Daniel Behle sitzt am Tisch © NDR.de Foto: Daniel Kaiser

Prosit! Daniel Behle schreibt Bier-Operette "Hopfen und Malz"

Stand: 12.10.2021 13:17 Uhr

Der Hamburger Tenor Daniel Behle liebt neben Mozart, Strauß und Wagner auch die leichte Muse. Nun hat der bekannte Sänger während der Corona-Zeit eine Operette übers Bierbrauen geschrieben.

Daniel Behle sitzt am Tisch © NDR.de Foto: Daniel Kaiser
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von Daniel Kaiser

Das Orchester im Computer schmettert die schwungvolle Ouvertüre - sie könnte auch von Robert Stolz oder Franz Lehár sein. Daniel Behle strahlt und freut sich wie ein Kind, verfolgt die Noten, singt Arien, Duette und Chorszenen mit. "Wir wollen Weißbier, wir wollen Hefe, wir wollen Starkbier, denn wir ha’m Duuuuurst!", walzert sich Behle durch die Partitur.

Operette mit Freibier und Santa Claus

Eine wilde Geschichte ist das: ein Bierbrauwettbewerb zwischen zwei norddeutschen Dörfern mit vielen Anspielungen auf andere Opern und einer Menge Gags. Kategorie: Schenkelklopfer. "Das Bier aus dem Kloster St. Demenz/jeder mag's keiner kennt's", kichert Behle. "Das ist das Terzett im ersten Akt." In der Wolfsbucht wird dann, frei nach dem Freischütz, in einer Nacht das Freibier gebraut. Der Liebeskummer ist die "Wunde von Bernd". Zwei Figuren heißen Senta und Klaus - wenn sie sich erregt beim Namen nennen, klingt das nach dem Weihnachtsmann.

Die Story ist schräg, die Musik fürs Herz. "Ich habe mal die Elbschleusen aufgemacht und alles rausgelassen, was raus musste. Ich habe mich bewusst keiner Sache verweigert, weil sie nicht mehr en vogue ist, sondern so komponiert, wie ich gerne Musik habe."

Behle will Operette entstauben

Daniel Behle hebt die Hände zum Himmel und schreit © picture alliance / Geisler-Fotopress | Frederic Kern/Geisler-Fotopress
Daniel Behle vor der Verleihung des Opus Klassik 2020 vor dem Konzerthaus in Berlin

Bei der Musik orientiert sich der Sänger am immer noch populären Sound der Comedian Harmonists. Zwei Jahre hat er an ihr geschrieben. 604 Seiten hat die Partitur. "Das war mein Ding. Wir wussten alle nicht, was wir während des Kultur-Lockdowns machen sollen. Ich hatte auch Corona und habe die ganze Zeit in Quarantäne orchestriert und instrumentiert", sagt Behle.

Gerade noch hat er in der Elbphilharmonie mal eben die Gralserzählung aus Wagners Lohengrin auf Bayreuth-Niveau gesungen - aber dann als Zugabe: "Kleine Möwe, flieg nach Helgoland". Typisch Behle. "Meine Gesangskarriere hat ja vergleichsweise spät angefangen. Ich fühle mich als Vermittler für Menschen, die wenig mit klassischem Gesang anfangen können, und will diese Musik wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückbringen. Das ist mein Drive."

Auf der Suche nach einem Theater für das Stück

Angefangen hatte Behle als Posaunist und Komponist. Mit der neuen Musik konnte er aber nichts anfangen. "Ich bin damals im Studium bei der Freitonalität ausgestiegen. Dann hieß es immer: 'Behle, was willst Du: Zuschauer oder Donaueschingen?' Ich habe mich für die Zuschauer entschieden." Mit seinen Projekten folgt Daniel Behle nie Strategien der Plattenfirmen, sondern seinem Instinkt. Und behält recht.

Jetzt hofft er, dass das bei seiner Operette auch so kommt. Es gibt schon erste Gespräche mit Theater- und Festivalchefs. "Das Ding ist fix und fertig. Ich hoffe ein Theater zu finden, das 50.000 Euro in die Hand nimmt, um das Ding aufzuführen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.10.2021 | 19:00 Uhr