Lila Krokusse im Morgentau. © NDR Foto: Michael Ritter aus Lübz

Husumer Krokusse als Hoffnungsboten in der Corona-Zeit

Sendedatum: 09.03.2021 19:05 Uhr

Seit Jahrhunderten schon locken rund vier Millionen Krokusse Menschen nach Husum. Doch wegen der Corona-Krise fällt das traditionelle Krokusblütenfest zum zweiten Mal aus.

von Pastor Joachim Kretschmar

Die Stadt Husum ist berühmt für ihre Krokusse. Im März färben sich alle Wiesen im Schlosspark der nordfriesischen Hafenstadt lila. Außerhalb von Corona-Zeiten ist die Krokusblüte ein Publikumsmagnet: Touristen aus ganz Deutschland reisen an, um die Farbenpracht zu bewundern. Über vier Millionen Krokusse schaffen jedes Jahr dieses Naturschauspiel - das gibt es in ganz Mitteleuropa kein zweites Mal.

Theodor Storm erwähnt Husumer Krokusse erstmals

Wer die Krokusse im Husumer Schlosspark gepflanzt hat, lässt sich heute nicht mehr sicher sagen. Die erste Erwähnung der Blütenpracht findet sich in einer Novelle von Theodor Storm, dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt. Doch die Husumer Krokusblüte ist viel älter. Es gibt zwei Legenden, wie sie entstanden sein könnte.

Legende von den Mönchen und der Zuckerbäckerin

Die eine Legende erzählt, dass Franziskaner-Mönche im 15. Jahrhundert die Krokusse nach Husum geholt haben: Ihr Kloster stand an der Stelle, an der heute das Husumer Schloss steht. Die Mönche wollten aus den Blüten Safran gewinnen, um damit ihre Gewänder, die sie für die Gottesdienste brauchten, gelb zu färben.

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Lila Krokusse sind auf einer Wiese am Schloss vor Husum zu sehen © dpa Foto: Gregor Fischer

Millionen Krokusse blühen in Husum - aber das Fest fällt aus

Die wild wachsenden Pflanzen verwandeln den Schlosspark. Um die Frühlingsboten ranken sich in Nordfriesland Legenden. mehr

Die andere Legende geht so: Von 1655 bis 1684 residierte im Schloss vor Husum die Herzogin Marie Elisabeth. Sie soll eine hervorragende Bäckerin gewesen sein - ihr süßes Gebäck war weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Um die großen Mengen Safran zu bekommen, die sie für ihre Kuchen brauchte, ließ sie Krokusse anpflanzen. Aus ihren Blüten wollte sie das rote Gold gewinnen. So wird Safran auch genannt wird, weil es so wertvoll ist.

Ob es nun die Mönche waren oder die Zuckerbäckerin: Beide Male endet die Geschichte enttäuschend, denn aus den Krokussen im Husumer Schlosspark lässt sich kein Gewürz gewinnen. Für Safran braucht man eine ganz bestimmte Krokus-Art - den "Crocus sativus". In Husum wächst dagegen der "Crocus neglectus".

Der Krokus als Hoffnungsbote

"Der Mensch denkt, Gott lenkt", sagt ein Sprichwort. Die Mönche und die kuchenbackende Herzogin hat Gott nicht reich gemacht. Aber den Bienen und Schmetterlingen schenkt er in Husum jedes Jahr aufs Neue einen reich gedeckten Tisch. Und, was mit langen Gesichtern begann, macht seit Jahrhunderten auch Menschen glücklich. Jedes Jahr wieder. Der Krokus als Hoffnungsbote: Mit seiner violetten Pracht erzählt er davon, dass auf jeden Winter ein Frühling folgt. Und dass aus mancher Enttäuschung am Ende Gutes erwächst.

Krokusse blühen in Hamburg. © picture alliance Foto: Hinrich Bäsemann
AUDIO: Gesegneten Abend: Krokusse (2 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 09.03.2021 | 19:05 Uhr

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