Sendedatum: 08.08.2020 09:15 Uhr

Frère Roger - Ein Heiliger der Herzen

von Andreas Brauns

"Am 16. August 2005 wurde Frère Roger Schutz getötet. Für viele ist der Gründer der Brüdergemeinschaft von Taizé längst ein Heiliger der Herzen. Was war das Besondere an ihm?"

Typisch für Frère Roger war sein tiefes Vertrauen in Gott, außerdem seine einfache und unkonventionelle Art Menschen zu begegnen. Und nicht zuletzt die Güte seines Herzens. Der Mann mit dem schlichten weißen Gewand engagierte sich leidenschaftlich für das Miteinander der Menschen.

Roger Schutz nimmt in Taizé Flüchtlinge auf

Prior Roger Schutz, der Gründer der "Communaute von Taize" in seinem schlichten Zimmer im französischen Dorf Taize, aufgenommen am 7.8.1999. © dpa-Bildarchiv Foto: epd-Bild / Thomas Lohnes
Für seinen Beitrag zur Ökumene hat Taizé-Gründer Frère Roger 1974 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen.

Roger Schutz, 1915 in der Schweiz geboren, stammte aus einer evangelischen Familie. Sein Vater war reformierter Pastor, er riet seinem jüngsten Sohn zum Theologiestudium. Als Roger es in Straßburg beendet hatte, fuhr er 1940 mit dem Fahrrad nach Taizé. Dort, im Burgund, kaufte er ein heruntergekommenes Haus, in dem er bald Flüchtlinge aus dem von deutschen Truppen besetzen Norden Frankreichs aufnahm. Dann wurde Roger Schutz denunziert, musste selbst fliehen, kehrte jedoch 1944 zurück.

Gemeinschaft von Taizé ist gelebte Solidarität

In Taizé wollte er gemeinsam mit anderen das leben, was er vom Evangelium verstanden hatte: Gott kann nur lieben. Das wollte er bezeugen. 1949 legten die ersten sieben Brüder ihre Gelübde ab und gründeten die Gemeinschaft von Taizé. Aus Roger Schutz wurde Frère Roger. Als Prior hat er die Gemeinschaft bis zu seinem gewaltsamen Tod am 16. August 2005 geleitet.

Heute zählt die Gemeinschaft 100 Brüder aus verschiedenen Ländern und christlichen Konfessionen. Manche von ihnen sind Frère Roger nie begegnet, doch sie haben sich für ein Leben als "Brückenbauer-Mönche" entschieden, die nicht an Grenzen stehen bleiben, sondern sie überschreiten, um zu versöhnen. Sie sind unterwegs zwischen Nationen, Konfessionen, Kulturen und Generationen, Nord und Süd, West und Ost. Solidarität ist für die Brüder mehr als nur ein Wort. Einige von ihnen leben mit den Ärmsten der Armen in Südamerika und Asien.

Gemeinsam singen und beten

Keine äußere Not und keine moralische Situation konnten Frère Roger abhalten zu helfen. Das hat viele fasziniert. Und so sind vor allem junge Menschen nach Taizé gekommen. Nicht, um große Predigten zu hören, sondern um sich auszutauschen mit den Brüdern über den Glauben und das Leben, um gemeinsam zu beten und zu singen. Und zu erleben: Die Güte des Herzens ist eine Kraft, die die Welt verändern kann.    

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 08.08.2020 | 09:15 Uhr

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