Ein Haus aus Geldscheinen und Münzen am Strand © Fotolia.com Foto: Unclesam

"Zachäus-Steuerkampagne" kämpft gegen globale Armut

Stand: 01.10.2020 11:45 Uhr

Multinationale Großkonzerne versteuern ihren Gewinn oft nicht dort, wo sie produzieren. Die Flucht in Steueroasen führt zu sozialer Ungerechtigkeit - und trifft vor allem ohnehin schon ärmere Länder.

von Julia Heyde de López

Soziale Gerechtigkeit und ihre Umsetzung brauchen Zeit. Das werde kein schneller Erfolg, aber wir können es schaffen, sagt der englische Theologe Justin Thacker. Justin Thacker weiß, er wird Geduld brauchen. Seine Mission heißt Steuergerechtigkeit. Das grundsätzliche Problem sei, dass große Unternehmen, besonders multinationale Konzerne, die grenzüberschreitend tätig sind, Wege fänden, ihre Steuern nicht in den Ländern zu zahlen, wo sie sie eigentlich zahlen sollten. "Stattdessen zahlen sie weniger oder gar keine Abgaben in den Steueroasen", so Thacker.

Steuerflucht sorgt für Ungerechtigkeiten

Der Theologe Justin Thacker © JustinThacker
Der englische Theologe Justin Thacker kämpft gegen globale Armut.

Den Schaden haben dann vor allem die Länder des globalen Südens. Und das müsse sich dringend ändern, erklärt Thacker. Sein Büro in London "Church Action for Tax Justice", auf Deutsch etwa "Aktion der Kirchen für Steuergerechtigkeit", wirbt deshalb für die "Zachäus Steuerkampagne". Die hat ihren Namen von der biblischen Figur des Zachäus.

Zachäus war Zöllner, ein Steuereintreiber, er war Teil des ausbeuterischen Wirtschaftssystems der damaligen Zeit. Dann begegnet er Jesus und beschließt, sein Leben zu ändern. Er zahlt das Geld, das er unrechtmäßig genommen hat, zurück, gibt die Hälfte seines Besitzes den Armen. Das ist ein Beispiel dafür, wonach wir suchen. Wir denken, dass sich durch die Begegnung mit dem Evangelium und mit einer christlichen Wirtschaftsethik die Art und Weise verändern kann, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert.

Mehr Umweltsteuern und eine Transaktionssteuer gefordert

Die Zachäus-Kampagne wird unterstützt vom Ökumenischen Rat der Kirchen, dem Lutherischen Weltbund, dem Reformierten Weltbund und anderen. Zu den Forderungen gehören unter anderem die Einführung von Umweltsteuern oder eine Finanztransaktionssteuer auf den Handel mit Aktien.

Wir schlagen auch vor, einen Reparationsfonds zu schaffen, um zum Beispiel historische Ungerechtigkeiten auszugleichen, die durch Sklaverei entstanden sind. Damit könnten Entwicklungsländer ihre Gesundheits- und Bildungssysteme und ihre Infrastruktur ausbauen. Und schließlich fordern wir auch einen Schuldenerlass.

Und wird das alles zu erreichen sein? Justin Thacker ist überzeugt: Wenn sich hier Christinnen und Christen, Menschen jeden Glaubens und Menschen ohne Religion zusammentun, wird der Rest der Gesellschaft ihnen zuhören. Der Gedanke der sozialen Gerechtigkeit wird sich am Ende durchsetzen.

Steg am See im Sonnenuntergang. © Jenny Sturm/fotolia Foto: Jenny Sturm

AUDIO: Moment mal (3 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 27.09.2020 | 18:15 Uhr

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