Ein Kind mit Maske kuschelt sich an einen Teddybär © Colourbox Foto: Vladimir

Traumaberatung gegen Gewalt: Nicht wegschauen, Hilfe anbieten

Sendedatum: 02.04.2021 09:20 Uhr

Gewalterfahrungen können bei Menschen seelische Erschütterungen, psychische Verletzungen und Verzweiflung hervorgerufen. Beratungsstellen wie der Kinderschutzbund oder Pro Familia können weiterhelfen.

von Pastor Oliver Vorwald

Karfreitag, dieser Feiertag erinnert an Schläge, Tränen, Ohnmacht. Jesus stirbt am Kreuz. Seine Mutter muss alles miterleben, ebenso die Weggefährtin Maria Magdalena. Wie lässt sich solch eine Situation verarbeiten? Heike Stephan vom Kinderschutzbund in Burgdorf ist Traumafachberaterin und erläutert: "Zwischenmenschliche Gewalt - oder gerade zwischen einer Bindungsperson - schaffe ein Trauma, also eine psychische Verletzung, Verletzung der Seele. "Und das erkläre ich erst mal meinen Klientinnen."

Fürsorge und Aufmerksamkeit: Gewalterlebnisse verarbeiten

Sich selbst verstehen lernen. Die Reaktionen der Seele, wie Wut, Trauer, Sprach- und Schlaflosigkeit. Das ist ein erster Schritt, um Gewalterfahrungen zu verarbeiten. Außerdem braucht es Fürsorge und ganz viel Achtsamkeit für sich selbst. "Was macht man, wenn das Bein verletzt, wenn das Knie verletzt ist, dann pflegt man die Wunde, wenn sie heilen soll, so Heike Stephan. Und das sei eigentlich auch das, was man mit einer seelischen Verletzung machen müsse. "Also pflegen, sanft sein zu sich selbst, nicht so viel zu erwarten."

Und natürlich hilft auch Glaube, ein Gebet, die Geborgenheit einer Gemeinde: Glaube könne auf jeden Fall helfen, weil er Hoffnung gebe. Und weil er ja auch Kraft gebe, sich aus der scheinbar unvermeidlichen Situation herauszulösen. Also auf jeden Fall ... aber was man auch eben brauche, ist ganz konkrete Hilfe. Also allein schaffe man es häufig nicht.

Kinderschutzbund: "Arbeit mit Eltern ist ausschlaggebend"

Der Kinderschutzbund Burgdorf ist ein eingetragener Verein mit rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie fast 100 Ehrenamtlichen. Dass hier auch Frauen eine Anlaufstelle finden, die in ihrer Biografie Gewalt erlebt haben, erklärt sich ganz einfach, sagt die Traumafachberaterin Heike Stephan: "Ja, meist haben diese Frauen Kinder." Die Arbeit mit den Eltern sei natürlich ausschlaggebend; denn gesunde Eltern und starke Eltern würden es schaffen, gesunde und starke Kinder zu erziehen. Und das sei auch das Ziel, was wir als Kinderschutzbund verfolgen.

Schläge, Tritte, böse Worte und dann diese lähmende Ohnmacht. Auch heute noch machen viele Menschen solche Karfreitags-Erfahrungen. Hinter verschlossenen Türen, in der Partnerschaft, auf dem Schulhof. Nicht wegschauen, sagt Heike Stephan, sondern Hilfe anbieten, Mut machen, sich bei Beratungsstellen zu melden: wie denen der Diakonie, des Kinderschutzbundes, von Pro Familia und anderen Einrichtungen.

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Ein Kind mit Schutzmaske sieht ernst aus. © photocase Foto: Michael Schnell

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 02.04.2021 | 09:20 Uhr

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