Kanzel-Detail mit Engeln im Kloster Lüne © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka

In der Coronazeit mit anderen Menschen Hoffnung teilen

Sendedatum: 28.10.2020 09:40 Uhr

Angst ist kein guter Ratgeber in der Coronakrise. Besser ist es, Kräfte wie Hoffnung, Zuversicht und Lebenswillen zu stärken. In der Bibel ist die Geschichte von Elia und dem Engel ein Beispiel dafür.

von Bischöfin Kirsten Fehrs

Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt. So hat es Albert Schweitzer einmal gesagt, dieser unermüdliche Denker, Künstler und Anpacker für das Leben. Heute, ganz aktuell, kommt mir mehr in den Sinn als nur das Glück: Hoffnung, Zuversicht, Optimismus, Lebenswillen - das sind die Kräfte, die wir jetzt in dieser Pandemie-Zeit mit all ihren Unwägbarkeiten brauchen. Zuversicht wächst, wenn wir sie teilen. Das ist jetzt dran: dass wir uns gegenseitig stärken, und nicht die Angst siegen lassen oder die Resignation. Wir können das, ich bin überzeugt.

Die Geschichte von Elia und dem Engel

In der Bibel gibt es dazu eine beeindruckende Geschichte. Sie erzählt von Elia, eigentlich einem Erfolgsmenschen, der absolut resigniert und am Ende ist. Und so geht er buchstäblich in die Wüste, damit er nichts mehr hört und sieht, auch keine Katastrophennachrichten mehr. Einsam und erschöpft liegt er da. Auf einmal kommt ein Engel, keine kleine niedliche Putte, sondern ein richtig vernünftiger, klarer, hartnäckiger Engel und sagt nur dies: "Steh auf und iss! Du hast einen weiten Weg vor dir." Und weil Elia dies einfach nicht verstehen kann und will, sagt der Engel es nochmal und nochmal. Mitten in der Wüste, im lebensfeindlichen Risikogebiet, findet Elia dann tatsächlich frisches Brot und klares Wasser. Elementares, damit er leben kann. Und er bekommt neue Kraft. Kann weitergehen. Und kommt an, auch bei sich selbst.

Zuversicht in der Corona-Pandemie teilen

Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland © Nordkirche Foto: Marcelo Hernandez
Solidarität zähle, jetzt besonders, sagt Bischöfin Kirsten Fehrs.

Wir können das auch. Uns gegenseitig zu Engeln werden, die einander stärken und Kraft geben, jetzt, da die Pandemie langen Atem fordert. Hartnäckige Widerstandskraft ist gefragt, wenn die näher rückenden Corona-Nachrichten niederdrücken, wenn sie Existenzangst auslösen oder vielleicht einfach nur nerven. Steh auf! Lass dich stärken! Von innen, mit Gottvertrauen, aber eben auch von außen, von anderen Menschen, die Hoffnung teilen und davon abgeben, wenn die eigene mal nicht reicht. Solidarität zählt. Jetzt besonders. Denn Zuversicht verdoppelt sich, wenn wir sie teilen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 28.10.2020 | 09:40 Uhr

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