterstufe", an denen er vier Jahrzehnte gearbeitet hat, sind heute noch bekannt. Sein Markenzeichen: heimische Tiere und Märchenfiguren - gestaltet mit fast schon hastig wirkenden, kantigen Linien.

Bekannt für Märchen-Illustrationen

"Er hat Jugendliche angesprochen über seine Märchen-Illustrationen, die Fauna und Flora immer völlig unpolitisch dargestellt. Das hat ihm viele Schwierigkeiten eingetragen, aber das hat er durchgehalten. Als er nicht in den Westen fahren durfte, hat er seine Ideen mit Märchen herübergebracht - ein Werk nannte er 'Rapunzel, oder wie man eine Mauer überwindet'", schmunzelt Kroh.

Tausende Werke hat Schinko in seiner Karriere geschaffen - genauso zahlreich sollen auch die Besucher nach Bollewick strömen, wünscht sich der Galerist. Er will versuchen, auch den Weg zwischen Schinkos Heimatort Röbel und dem Ausstellungsraum mit den Arbeiten des Grafikers zu bestücken: "Er hat ganz viele Viecher ins Leben gebracht, etwa die Katzen oder Kraniche. Das kann man ja auch plastisch umsetzen. Wäre doch eine schöne Wegbegleitung."

Und wenn dann bald noch das Grundschulzentrum in Röbel nach dem bekanntesten Künstler der Stadt benannt wird, gerät der Name Werner Schinko sicherlich nicht in Vergessenheit.

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NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 12.07.2021 | 19:00 Uhr