Stand: 19.06.2019 15:15 Uhr

Weltflüchtlingsbericht mahnt zum Handeln

Weltweit gibt es mehr als 70 Millionen Vertriebene. Das geht hervor aus dem jährlichen Weltflüchtlingsbericht des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht.

Ein Kommentar von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

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Zwei Dinge zugleich seien nötig, meint Dietrich Karl Mäurer: entschlossen Friedenspolitik vorantreiben - und sich um die Geflüchteten kümmern.

Dieser Weltflüchtlingsbericht ist zweierlei: zum einen eine Bankrotterklärung in Sachen weltweiter Friedenspolitik; zum anderen ein Aufruf, schnell und entschlossen zu handeln, Fluchtursachen zu bekämpfen und eine gemeinsame, globale Flüchtlingspolitik voranzutreiben.

Dabei spricht die Statistik des Uno-Flüchtlingshilfswerks eine unmissverständliche Sprache. Noch nie gab es so viele Vertriebene. Mehr als 70 Millionen Menschen mussten wegen Krieg, Verfolgung oder Konflikten ihre Heimat verlassen. Seit Jahren steigt die Zahl der Flüchtlinge. Alle zwei Sekunden wird ein Mensch zum Flüchtling.

Menschen sind unfähig, Frieden zu schließen

Wenn Uno-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi sagt, dass der Bericht vor allem zeige, dass die Menschen keinen Frieden schließen können, dann hat er recht. Die Konflikte, vor denen die meisten Menschen geflohen sind, dauern schon seit Jahren: der Krieg in Syrien, die instabile Lage in Afghanistan, der Bürgerk/info/dietrichkarlmaeurer100_v-contentxl.jpgrieg im Südsudan. Und es gibt kaum Zeichen der Hoffnung auf ein Ende der Auseinandersetzungen. Stattdessen entstehen neue Krisen - etwa in Venezuela. Vier Millionen Menschen wurden dort zu Flüchtlingen. Die Welt schaut zu.

Egoismus und Hilflosigkeit dominieren

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70 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht: so viele wie noch nie.

Und auch im Umgang mit den Folgen, nämlich den Flüchtlingsbewegungen, dominieren Hilflosigkeit und Egoismus. Dabei hat sich die Staatengemeinschaft auf globale Migrations- und Flüchtlingspakte geeinigt, um die Last auf viele Schultern zu verteilen. Und tatsächlich gibt es etliche Länder, die Großartiges leisten. Deutschland gehört dazu und wird dafür von der Uno gelobt. Doch nicht alle Staaten machen mit. Und die bekommen sogar Beifall gespendet, auch wenn das Problem damit nicht gelöst ist. 

Es muss etwas passieren

Das reiche und politisch stabile Europa könnte in der Flüchtlingspolitik vorangehen. Aber stattdessen entzweit es sich über die Frage, wie mit den Flüchtlingen umzugehen sei. Italien gar kriminalisiert die Besatzungen von Schiffen, die im Mittelmeer Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten wollen. Fakt ist: Angesichts der tragischen Statistik des Weltflüchtlingsberichts muss etwas geschehen.

Die Weltgemeinschaft muss stärker darauf hinwirken, die Kriege zu beenden, die Konflikte zu lösen und damit die Fluchtursachen zu beseitigen. Gleichzeitig müssen Lösungen gefunden werden für die Millionen von Vertriebenen. Die Frage, was zuerst erfolgen muss, stellt sich gar nicht. Das Problem wird nur gelöst, wenn beides angegangen wird - und zwar schnell. Das ist die Botschaft des Berichts.

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NDR Info | Kommentar | 19.06.2019 | 17:08 Uhr