Stand: 29.06.2018 16:00 Uhr

Katholische Schulen: Erzbistum fehlt der Mut

von Florian Breitmeier

Die Signale stehen auf Abbruch. Die angestrebte Kooperation zwischen dem Erzbistum Hamburg und der Schulgenossenschaftsinitiative kommt wohl nicht zustande. Damit stehen bis zu acht der 21 katholischen Schulen in Hamburg vor dem Aus. Wochenlang hatten die katholische Kirche und die Hamburger Schulgenossenschafts-Initiative verhandelt. Sechs Gremien des Erzbistums Hamburg haben dem Erzbischof nun empfohlen, die Gespräche zu beenden. Eine Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen.

Ein offizielles Wort von Erzbischof Stefan Heße steht noch aus. Aber alles andere als ein Scheitern der Gespräche wäre eine Überraschung. Es wird keine Gewinner geben, dafür viele Verlierer. Zuallererst die Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer. Aber auch viele Katholiken im Erzbistum werden enttäuscht sein, die ihr Engagement als Ausdruck eines gemeinsamen Kirche-Seins verstanden haben.

Ein entlarvender Text

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Florian Breitmeier ist Redakteur in der Redaktion Religion und Gesellschaft.

Man mag im Generalvikariat und im Bischofshaus ernsthaft über neue Verantwortung und pastorale Räume nachdenken, aber welche Strahlkraft entwickelt all das, wenn die breite Öffentlichkeit das Gefühl haben muss, dass der Versuch einer institutionellen Öffnung, einer Kooperation, einer Machtteilung am Ende schroff abgelehnt wird? Eine Zusammenstellung von verschiedenen Positionen aus einigen erzbischöflichen Abteilungen über die Schulgenossenschaftsinitiative ist ein Beispiel dafür.

Es ist ein entlarvender Text. Hier offenbart sich ein Stil und Duktus, den man vielleicht bei der Bewertung eines erbitterten Gegners erwartet, aber gewiss nicht im Umgang mit Schwestern und Brüdern im Glauben. In dem Papier ist von "Tricksereien" die Rede, von tückischen und hochgefährlichen Regelungen, von "politischer Erpressung" und von einer "Schein-Kooperation", in die das Erzbistum gelockt werden solle und aus der es keine Befreiung gebe.

Es fehlt offensichtlich am Willen

Sicher wird man über die genaue Finanzplanung der Genossenschaftsinitiative diskutieren können, über Haftungsfragen, die organisatorische Verbindlichkeit und auch über das demonstrative Selbstbewusstsein Einzelner gegenüber der Kirche kann gesprochen werden.

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Jedoch kann man engagierte Gläubige nicht einfach als fachfremde Personen abtun, die über das katholische Schulwesen in Hamburg mitbestimmen wollen.

Aber ganz offensichtlich fehlt es im Erzbistum an dem Willen, das Schulprojekt als Chance für die katholische Kirche im Norden zu sehen. Ein Projekt, das Einheit stiften und zusammenführen kann. Natürlich kann ein solches Vorhaben auch scheitern. Aber lohnte es nicht den Versuch?

Doch das Erzbistum hat nicht nur finanzielle Probleme in Hamburg. In den kommenden Monaten werden den Gläubigen neue bittere Pillen verabreicht. In den Weiten der norddeutschen Diaspora schaut man deshalb nicht nur mit Wohlwollen auf Hamburg. Geld, das dort nicht in teure Schulprojekte gesteckt wird, rettet vielleicht das eine oder andere katholische Freizeitheim außerhalb der Hansestadt. Vielleicht denkt manch einer so. Der Einheit im Erzbistum täte eine solche Haltung aber nicht gut.

Wofür will das Erzbistum stehen?

An diesem Wochenende nun feiert das Erzbistum das 125-jährige Bestehen des Marien-Doms in Hamburg. Die heutige Kathedrale war einst eine schlichte Hinterhof-Kirche, ein Fluchtpunkt des Milieus. Als das Erzbistum 1995 entstand, wurde aus der Kirche ein Dom. Ein Anziehungspunkt in der Stadt. Statt für die einstige konfessionelle Enge, wollte man lieber für die katholische Weite stehen.

Der Weg, den das Erzbistum Hamburg mit Blick auf die Hamburger Schulgenossenschaft aller Voraussicht nach einschlägt, weist in eine andere Richtung. Anstatt Mut, Offenheit, Risikobereitschaft zu zeigen, zieht man sich im übertragenen Sinn lieber auf den vertrauten Kirchhof zurück und pflegt im schlimmsten Fall einen Sakristei-Katholizismus, der einer institutionellen Identitätspflege genügen mag, aber keine dialogischen Aufbrüche in eine moderne Stadtgesellschaft ermöglicht. Es muss nicht so kommen, keine Frage. Aber derzeit wirkt vieles seltsam armselig im Erzbistum. 

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NDR Info | Blickpunkt: Diesseits | 01.07.2018 | 07:05 Uhr