Grabsteine im Nebel © Pixabay Foto: Neil Chapell

Volkstrauertag - Die Erinnerung an Vergangenes wachhalten

Sendedatum: 14.11.2020 18:05 Uhr

Der Volkstrauertag gehört zu den "stillen Feiertagen". Seit 1922 erinnert er an die Opfer von Kriegen und Gewalt. Der Bundespräsident spricht im Bundestag das Totengedenken.

von Britta Jensen

Abendnebel steigt auf und legt sich wie eine weiße Decke über die Gräber. Unwirklich erscheint mir das große Feld. Ein Grabstein neben dem anderen. Es sind unzählige, eingerahmt von hohen Bäumen. Ich versinke in der Vergangenheit und sehe den Blättern nach, wie sie von den knorrigen Ästen auf den nassen Boden fallen. Die Vergänglichkeit ist hier allgegenwärtig. Ich gehe still durch die Reihen, lese die Namen von Männern, ihr Geburtsdatum und ihren Todestag. "Die waren so jung", schwirrt es mir immer wieder durch den Kopf, "fast noch Kinder".

Kriegsopfer - gewaltsam aus dem Leben gerissen

Kriegsgräber auf einem Friedhof © Pixabay Foto: Candid Shots
Es gibt 832 Kriegsgräberstätten mit über 2,8 Millionen Toten verteilt auf 46 Staaten.

Dies ist kein Friedhof, wie ich ihn sonst kenne, mit Grabsteinen, die normalerweise auf ein langes Leben weisen. Dies sind Soldaten-Gräber und die erzählen von einem gewaltsamen Tod, von Bombenhagel und Granatsplittern, von Schmerz und Leid. All diesen Menschen war ein Leben geschenkt. Es wurde ihnen genommen - durch einen grausamen Krieg. Ich denke an Gespräche mit meiner Großmutter, sehe Bilder vor meinem geistigen Auge aus Geschichtsbüchern und Filmen, die die Grausamkeiten der Weltkriege dokumentieren. All diese Erzählungen und Bilder, die so weit weg scheinen, bekommen plötzlich ein Gesicht. Ich stehe vor einem Grab von Tausenden und stelle mir diesen jungen Mann vor. Wie mag er gelebt haben und wovon geträumt? Welche Ängste und Schmerzen musste er erleiden? Ein viel zu frühes Ende. Gewaltsam rausgerissen aus dem Leben. Eine weinende Mutter. Kriege sind so sinnlos.

Menschen zu friedlichem Handeln bewegen

Auch wenn es traurig und schmerzhaft ist, so ist es doch gut, viel mehr notwendig, die Erinnerung an Vergangenes wachzuhalten, um die jungen Menschen von heute zu einem friedlichen Handeln zu bewegen. Selig sind, die Frieden schaffen, denn sie werden Gottes Kinder heißen, sagt Jesus bei der Bergpredigt. Und so gehe ich mit dem unbändigen Wunsch nach Hause, dass doch alle Kriege endlich aufhören mögen.

Weitere Informationen
Grabsteine stehen auf einer Kriegsgräberstätte auf dem Neuen Friedhof in Rostock. © dpa-Zentralbild Foto: Bernd Wüstneck

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 14.11.2020 | 18:05 Uhr

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