Stand: 04.01.2019 17:33 Uhr

Cyberattacke: Niemand ist sicher im Internet

Die Demokratie ist erschüttert. E-Mails, Dokumente und Privatkram von Politikern, Satire-Moderatoren und im Netz prominenten Youtubern stehen im Netz, erbeutet von technisch versierten Hackern mit Geltungsdrang und wohl einer rechten Agenda - vielleicht mit Helfern auch im Ausland. So stellt sich dar, was bisher noch nicht im ganzen Ausmaß erkennbar ist, auch weil man nicht weiß, ob der oder die Täter auch noch wichtigere oder schädlichere Dokumente in der Hinterhand haben. Ein Hackerangriff, der im Kern aber vor allem bestätigt, was Experten immer wieder gesagt haben.

Ein Kommentar von Jörg Brunsmann, WDR Wirtschaftsredaktion

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Für Jörg Brunsmann zeigt der Hacker-Angriff vor allem eins: Niemand von uns ist sicher im Internet.

Und? Was haben Sie gedacht, als Sie von der Hacker-Attacke gehört haben? Etwa: "Selbst schuld" oder "Da trifft es mal die Richtigen?" Ich muss zugeben, zwischendurch hatte ich diesen Gedanken. Hier sind schließlich - zum Teil - auch Politiker betroffen, die bis vor Kurzem in Sachen Internet noch ziemlich blauäugig aufgetreten sind. Und die derzeit verbissen dafür kämpfen, dass es überall in Deutschland überhaupt mal einen schnellen Internetzugang gibt. Und das nicht als Anfang, sondern als Nonplusultra auf dem Weg zur digitalen Gesellschaft ansehen. Dass man da die eigene Sicherheit im Netz nicht wirklich im Griff hat, ist alles andere als erstaunlich.

Niemand ist sicher im Netz

Ich gebe aber auch zu: Ich schäme mich ein bisschen für diesen "Selbst Schuld"-Gedanken - denn eigentlich zeigt der Hacker-Angriff vor allem eins: Niemand von uns ist sicher im Internet. Vor den allgemeinen Gefahren werden wir dauernd gewarnt und bekommen dafür jede Menge mehr oder weniger hilfreiche Tipps: Immer die Software auf dem neuesten Stand halten! Nicht auf Phishing-Mails reinfallen! Sichere Passwörter wählen!

Mehr vernetzte Geräte - mehr Angriffsfläche für Hacker

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Cyberangriff - was bisher bekannt ist

Die massenhafte Veröffentlichung seinsibler Daten im Internet wirft viele Fragen auf. Wer steckt hinter dem Angriff? Wer ist betroffen? Und wie geht es weiter? extern

Und doch: Wenn Hacker es gezielt auf uns anlegen, dann haben wir keine Chance - irgendeine Lücke, irgendeine Nachlässigkeit findet sich bei jedem, da bin ich mir sicher. Ganz einfach, weil die Schwemme an elektronischen Geräten uns langsam aber sicher über den Kopf wächst. Können Sie noch nachvollziehen, was sich alles an Geräten bei Ihnen zu Hause in Ihrem Netzwerk tummelt? Das sind ja längst nicht nur PC und Smartphone - der Drucker verlangt nach Netzwerk-Anschluss, die fernsteuerbare Steckdose, sogar die Küchenwaage will ins WLAN, um Daten auszutauschen. Viele dieser Geräte, das zeigt die Erfahrung, haben große Sicherheitslücken. Und werden damit zum Einfallstor für Hacker. Solange Geräte und Software nicht wirklich sicher bei uns ankommen, solange die Hersteller die Sicherheit ihrer Produkte zum Teil auf den Schultern von uns Nutzern abladen, müssen wir uns wohl oder übel damit arrangieren: Auch wir können Opfer von Hacker-Attacken werden.

Doch wie schützen wir uns?

Ein bunter abfotografierter Code auf einem Bildschirm. Im Fokus steht das Wort "Passwort". © przemekklos / photocase.de Foto: przemekklos / photocase.de

"Daten reichen in privatesten Bereich herein"

NDR Info -

Die Daten zahlreicher Politiker und Prominenter dürften über Jahre gesammelt worden sein. So ordnet Michael Götschenberg die Veröffentlichung von privaten Mails und Kontakten ein.

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Wer das konsequent zu Ende denkt, dem bleiben nicht viele Möglichkeiten. Eine davon: Wir müssten uns im Netz ständig so verhalten, als wären wir gerade in der Öffentlichkeit unterwegs. Motto: "Ich habe nichts zu verbergen". Aber ist das realistisch? Keine Lästereien über WhatsApp und Co., keine peinlichen Fotos auf der Festplatte, keine wirklich wichtigen Dokumente auf dem PC, in der E-Mail oder in der Cloud. Und die ganzen Passwörter? Besser aufschreiben als vom Computer speichern lassen. In Zeiten, in denen das Internet in unserem Alltag allgegenwärtig ist, ist das gar nicht so einfach durchzuhalten.

Sicherheit ist aufwendig

Möglichkeit Nummer Zwei: Raus aus dem Internet. Ich habe einen Kollegen, der macht das tatsächlich so. Er hat sich zwei PCs gekauft. Einen fürs Netz - und einen für die wichtigen Daten. Der mit den Daten kommt so gut wie nie ins Internet. Außerdem hat er eine Kopie seiner wichtigsten Dokumente auf einer externen Festplatte, die sicher im Bankschließfach liegt.

Ein bisschen viel Aufwand für ein bisschen mehr Sicherheit? Fragen Sie mal die gehackten Politiker und Promis, wie die das gerade sehen.

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NDR Info | Kommentar | 04.01.2019 | 17:08 Uhr