Bischöfin Kirsten Fehrs sieht in die Kamera. © Nordkirche

Ohnmacht und Sorgen bestimmen das Lebensgefühl

Sendedatum: 16.06.2021 09:40 Uhr

Die Armut in der Welt nimmt rasant zu - Corona hat die die Lage drastisch verschlechtert. Und viele Menschen fühlen sich ohnmächtig. Deshalb braucht es Hoffnungsgemeinschaften, sagt Bischöfin Kirsten Fehrs.

von Bischöfin Kirsten Fehrs

Einerseits - haben wir Ferienzeit. Viele machen Urlaub und erholen sich hoffentlich gut. Auch wer nicht verreist ist, lebt vielleicht mit einer etwas geringeren Schlagzahl in diesen Tagen. Ich würde es Ihnen wünschen! Andererseits wühlen die aktuellen Nachrichten auf – und ich merke, sie lassen wirklich keinen unberührt. Zuallererst die Wasserfluten hierzulande, mit so vielen Toten und Vermissten. Meine Gedanken und Gebete gehen zu den Familien dort und zu den vielen erschöpften Helferinnen und Helfern. Gebe Gott, dass die Trauernden und Bangenden Beistand und Trost erfahren.

Ja, und dann sind da auch die Hitzerekorde in Spanien, sogar am Nordpol. Furchtbare Bilder von verhungernden Kindern auf Madagaskar. Die Armut in zu vielen Teilen der Welt nimmt rasant zu; Corona verschlechtert die Lage drastisch. Und auch hier bei uns fragen besonders junge Menschen, welche Zukunft auf sie zukommt.

Die Weltgesellschaft braucht Solidarität

Ich teile und verstehe die Sorgen. Und ich frage mich: Wie schaffen wir das, beieinanderzubleiben, als Gesellschaft zusammenzuhalten, vielleicht sogar als Weltgesellschaft Solidarität wirklich zu leben, auch wenn wir vieles nicht ändern und manche Katastrophe nicht werden abwenden können? Wie schaffen wir das, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für den Zustand der Welt, sondern auch füreinander, jetzt doch gerade in den Krisen?

Gemeinschaften können Hoffnung geben

Das Lebensgefühl in der Zeit, in der vor Abertausenden die Bibel entstanden ist, war ganz ähnlich: Es kann nicht mehr lange gut gehen mit der Welt, meinten viele. Katastrophenerwartungen, auch damals schon, und Ohnmachtsgefühle. Aber es gibt einen, der uns im Innersten zusammenhält, so haben es die religiösen Menschen geglaubt - und gesagt: Wir geben nicht auf, wir geben erst recht uns nicht auf. Und sie haben Gemeinden gegründet und gepflegt. Hoffnungsgemeinschaften, die zuversichtlich auf die ungewisse Zukunft zugegangen sind. Ja, denke ich in diesen Tagen, zu solch einer gemeinschaftlichen, zuversichtlichen und verantwortungsbereiten Haltung sind auch wir in der Lage. Unser aller Kraft und Mitmenschlichkeit werden jetzt gebraucht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 16.06.2021 | 09:40 Uhr

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