Stand: 18.09.2020 06:00 Uhr

Schauspiel und Staatsoper Hannover eröffnen neue Spielzeit

von Agnes Bührig

Wie will ich leben, wer bin ich? Diese Fragen stellten sich während der ersten Wochen der Corona-Krise vielen von uns. An der Staatsoper Hannover werden sie jetzt in einer Bearbeitung von Georg Friedrich Händels frühem Werk "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno" aus dem Jahr 1707 thematisiert, das morgen Abend Premiere hat. Das Schauspiel eröffnet seine neue Spielzeit heute mit "Don Karlos" von Friedrich Schiller. Agnes Bührig stellt die Inszenierungen vor.

Interview
Sonja Anders im Porträt  Foto: Christophe Gateau

Neue Saison: Schauspiel Hannover startet mit Klassikern

Das Schauspiel Hannover startet in die neue Spielzeit - mit neuen Inszenierungen, vor allem aber unter ganz neuen Voraussetzungen. Ein Gespräch mit der Intendantin Sonja Anders. mehr

Spanien zu Zeiten der Inquisition im 16. Jahrhundert. Erbprinz Don Karlos, der sich in die Frau seines Vaters verliebt hat, sucht einen Ausweg aus der Misere. Derweil regiert Philipp II. sein Reich mit harter Hand. Doch in den niederländischen Provinzen regt sich der Widerstand gegen den autokratischen König. Ein Szenario, das einen an die Despoten unserer Zeit erinnert, sagt Regisseurin Laura Linnenbaum: "Gerade das Bild der spanischen Inquisition mit den starken Kontrasten - Gedankenfreiheit auf der einen Seite, auf der anderen komplette Unterdrückungsmechanismen bis hin zur Inquisition und zum Verbrennen von Menschen mit anderem Gedankengut - das Extrem erleben wir auch heutzutage. Aber gleichzeitig ganz viele Graustufen, denn die Diktatoren der heutigen Zeit sind smarter."

Bis auf eineinhalb Meter dürfen sich die Schauspieler einander nähern, mit ausgetreckten Armen werden fleißig Depeschen ausgetauscht. Ein glücklicher Umstand ist da, dass es in "Don Karlos" just darum geht, dass Menschen nicht zueinander kommen.

VIDEO: Theater in Corona-Zeiten: Wie geht das? (5 Min)

Ein Weg für die Oper in der Zukunft?

Die Intendantin des Staatstheaters Hannover Laura Berman auf einem Pressefoto. © dpa - Bildfunk Foto: Christophe Gateau
Laura Berman ist seit der Spielzeit 2019/2020 Intendantin des Staatstheaters Hannover.

Auch an der Staatsoper Hannover fordert die Pandemie dem Programm einiges ab. Weil die Intendantin nicht nur Kammeropern zeigen will, sollen umfangreiche Klassiker möglichst in eineinhalb Stunden ohne Pause über die Bühne gehen, Neubearbeitungen sind dabei erwünscht, sagt Laura Berman: "Die jüngere Generation wollte immer wieder ausprobieren, wie ist es, wenn wir bestehende Stücke - vielleicht sogar aus dem heiligen Kanon - anders und neu erzählen. Ist das ein Weg für die Oper in der Zukunft? Deswegen ist das tatsächlich eine Chance. Es gibt uns als Intendanten Mut, Sachen auszuprobieren."

So entstand "Trionfo, vier letzte Nächte". Dramaturg Martin Mutschler kam auf die Idee, die vier Allgeorien aus Händels erstem Oratorium vom Anfang des 18. Jahrhundert - Schönheit, Zeit, Vergnügen und Desillusion - in vier Personen der Gegenwart zu übersetzen. "Es geht um vier Menschen, die sich nicht kennen und in einer Nacht eine wichtige Entscheidung für sich treffen müssen", sagt Berman. "Deswegen heißt es auch 'vier letzte Nächte'."

Der Alte-Musik-Spezialist David Bates aus Großbritannien wird dirigieren, die Regie hat Elisabeth Stöppler übernommen, gebürtige Hannoveranerin und im letzten Jahr mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust ausgezeichnet. Wir dürfen gespannt sein.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 18.09.2020 | 07:20 Uhr

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