Szene aus "Dornröschen" am Neustrelitzer Theater © TOG/Jörg Metzner Foto: Jörg Metzner

Bunt und pompös: Theater Neustrelitz feiert "Dornröschen"-Premiere

Stand: 27.09.2021 10:33 Uhr

Am Theater in Neustrelitz hatte die Märchenoper "Dornröschen" Premiere. Damit ehrt das Theater Engelbert Humperdinck, der am 27. September 1921 in Neustrelitz gestorben war.

von Annett Ewen

Ein Orchester, das sich im Graben einspielt: Diese Töne waren hier schon lange nicht mehr im Theater Neustrelitz zu hören. Eineinhalb Jahre gab es keine Opernaufführung mehr hier. Da passte es, dass die Märchenoper "Dornröschen" von Engelbert Humperdinck das Theater praktisch wieder wachküsst - und zwar auf ganz moderne und lebendige Weise.

Das Bühnenbild: ein kubistisches Schloss auf einer Drehscheibe. Der Mond trägt Gesundheitsschuhe, frotzelt mit seiner Frau, der Sonne, die immer dann geht, wenn er kommt. Der Schädlingsbekämpfer säubert noch schnell vor dem Fest das Schloss. Die Prinzessin in Sportschuhen und der Prinz in Lederhose.

Dornröschen schläft und spielt in Neustrelitz

Szene aus "Dornröschen" am Neustrelitzer Theater © TOG/Jörg Metzner Foto: Jörg Metzner
Das Stück hatte Regisseurin Jasmin Solfaghari eigentlich für letzten November geplant.

Der Prinz sei die geheime Hauptrolle, sagt Sänger Andres Felipe Orozco. Für ihn sind Märchen keineswegs nur Kindergeschichten: "In diese fantastische Welten reinzugehen, da ist es egal wie alt man ist, man ist immer fasziniert von diesen Geschichten. Einfach diese Rollen zu verkörpern, die in einer anderen Welt leben. Das ist fantastisch, die Möglichkeit zu haben, so eine Rolle zu spielen."

Bei Engelbert Humperdinck ist Dornröschen noch ein bisschen fantastischer als bei den Brüdern Grimm. In Neustrelitz wartet auf den Prinzen eine Himmelfahrt. Ihm wird klar, er braucht die Verlobungsringe, um das Röschen aus dem 100-jährigen Schlaf zu erlösen - findet sie aber nicht. Darauf schickte die böse Fee Dämonia ihn in den Himmel. Dort sollte er sich von Sonne, Mond und Sternen Rat holen.

Freude über Rückkehr auf die Theaterbühne

Szene aus "Dornröschen" am Neustrelitzer Theater © TOG/Jörg Metzner Foto: Jörg Metzner
Prinz in Lederhose: Andres Felipe Orozco

Bunt und pompös ist es auf der Bühne. Das hat das Stück nicht zuletzt Ausstatter Walter Schütz zu verdanken. Schon im Sommer haben sich Andres Felipe Orozco und seine Kollegen über die ersten Open Air-Stücke nach Corona gefreut. Jetzt, im Theater, an gewohnter Stelle zu spielen, sei aber noch mal etwas anderes, erzählt der Tenor: "Es ist auch rührend zu sehen, dass die Kollegen und alle Leute hinter der Bühne so begeistert sind - und das Publikum auch."

Eigentlich war die Premiere am Theater Neustrelitz für den vergangenen November angedacht - natürlich unter Corona-Bedingungen: ohne Orchester mit nur zwei Klavieren. Wegen des Lockdowns konnte sie nicht stattfinden. Als klar war, dass Stück kann ohne Beschränkungen auf die Bühne, musste Regisseurin Jasmin Solfaghari das Stück noch einmal überarbeiten.

Mehr als nur ein Zufall

Dass die Premiere praktisch mit dem 100. Todestag von Engelbert Humperdinck zusammenfällt ist ein Zufall. Genau wie die Tatsache, dass Humperdinck in Neustrelitz verstarb. Hier arbeitete sein Sohn Wolfram als Opernspielleiter. Der Vater reiste 1921 zur Premiere an. Er erlitt einen Schlaganfall und starb kurze Zeit darauf im Carolinenstift. Eine Gedenktafel erinnert an ihn - und bis Weihnachten auch die Märchenoper "Dornröschen".

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in die Nacht | 27.09.2021 | 07:20 Uhr