Am Eingang des Bataclan-Konzertsaals wurden anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum dritten Jahrestag der Pariser Angriffe vom November 2015, bei denen 130 Menschen getötet wurden, eine Gedenktafel und Blumen aufgestellt. © Benoit Tessier/Reuters Pool/AP/dpa/dpa-Bildfunk Foto: Benoit Tessier

Fünfter Jahrestag der Pariser Anschläge - "Das Leben siegt"

Sendedatum: 13.11.2020 06:20 Uhr

1.500 Fans besuchten am 13. November 2015 das Konzert der Band "Eagles of Death Metal" im Pariser Club Bataclan. Die gute Stimmung wurde durch einen Terroranschlag jäh unterbrochen.

von Pastorin Sarah Oltmanns

Der Anschlag in Wien ist noch gar nicht lange her. Der Anschlag in Paris im Bataclan war heute vor fünf Jahren. Am Abend feierten im Konzertsaal des Bataclan junge Menschen ein Death Metal-Konzert. Drei Terroristen drangen in den Saal. Sie feuerten zehn Minuten lang mit Sturmgewehren in die Menge. 89 Menschen wurden ermordet.

Céline war an diesem Abend dabei. Sie wurde von Schüssen getroffen. Sie fiel zu Boden, wurde niedergetrampelt. Sie hatte schwerste innere Verletzungen. Dem Tod war sie näher als dem Leben. Sechs Monate später erwachte sie aus dem Koma. Sie konnte sich an alles erinnern. Doch statt zu hadern, freute sie sich. Sie freute sich tierisch über alle, die an ihrem Bett standen. Endlich konnte sie sie wiedersehen: ihren Mann, ihre Tochter, ihren Bruder. Sie freute sich, überlebt zu haben.

Wenn man nach vorne schaut, hat das Leben einen Sinn

Auch heute noch guckt sie lieber nach vorn als zurück. "Das Leben siegt", lächelt sie und freut sich über ihren zweiten Nachwuchs. Auch er hat leuchtend rote Haare, wie sie. Wenn man nach vorne schaut, oder biblisch ausgedrückt, sein Leben im Blick auf die Ewigkeit lebt, hat es Sinn. In Psalm 90 heißt es wörtlich: "Lehre uns, Gott, bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Ich hab mich natürlich gefragt, was Céline heute, an diesem Tag, macht. "Es sind keine Schulferien", sagt sie, "da arbeite ich natürlich". Céline arbeitet als Krankenpflegerin auf einer onkologischen Kinderstation. Die krebskranken Kinder schätzen sie, weil sie auf eine entspannte Art vom Tod sprechen kann. Und gleichzeitig so positiv ist. Daran denke ich heute und fühle mich angespornt, das Leben einmal mehr zu schätzen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Morgenandacht | 13.11.2020 | 06:20 Uhr

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.