Stand: 25.08.2020 14:15 Uhr

Hanna und Noah: Biblische Vornamen sind beliebt

von Julia Heyde de López
Die von der Gesellschaft für deutsche Sprache ermittelten beliebtesten Erstvornamen für Mädchen und Jungen lauten Hanna und Noah. © picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa Foto: Frank Rumpenhorst
2019 waren laut Gesellschaft für deutsche Sprache Hanna und Noah die beliebtesten Namen für Babys.

Hannah und Noah. Das waren im vergangenen Jahr die beliebtesten Vornamen in Deutschland. Zwei erkennbar biblische Namen, erklärt Dietlind Kremer. Sie ist Namenforscherin und leitet die Namenberatungsstelle der Universität Leipzig. Sie und ihr Team helfen weiter bei Anfragen unter anderem von Eltern und Standesbeamten.

Der Name "Jesus" war in Deutschland zeitweise verboten

Was auffällt, wenn man sich die Liste mit den Namen biblischen Ursprungs anschaut: Jesus hat als Vorname im deutschen Sprachgebiet keine Verbreitung gefunden. Es gebe vereinzelte Dokumente aus dem 16. Jahrhundert, die belegten, dass der Name auch mal in Deutschland vergeben wurde, so Dietlind Kremer. Aber 1961 wurde es für einige Jahrzehnte sogar verboten, seinem Kind den Namen Jesus zu geben. "Das ist sicher eine Nachwirkung dieser Tabuisierung, in der Literatur steht manchmal auch 'heilige Scheu'", so die Namenforscherin. Ganz anders sehe es in den spanischsprachigen Ländern aus: In Spanien gebe es etwa 275.000 Männer, die Jesús hießen, das sei auf Mentalitätsunterschiede und unterschiedliche Frömmigkeitsformen zurückzuführen. 

Aber im großen Repertoire biblischer Namen gibt es immer noch welche, die verboten sind, denn sie sind negativ konnotiert. Kain zum Beispiel oder Judas. Der eine beging den ersten Mord in der Bibel, der andere verriet Jesus. Da müsse man manchmal erklären, warum das etwas ist, was man einem Neugeborenen nicht als Last mit auf den Weg geben dürfe, so Dietlind Kremer.

 Klang eines Vornamens ist wichtiger als die Bedeutung

Wenn Eltern heute die Namen für ihre Kinder auswählen, spielt der Klang eine größere Rolle als die Bedeutung. Bei den zwei beliebtesten Vornamen passt beides: Noah bedeutet "Trost schaffen" und Hannah lässt sich mit "Gott ist gnädig" übersetzen. Und ob sie nun Elias oder Lukas heißen, Simon, Markus, Sarah, Maria oder Josef: Dietlind  Kremer findet es einfach schön, wenn Menschen sich für ihren Namen interessieren und wahrnehmen, dass sie in einer langen kulturellen Tradition stehen. "Dass ihr Name über viele Generationen hinweg, wenn man so will, gerettet wurde und man in einer Folge von berühmten und nicht berühmten Namenträgern steht, die ihren Ursprung auf die Bibel als Grundlage der Namensgebung zurückführen, auch wenn natürlich in der heutigen Zeit ganz andere 'Influencer' für die Namensgebung gewählt werden als die gute, alte Bibel."

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 23.08.2020 | 09:15 Uhr

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