"Deutschland spricht" - gemeinsam diskutieren

Stand: 21.06.2021 15:29 Uhr

Mit der der Aktion "Deutschland spricht" bringt der NDR Menschen für ein Gespräch zusammen, die bei politischen Themen unterschiedlicher Meinung sind. Wie diese Treffen ablaufen, hat das Magazin DAS! in Hamburg beobachtet.

von Sugárka Sielaff

Ronja arbeitet im IT-Support und ist gläubige Christin. Sie liebt Eisenbahnen, Katzen und fährt gerne zum Heavy-Metal-Festival nach Wacken. Ella hat gerade Abitur gemacht und will Soziologie studieren. Sie engagiert sich für den Klimaschutz, liebt die Natur und setzt sich gegen Rechtsradikalismus ein.

Die beiden wären sich normalerweise wohl nie begegnet. Aber sie haben sich bei "Deutschland spricht" angemeldet. Ein Projekt, bei dem der NDR in Kooperation mit der “Zeit“, dem "Handelsblatt“, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der "Freien Presse" und dem "Stern" Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen zusammenbringt. Die Idee, die der Aktion zugrunde liegt: Argumente der Gegenseite können nur nachvollzogen werden, wenn man sie kennt und sich darüber austauscht. Miteinander reden bedeutet Demokratie leben.

Diskutanten "Deutschland spricht"  Foto: Sugárka Sielaff
Über die Aktion "Deutschland spricht" treffen sich Ella (li.) und Ronja in Hamburg.

Ella und Ronja haben zu Fragen, wie "Sollte Abtreibung verboten sein" gegensätzliche Positionen. Darüber wollen sie ins Gespräch kommen. Nach einem kurzen Videochat haben sie sich in Hamburg zu einem Spaziergang verabredet.

"Ich hatte Angst, einen Nazi zu treffen"

"Mir gefällt es mit Leuten zu reden, die nicht meiner Meinung sind", sagt Ella. Sie möchte Menschen treffen, die ein ganz anderes Leben führen und deren Ansichten und Weltanschauung verstehen. Ronja ist erleichtert, dass Ella ihr auf Anhieb sympathisch ist. "Ich hatte Angst, dass ich so einen Nazi treffe und bin ganz froh, dass es anders gekommen ist."

Das erste Thema, das sie diskutieren, ist das Blutspendeverbot für Homosexuelle. Ella findet es diskriminierend. "Für mich kommt das noch aus einer Zeit, in der man dachte, HIV wäre die Krankheit der Homosexuellen, die Krankheit der "Sünde". Ronja hingegen kann die Entscheidung der Blutspendedienste nachvollziehen. "Wenn man die blanken Zahlen ansieht, dann kommt HIV in dieser Gruppe einfach häufiger vor", findet sie.

Große Themen: Abtreibung, Glauben und Umweltschutz

Auch Abtreibung ist ein Thema, bei dem sie gegensätzliche Positionen vertreten. Während für Ella die Selbstbestimmung der Frau am wichtigsten ist, geht es Ronja vor allem um den Schutz des Kindes, das sie bereits als fertigen Menschen betrachtet. Obwohl sie sich nicht einig sind, versuchen sie die Position des anderen zu verstehen. "Wenn du das Kind als fertigen Menschen betrachtest, kann ich deinen Standpunkt verstehen", sagt Ella. "Aber, es ist schwer für mich. Für mich ist es in diesem Stadium eher noch ein Potential, aber kein fertiger Mensch."

Ella und Ronja diskutieren.  Foto: Sugárka Sielaff
Ella wünscht sich eine gerechtere Welt.

In Sachen Umweltschutz kommen sie schon eher auf einen Nenner. "Ich liebe Autofahren", schwärmt Ronja. "Aber deswegen muss ich nicht überall hin mit dem Auto fahren." Ella betont, dass es ihr beim Umweltschutz nicht in erster Linie um das Verhalten von Einzelpersonen geht. "Mir ist es sehr wichtig, dass es Regularien für Unternehmen gibt, wie stark sie ihren CO2-Ausstoß reduzieren müssen." Inlandsflüge würde sie gerne verbieten lassen und dafür den Bahnverkehr ausbauen. Da geht Ronja dann aber nicht mit. In den Urlaub fliegen - darauf möchte sie nicht verzichten.

"Wir sind uns näher, als gedacht"

Am Schluss ihres Spaziergangs sehen sie sich gemeinsam eine Kirche an und sprechen über Religion. Ella glaubt nicht an Gott. Ronja ist freikirchlich-evangelisch und hat sich als Erwachsene taufen lassen. "In vielem sind wir uns trotzdem näher als ich gedacht habe", sagt Ella und Ronja nickt. Ihre Entscheidung, sich mit jemanden zu treffen, der eine ganz andere Weltanschauung hat, bereuen sie beide nicht, im Gegenteil: "Wer festgefahren ist, findet da eher einen Partner zum Streiten", sagt Ronja. "Aber wer zumindest ein wenig offen ist, dem würde ich das empfehlen."

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 21.06.2021 | 18:45 Uhr