Stand: 14.03.2017 15:27 Uhr  | Archiv

Kritische Analyse: Big Data im Wahlkampf

von Caroline Schmidt

War der Sieg von Donald Trump ein Sieg der Daten und der PR-Strategen? Diese Behauptung verbreitet zurzeit zumindest eine Schar von Marketing-Experten. Allen voran die Leute von der angloamerikanischen Firma Cambridge Analytica, die seit Monaten von Fachkonferenz zu Fachkonferenz touren, um die Welt von ihren Strategien zu überzeugen und um aus Trumps Sieg einen Kassenschlager für sich zu machen.

VIDEO: Kritische Analyse: Big Data im Wahlkampf (6 Min)

"Das war ein ungewöhnliches Jahr", sagte Molly Schweickert, Chefin des digitalen Marketings von Cambridge Analytica, kürzlich in Hamburg. Denn auch ihre Kampagne habe Trump zum US-Präsidenten gemacht, dank Botschaften, die möglichst individuell auf die Wahlberechtigten zugeschnitten waren. Grundlage: persönliche Daten der Nutzer.

"Targeting" - Der Garten Eden für Freunde von Big Data?

Molly Schweikert
Cambridge Analytica habe zum Wahlsieg Trumps beigetragen, so Marketing-Chefin Molly Schweikert.

Targeting heißt die Methode, die aus der Werbung kommt. Amerika ist ein Garten Eden für alle Freunde von Big Data, denn hier sind große Datenbanken völlig legal und für jeden verfügbar, der genug Geld hat.

Wird auch der deutsche Wahlkampf mit Hilfe von Big Data entscheidend beeinflusst? Was in den USA möglich ist, wird in Deutschland durch strenge Datenschutzrichtlinien erschwert. Hierzulande kommen Wahlstrategen nicht so einfach an personenbezogene Informationen. Ist die Strategie der "datengestützten Wähleransprache" in Deutschland überhaupt umsetzbar?

Reichweite kann vergrößert werden

Zweifel sind angebracht. Und: Man könne natürlich niemanden umkrempeln, sagt der Neuropsychologe und Big-Data-Experte Jonathan Mall gegenüber ZAPP. Mit Botschaften über Facebook und andere Medien könne man die Meinung von Zweiflern drehen, Meinung bestärken und bestimmte Botschaften schneller verbreiten. Targeting kann also helfen, die Reichweite zu vergrößern. Wahlen entscheidet es eher nicht.

Weitere Informationen
Schwebender Bildschirm mit Google-Seite und dem facebook-Schriftzug (Montage) © iStockphoto Foto: Petrovich9

Die Arroganz der Datensünder Facebook & Co

Bei den Internetriesen herrscht Daten-Sammelwut. Dabei gibt es immer wieder Pannen und Skandale. Doch die Rechte der Nutzer interessieren die "Daten-Kraken" wenig. mehr

Facebook und der Like-Button © image stock&people

Dreistes Netzwerk: Facebook gegen Datenschutz

Heftige Kritik am Internetriesen im Streit um Datensicherheit: Facebook gibt sich einsichtig, ändert aber nicht den Kurs. Datenschützer wollen klare gesetzliche Regeln. mehr

Smartphone, mit den Logos von  Whatsapp und Facebook (Bildmontage) © Fotolia.com, picture alliance / dpa Foto: tashka2000, Michael Kappeler

Facebook geht gegen Datenweitergabe-Stopp vor

Facebook ist gegen das von Hamburgs Datenschützer Caspar verfügte Verbot, Daten der Tochter WhatsApp auszuwerten, vor Gericht gezogen. Das bestätigte ein Sprecher des Online-Netzwerks. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 15.03.2017 | 23:20 Uhr