Jimmy Wales, Mitbegründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia © picture alliance/dpa Foto: Lino Mirgeler

20 Jahre Wikipedia: Gründer Jimmy Wales über die Anfänge

Stand: 15.01.2021 09:24 Uhr

Am 15. Januar 2001 wurde die Online-Enzyklopädie Wikipedia gegründet. Mittlerweile ist sie zu einer Art Basis-Wissen der Welt geworden. Gründer Jimmy Wales erzählt von den Anfängen.

von ARD-Korrespondent Marcus Schuler

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia gehört zu den meistabgerufenen Seiten im Internet. Es gibt Artikel in rund 300 Sprachen. Jimmy Wales ist einer der Gründer von Wikipedia. Er erzählt: "Hier arbeiten sehr viele Leute mit großer Passion. Diese Gemeinschaft prüft die Einhaltung unserer Regeln. Das unterscheidet uns im Internet von vielen anderen Angeboten. Wir sind hier, um einander zu helfen und Wissen zu teilen."

Der heute 54-jährige US-Amerikaner ist nach wie vor einer der wichtigsten Köpfe im Wikipedia-Universum. "Die ursprüngliche Idee von Wikipedia haben wir uns damals von der wachsenden Open Source Software Community abgeschaut. Gleichzeitig sind wir aber dezentral organisiert - wie eine Kleinstadt." Jeder verfolge seine Interessengebiete. Dennoch hätten sie eine gemeinsame Aufgabe: eine Enzyklopädie zu betreiben. "Hätten wir uns als Forum organisiert, wo jeder was reinschreiben kann, hätten wir uns nicht so lange gehalten", sagt Wales.

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3,5 Millionen freiwillige Mitwirkende bei Wikipedia

Mehr als drei Millionen Freiwillige schreiben, redigieren und prüfen die Artikel. Das Besondere: Das Angebot ist bis heute nicht-kommerziell, die gemeinnützige Organisation finanziert sich allein aus Spenden. "Würde dieses Modell nicht so gut funktionieren, wären wir gezwungen, uns nach anderen Einnahmequellen umsehen zu müssen. Das wäre ungesund für uns." Man würde versuchen, so viele Klicks wie möglich zu erhalten, sagt Wales. "Dann wären wir aber kein Ort mehr für gesammeltes Wissen."

Englischsprachiges Wikipedia: Mehr als sechs Millionen Artikel

Das größte Angebot ist die englischsprachige Wikipedia-Version mit gut 6,1 Millionen Artikeln. Gefolgt von einer philippinischen und schwedischen Sprachversion, deren Texte aber zum Teil automatisch entstehen. An vierter Stelle kommt die deutsche Wikipedia-Ausgabe mit derzeit 2,5 Millionen Artikeln. "Die deutsche Ausgabe hat den Ruf, sehr seriös zu sein. Ich werde immer gefragt, weshalb ist das so? Ich sage dann immer, die Deutschen sind schlau und gutaussehend. Ernsthaft: In Deutschland gibt es eine große Tradition für Enzyklopädien wie den Brockhaus. Deshalb ist Wikipedia hier so beliebt."

Wikipedia: In einigen autokratischen Ländern gesperrt

Wikipedia ist aber nicht in allen Ländern der Welt beliebt: China, Iran oder auch Usbekistan haben die Seite gesperrt. In Russland wird an einer regierungstreuen "Alternative" gearbeitet. Aber Falsch-Nachrichten oder gar Verschwörungsmythen sind auch im Stammland USA an der Tagesordnung. "Es ist recht schwer, die Wikipedia-Gemeinschaft an der Nase herumzuführen", meint der Wikipedia-Gründer. "Seit Jahren beschäftigen und diskutieren wir unsere Quellen. Es kommt auf die Gemeinschaft an. Quellen und Bestätigungen sind für uns ein zentrales Element."

Als besondere Herausforderung für die Zukunft sieht Wales das Verschwinden von Lokal-Journalismus an. "Ohne guten Journalismus kann der erste Entwurf aktueller Geschichte nicht festgehalten werden. Das ist eine Herausforderung für unsere Gesellschaften. Wir müssen uns fragen, wie können wir die Finanzierung von gutem Journalismus sicherstellen?"

In Deutschland zumindest muss sich Wikipedia keine allzu großen Nachwuchssorgen machen, dort gibt es mittlerweile ein Kinder-Wikipedia - das Klexikon.

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