Stand: 07.11.2018 23:20 Uhr

Kein einfacher Abend: Zwei Chefredakteure bei der AfD

von Caroline Schmidt
Bild vergrößern
"Ich hoffe, wir können uns darauf verständigen, dass in einem freien Land eine freie und kritische Presse notwendig ist - und keine Presse, die eingeschüchtert wird", so ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Kürzlich waren Kai Gniffke und Peter Frey, die Chefredakteure von ARD-aktuell und ZDF, in Dresden zur Podiumsdiskussion bei der AfD. Seitdem konnte man einiges über den Abend lesen - doch wer hat die Debatte tatsächlich gesehen? Dabei war das ein bemerkenswerter Abend.

 

Der Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, auf einer Podiumsdiskussion der AfD. © NDR

Kein einfacher Abend: Zwei Chefredakteure bei der AfD

ZAPP -

Kai Gniffke (ARD) und Peter Frey (ZDF) stellten sich auf einer AfD-Podiumsdiskussion den Vorwürfen der einseitigen und negativen Berichterstattung. Viel Applaus bekamen sie nicht.

3,5 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Chefredakteure stellen sich den skeptischen AfD-Anhängern

Links auf dem Podium saßen die Chefredakteure von ARD und ZDF. In der Mitte die Moderatoren Andreas Lombard, Chefredakteur des rechten Monatsmagazins "Cato", und der rechtskonservative Blogger Klaus Kelle. Rechts die Diskutanten der AfD: der frühere "Focus"-Redakteur Michael Klonovsky, der heute persönlicher Referent des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland ist, und der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der "Bild am Sonntag", Nicolaus Fest. 300 Gäste waren da, vor allem AfD-Anhänger und sehr viele Journalisten.

AfD-Anhänger finden Berichterstattung einseitig und unfair

Die Moderatoren und Diskutanten der AfD geißelten gemeinsam die Berichterstattung als einseitig, politisch gefärbt und unfair. Sie stellten viele Fragen. Wieso habe man nach Chemnitz in erster Linie Berichte über Hetzjagden gelesen - und kaum welche über den Toten? Wo waren die Berichte über den Mord an einem Mädchen in Freiburg? Über die Messerattacke auf den Bürgermeister einer Kleinstadt? Wo waren die positiven Berichte über Trump? Die Chefredakteure versuchen zwei Stunden lang dagegenzuhalten. Frey erinnerte daran, dass "in einem freien Land eine freie und kritische Presse notwendig ist". Kaum einer klatschte.

Gniffke erklärt Grundregel des Journalismus

Bild vergrößern
"Meinung und Bericht gehören getrennt. Wer das bei uns nicht beherrscht, fliegt raus", erklärt Kai Gniffke, Chef von ARD-aktuell.

Erst als Gniffke auf die AfD zuging, wurde die Stimmung im Saal besser. Natürlich müssten die Nachrichten ausgewogen sein, stimmte Gniffke den AfD-Vertretern zu. Besonders begeistert reagiert der Saal, als Gniffke endlich den Satz sagte, auf den hier alle warteten: "Die AfD hat genauso einen Anspruch auf eine faire Berichterstattung und Berücksichtigung wie jede andere Partei auch." Das kam gut an im Saal.

AfD-Vertreter zufrieden mit Veranstaltung

Der Dresdner AfD-Chef Reinhard Günzel fand deshalb die Veranstaltung am Ende durchaus gelungen: "Es wurde ja von uns bemängelt, dass in vielen Fernseh-Reportagen über die AfD immer das ein bisschen negativ konnotiert wird. Da haben sie Besserung gelobt, das ist doch schon ein erster Anfang, den finde ich ganz gut." Wann wird die AfD die Sender an dieses vermeintliche Zugeständnis erinnern? Man darf gespannt sein.

Interviews
00:41

Fest: "Öffentlich-Rechtliche voreingenommen"

26.10.2018 15:43 Uhr

Die Positionen seien an diesem Abend klar geworden, so Nicolaus Fest, AfD-Sprecher und ehem. stellvertretenden Chefredakteur der "Bild am Sonntag". Der Eindruck des Framings durch die ÖR bliebe. Video (00:41 min)

00:21

Frey: "Vor allem ein Gefühl gespürt"

26.10.2018 15:22 Uhr

"Ich habe versucht, dagegen zu setzten, wie wir Journalismus verstehen": Was Peter Frey, Chefredakteur des ZDF zur Podiumsdiskussion, zu der die AfD Dresden geladen hatte, sagt. Video (00:21 min)

00:32

Günzel: "Verhältnis zwischen ÖR und AfD nach wie vor Thema"

26.10.2018 15:38 Uhr

Reinhard Günzel von der AfD Dresden hatte ARD und ZDF zur Podiumsdiskussion nach Dresden geladen. Es seien zwar viele Fragen offen geblieben, aber insgesamt sehe er es positiv. Video (00:32 min)

 

Weitere Informationen

Was die AfD mit den Öffentlich-Rechtlichen vorhat

Mit Medienkritik ist die AfD nicht zurückhaltend. Doch was sind die medienpolitischen Ideen der Partei? ZAPP hat mit führenden AfD-Köpfen gesprochen - alles ehemalige Journalisten. mehr

Faktencheck: Chemnitz-Videos auf dem Prüfstand

12.09.2018 23:20 Uhr

Beim "Hetzjagd"-Video zeigt sich, mit welcher forensischen Energie Journalisten inzwischen Material aus sozialen Netzwerken unter die Lupe nehmen. mehr

Ungarisches TV: Bühne für AfD-Politiker

"Besorgte Bürger" kommen im ungarischen TV zu Wort und zeichnen ein verzerrtes Deutschland-Bild - kein Wunder, handelt es sich doch um AfD-Politiker. mehr

AfD in MV: Wahlhilfe mit Zeitung

Ein "Extrablatt" erreichte die Haushalte vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Darin wird Stimmung für die AfD gemacht. Wie bereits zuvor in anderen Bundesländern. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 07.11.2018 | 23:20 Uhr