Sendedatum: 16.02.2013 09:15 Uhr  | Archiv

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von Andreas Brauns

"Nach der Rücktrittsankündigung des Papstes war in Berichten mehrfach zu hören: Ein neuer Papst muss die Kurie reformieren. Was ist die Kurie überhaupt - und welche Aufgaben hat sie in der katholischen Kirche?"

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Alle Behörden der Kurie berufen sich bei dem, was sie tun, auf den Papst.

Die römische Kurie ist so etwas wie das päpstliche Rathaus. Das heißt: Alle Leitungsorgane, die die Weltkirche mit mehr als einer Milliarde Katholiken verwalten, wenn Sie so wollen. Es sind Behörden und Gerichte, die im Namen des Papstes die römisch-katholische Kirche leiten.

An erster Stelle ist da das Staatssekretariat zu nennen: Eine Art kirchliches Innenministerium und Außenministerium, das sich um die Kontakte zu den einzelnen Ländern der Erde kümmert. Im Staatssekretariat arbeiten 150 Personen, darunter auch Frauen. Geleitet wird es vom Kardinalstaatssekretär. Er ist der engste Mitarbeiter des Papstes und zugleich der höchste Repräsentant des Vatikans.

Neben dem Staatssekretariat gibt es neun weitere Verwaltungsorgane. Die bekannteste dieser sog. Kongregationen ist die für die Glaubenslehre. Sie wurde mehr als zwei Jahrzehnte vom jetzigen Papst geleitet. Neben den Kongregationen gibt es noch drei oberste Gerichtshöfe, Räte, Kommissionen und besondere Ämter.

Vor 50 Jahren wurde auf dem 2. Vatikanischen Konzil festgeschrieben: "Bei der Ausübung der höchsten, vollen und unmittelbaren Gewalt über die Gesamtkirche bedient sich der Papst der Behörden der römischen Kurie. Diese versehen folglich ihr Amt in seinem Namen und mit seiner Vollmacht zum Wohle der Kirchen und als Dienst, den sie den geweihten Hirten leisten." Die verschiedenen Behörden der Kurie haben also eine dienende Funktion.

Zeugnisse der Macht

Immer wieder ist aber zu hören: Bischöfe aus aller Welt, die nach Rom kommen, erleben das ganz anders. Kritiker sagen sogar: Es gibt in Rom viele Stellvertreter des Stellvertreters Christi auf Erden. Alle berufen sich bei dem, was sie tun, auf den Papst. Dabei geht es oft genug nur darum, die eigene Macht zu zeigen. Schon lange wird eine Reform der Kurie, also der kirchlichen Regierungsorgane, gefordert. Doch passiert ist bisher nichts.

Die Anfänge der Kurie reichen zurück bis ins vierte Jahrhundert. Da gab es die ersten Kirchenbeamten, die als Notare für Papst Julius I. tätig waren. In der Bibel heißt es zwar: "Gleicht euch nicht dieser Welt an", doch die Päpste haben ihren Hof mit all den Beamten so gestaltet wie auch die Herrscherhäuser in Europa es taten. Bis heute ist das im Vatikan zu erleben.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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