Inszenierung am Theater Lüneburg von "Der Sturm" nach William Shakespeare © Andreas Tamme Foto: Andreas Tamme

Lüneburg: 2.000 Liter Wasser, Fünf-Meter-Puppe auf Theaterbühne

Stand: 05.07.2022 09:35 Uhr

Die Inszenierung von Shakespeares "Der Sturm" als musikalisches Stück ist die aufwendigste Produktion in der Geschichte des Theaters Lüneburg. Das Stück ist ab 29. September bis Februar 2023 zu sehen.

von Katrin Schwier

Ursprünglich stand das Stück "Der Sturm" nach William Shakespeare schon vor der Pandemie auf dem Spielplan des Lüneburger Theaters. Am Sonnabend wurde endlich Premiere gefeiert Und wie! Unter anderem mit 2.000 Litern Wasser auf der Bühne und einer fünf Meter großen beweglichen Puppe. Beteiligt sind Schauspiel, Orchester, Ballett und Chor. Damit ist es die aufwendigste Produktion in der Geschichte des Theaters.

Große Gefühle am Theater Lüneburg in "Der Sturm": Liebe, Hass, Verschwörung

Der Zauberer Prospero ist mit seiner Tochter Opfer einer Verschwörung geworden, sitzt auf einer verlassenen Insel fest und schmiedet Rachepläne. Mit Magie beschwört er einen Sturm herauf und lässt seine Feinde auf seiner Insel stranden.

In dem Stück "Der Sturm" von Shakespeare geht es um die ganz großen Gefühle und Themen: um Liebe, Hass, Verschwörung. Eine komplizierte  Geschichte. Das Regieduo aus Gregor Müller und Philip Richert hat sich dieses Stück aber bewusst für Ihr Mammutproduktion ausgesucht, so Richert: "Wir suchen immer nach Stoffen, die per se schon mal große Bildmöglichkeiten haben, und da braucht man Vorlagen die für sich schon mal bunt und groß und laut sind, und da ist man ganz schnell bei Shakespeare."

Königin der Meere Sedna als fünf Meter hohe Puppe auf der Bühne

Müller und Richert geht es nicht zentral darum, die Geschichte zu erzählen. Sie wollen mit großen Bildern diesen Zauber und die Magie darstellen. Dafür braucht das Regieduo lediglich zwei zentrale Requisiten: eine fast 5 Meter hohe Puppe, Sedna, die Königin der Meere, eine mytische Figur. Sie wird von fünf Schauspielern bewegt.

Inszenierung am Theater Lüneburg mit einer fünf Meter hohen Puppe, bedient von Schauspielern bei "Der Sturm" nach William Shakespeare © Andreas Tamme Foto: Andreas Tamme
Die fünf Meter hohe Puppe ist die Königin der Meere Sedna - eine mythische Figur. Sie muss von mehreren Schauspielenden gleichzeitig in Bewegung gesetzt werden.

Außerdem ist auf der Bühne ein enormes Wasserbecken mit 2.000 Litern, das fast den gesamten Raum bedeckt. Alle Schauspielerinnen und Schauspieler stehen mit ihren Füßen im Wasser: "Wir suchen immer nach einem zentralen Element und beim 'Sturm' waren wir schnell beim Wasser, weil man damit sowohl Kraft zeigen kann, als auch Magie zeigen kann." Wenn man das Wasser gut beleuchte, jemand darin stünde, Tropfen rieseln lasse, sei große Magie da.

Neben Wasser und Licht ist Musik ein wichtiges Element. Viele Songs singt Philip Richert in seiner Figur als Prospero selbst: Große Bilder, Musicalelemente, und Komödiantisches - der Bogen werde aber auch zum Ernsten gespannt, sagt Schauspieler Christof Vetter. Er spielt den betrunkenen Butler Stefano: "Das Wetterereignis Sturm wird auf der Bühne stattfinden. Aber das ist auch ein Bild für die Gesellschaft, für die Situation in der die Menschheit sich von Zeit zu Zeit immer wieder befindet, leider, und da gibt es genug Referenzen, wofür der Sturm oder die stürmischen Zeiten irgendwie steht."

Wozu sind Kriege da, kann uns das jemand bitte jetzt erklären.
Wird einst der große Erdball selbst wie von einem Zauber samt den Bewohnern zu Grunde gehen,
so bleibt von ihnen übrig nicht die Spur. Zitat aus dem Chor auf der Bühne

70 Künstler*innen bei der Riesenproduktion

Es ist die größte Produktion in der Geschichte des Theaters Lüneburg. Auf der Bühne stehen 25 Darsteller, dazu kommen noch einmal so viele Musiker im Orchestergraben. Es gibt Tanz und der Chor tritt auf: insgesamt 70 Künstler*innen. Dazu kommen Techniker, Kostümbildner und Requisiteure.

In Zeiten von Corona eine wahre Herausforderung. Denn im Vorfeld der Premiere gab es immer wieder positive Corona-Tests. Haupt- und Nebenrollen mussten wenige Tage vor der Premiere umbesetzt werden. Auch der Dirigent fiel aus und musste spontan ersetzt werden. Aufgeben kam für Regisseur und Schauspieler Philip Richert aber nie in Frage: "Es ist für uns alle so, dass wir das unbedingt spielen wollen und müssen. Die Zuschauer scheinen das auch zu wollen." Die Premiere war ausverkauft. "Wir haben seit Langem mal wieder wirklich volles Haus. Und das steht über der Angst, dass irgendwas schief gehen könnte."

"Bombenpremiere, Bombenballett!"

Die Premiere am Wochenende war dann auch ein voller Erfolg: "Ich fand das Bühnenbild super. Beeindruckend Diese riesige Gestalt. Diese Tänze mit diesen Lichterwellen. Ich fand des Gesamteindruck echt klasse", sagte eine Besucherin. "Bombenpremiere, Bombenballett!", freut sich eine weitere. "Ein bisschen Shakespeare war drin, aufregend interessant, schöne Bilder, schöne Musik, einfach fantastisch", schwelgte ein weiterer Premierenbesucher: "Ich hätte Lüneburg nicht so ein modernes Theater zugetraut."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 05.07.2022 | 15:20 Uhr

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