Ein Mann im Vogelkostüm sitzt auf einer Bühne, im Hintergrund steht eine Frau © Silke Winkler Foto: Silke Winkler

Papageno will aussteigen: Moderne Fassung der "Zauberflöte"

Stand: 12.11.2021 07:50 Uhr

"Die Zauberflöte" ist eine der bekanntesten Opern. Auch am Mecklenburgischen Staatstheater wurde die Geschichte um Tamino und Pamina schon 2009 und 2015 gespielt. Nun steht sie wieder auf dem Spielplan - modern inszeniert.

von Axel Seitz

Mozarts Todestag jährt sich am 5. Dezember zum 230. Mal. Und seine letzte Oper, "Die Zauberflöte", hatte ebenfalls vor 230 Jahren Premiere - am 30. September 1791. Genau zwischen diesen beiden Jahrestagen hat am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin Mozarts Oper Premiere. Natürlich mit den bekannten Arien. Doch dann kündigt Papageno an, aus dieser Zauberflöte aussteigen zu wollen, die ersten 150 Jahre, die fand er noch gut, aber jetzt:

Ihr kommt hierher und guckt euch das mit großen Augen an. Ich habe es ja gesehen, oft genug. Immer wieder kommt ihr hierher und hockt euch hierhin. Und an den großen Augen erkenne ich ja, dass da was ist. Aber was ist das? Warum wollt ihr uns immer wieder sehen? Warum kommt ihr immer wieder, wollt mich sehen. Warum gibt es mich. Kann mir das vielleicht jemand beantworten? Papageno in "Die Zauberflöte" in Schwerin

Neuer Fokus auf Liebesgeschichte um Tamino und Pamina

Eine Frau steht auf einer Bühne, im Hintergrund ein Orchester © Silke Winkler Foto: Silke Winkler
Cornelia Zink spielt in Schwerin die Pamina. Zu Beginn der Aufführung steht sie in Alltagskleidung auf der Bühne.

Diese Schweriner Fassung unter dem Titel "Die Zauberflöte - oder: Wie die Musik mir das Leben rettete" versucht Antworten auf Papagenos Frage zu finden, erklärt Dramaturg Linus Lutz: "Das Besondere ist, dass wir hier einen besonderen Fokus kriegen auf die ganz zentralen Figuren, auf diese große Liebesgeschichte. Die eine sehr heutige Liebesgeschichte ist. Bei Tamino und Pamina geht es immer darum, finden die sich noch oder finden die sich nicht. Und diese Inszenierung ermöglicht darauf einen ganz besonderen Blick, wie er sonst oft nicht gegeben ist, weil natürlich sehr viele Handlungsstränge durcheinander gehen. Wir haben hier die Möglichkeit, diese Liebesgeschichte sehr transparent, sehr nuanciert in ihren unterschiedlichen Spielarten noch mal zu sehen."

Zink als Pamina: "Mit Mozart wie mit moderner Musik umgehen"

Wolfgang Amadeus Mozart © picture-alliance / imagestate/HI Foto: The Print Collector
AUDIO: 30. September 1791: Mozarts "Zauberflöte" wird uraufgeführt (15 Min)

Cornelia Zink singt die Rolle der Pamina, wie fast alle Künstler dieser Inszenierung steht sie zunächst in heutiger Alltagskleidung auf der Bühne. Die Pamina habe sie schon mehrfach gesungen, sagt Cornelia Zink, aber eben noch nicht so wie jetzt am Mecklenburgischen Staatstheater: "Ich finde gerade diesen Ansatz interessant, sich mal aus einer ganz anderen Perspektive an das Stück heran zu wagen. Und zu sagen, wir gehen mit einem Mozart so um, wie wir mit moderner Musik umgehen. Das wir uns eben zum Beispiel trauen, nicht unbedingt die Reihenfolge einzuhalten, sondern, dass wir sagen, was hat das mit uns zu tun, wenn jetzt meine Arie zweimal gar nicht richtig beginnt, weil ich einfach als Figur noch nicht so weit bin. Das ist schon sehr spannend, es gibt auch meiner Figur noch mal die Möglichkeit, ganz anders wahrgenommen zu werden", findet Zink.

Königin der Nacht erscheint im Raumanzug

Eine Frau steht im Raumanzug auf einer Bühne © Silke Winkler Foto: Silke Winkler
Morgane Heyse trägt als Königin der Nacht nicht wie gewohnt ein glamouröses Kleid, sondern einen Raumanzug.

Neben den Sängerinnen und Sängern kommt der Mecklenburgischen Staatskapelle unter Mark Rohde eine herausragende Bedeutung zu, sitzen doch die Musikerinnen und Musiker im hinteren Teil der Bühne, sind immer Teil der Inszenierung, so Linus Lutz: "Es geht um den Fokus auf die Musik und auf die Sichtbarmachung der Musik, das sinnliche Erleben der Musik. Und das spielt uns natürlich total in die Hände, dass die Kapelle gut sichtbar auf der Bühne sitzt. Es ist auch einfach ein wunderschönes Bild, wenn sie sozusagen recht frei sichtbar vor eigentlich leerer Bühne musizieren. Und da gibt sich das Regiekonzept eigentlich die Hand mit dem, was vielleicht jetzt hier Erfordernisse sind, die durch Corona bedingt sind. Aber ich würde sagen, das wäre auch ohne Corona eine gute Idee."

Dadurch ist das Bühnenbild sehr zurückgenommen - schwere Vorhänge deuten einen Wald an, ein großer Rahmen den Tempel. Viel wird mit dem Licht gespielt, auch Videoinstallationen vertiefen Szenen. Spätestens wenn die Königin der Nacht im Raumanzug erscheint, fällt dem Zuschauer auf, dass diese Schweriner Inszenierung eine moderne ist, die aber Mozarts Kompositionen liebevoll behandelt.

Weitere Informationen
Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Mecklenburgisches Staatstheater Foto: Silke Winkler

Kulturpartner: Mecklenburgisches Staatstheater

Das Mecklenburgische Staatstheater gehört zu den großen traditionsreichen Bühnen im norddeutschen Raum. extern

Papageno will aussteigen: Moderne Fassung der "Zauberflöte"

Am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin feiert Wolfgang Amadeus Mozarts Oper heute Premiere.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Mecklenburgisches Staatstheater
Alter Garten 2
19055 Schwerin
Telefon:
(0385) 53 00 123
E-Mail:
kasse.mst@web.de
Preis:
11,30 Euro - 57,10 Euro
Hinweis:
30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im Konzertfoyer statt.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 12.11.2021 | 11:20 Uhr