Sendedatum: 10.11.2019 12:40 Uhr

Robert Enke: Leben zwischen Erfolg und Depression

von Heinz Behrends
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Robert Enke - herausragender Torhüter in der Nationalmannschaft und bei Hannover 96.

"Wir dachten, wir kriegen das mit Liebe hin", sagte Teresa Enke unter Tränen  auf der Pressekonferenz nach dem Suizid ihres Mannes. Wir waren damals, heute vor zehn Jahren, entsetzt und traurig, als wir hörten, er habe sich vor den Regionalzug bei Eilvese geworfen. Robert Enke, Nationaltorwart, Familienvater, einfach sympathisch. Ich bin Fußball-Fan und habe ihn im Stadion selbst erlebt. Er hielt die unmöglichsten Bälle und blieb dabei bescheiden. Er war erfolgreich und anerkannt, der Mannschaftskapitän. Seine Frau war danach tapfer und mutig. Robert hatte immer wieder tiefe Depressionen. Immer sollte er Leistung bringen, gut sein, Nationalheld im Tor.

Robert Enke ist an sich verzweifelt

Robert Enke, er wollte es auch, aber es zerriss ihn. Die Liebe seiner Frau, die Liebe zu seiner Adoptivtochter reichte nicht. Er nahm sich das Leben. Plötztlich redete man offen über Depression im Leistungssport. Bischöfin Margot Käßmann sagte damals in der Trauerfeier: "Hinter Beliebtheit kann abgrundtiefe Verzweiflung stehen." Ja, so ist es. Wer die Bibel kennt, versteht Robert Enke. Wie man an sich verzweifeln kann. Du bist nicht, was du leistest, sagt Jesus. Du bist du, weil du geliebt wirst.

Teresa Enke hat es nicht ruhen lassen, dass ihre Liebe ihn nicht retten konnte. Sie hat die Robert-Enke-Stiftung gegründet. Sie kümmert sich um Menschen, die an Depression leiden und um Kinder mit schweren Herzerkrankungen. (Robert und sie hatten ihre zwei Jahre alte Tochter Lara mit Herztod verloren). Mit der Hilfe für andere hat sie dem Tod ihres Mannes am Ende noch einen Sinn gegeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 10.11.2019 | 12:40 Uhr