Stand: 27.04.2018 14:21 Uhr

Das Freibad Lägerdorf kennt nur Gewinner

von Sebastian Friedrich, NDR Info
Das Freibad Lägerdorf ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Wasserfreunde aus Itzehoe und Umgebung.

In Lägerdorf bei Itzehoe sollte vor einigen Jahren das älteste Freibad Schleswig-Holsteins mit einer 50-Meter-Bahn geschlossen werden. Mit viel Bürger-Engagement konnte das Bad aber gerettet werden - worüber sich Badegäste aus der ganzen Region freuen.

Schon lange bevor das Freibad Lägerdorf wieder für die Gäste öffnet, hat Schwimmmeister Olaf Petersen viel zu tun. So muss unter anderem die Gummistiefel-Golf-Anlage wieder aufgestellt werden, die jedes Jahr aufs Neue für großen Andrang im Freibad sorgt: "Ähnlich wie beim Golf muss man den Gummistiefel durch irgendwelche Gegenstände schmeißen - zum Beispiel durch Autoreifen oder einen Fahrradkorb, über einen Tisch oder einen Stuhl. Das kommt gut an."

Werben für den Saisonstart

Petersen ist nicht nur Schwimmmeister, sondern auch Mitglied im Förderverein Freibad Lägerdorf. Einige weitere Mitglieder überlegen auf der Terrasse im Freibad, wie sie auf die neue Saison am besten aufmerksam machen können. Ein Stapel Flugblätter soll bald gedruckt werden und an Schulen und Kindergärten verteilt werden.

Mitbegründer des Fördervereins ist Peter Böge. Er hat sich mit einigen anderen zusammengetan, als das Schwimmbad 2006 aus Kostengründen vor dem Aus stand. Die Gemeinde musste sparen. Aber die Lägerdorfer wollten es nicht hinnehmen, dass das Schwimmbad, in dem sie selbst als Kinder schwimmen gelernt haben, geschlossen wird. "Mittlerweile haben wir es auch geschafft, dass es nicht mehr von der Schließung bedroht ist", berichtet Böge. "Mit viel Unterstützung aus der gesamten Region ist das ein Goldstück geworden, ein Juwel. Und niemand will dieses Schwimmbad mehr schließen."

Großes Engagement macht Wasserspaß möglich

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Rutschen macht Spaß: Vor allem für Familien lohnt sich der Besuch im Freibad Lägerdorf.

Peter Böge ist stolz auf die Rettung des Freibades. Jahrelang hatten er und seine Mitstreiter gekämpft, Spenden gesammelt, Werbung gemacht, mit Politikern gesprochen: "Als wir uns gründeten, haben viele auf uns keinen Pfifferling gesetzt. Mittlerweile bestehen wir seit zwölf Jahren und mit großem Engagement. Wir haben fast 200 Mitglieder. Es gibt also noch Bürger, die sich wirklich engagiert für das Allgemeinwohl einsetzen."

Dank des Fördervereins und mithilfe der Gemeinde ist aus dem Freibad ein modernes Schwimmbad geworden. Neben der 50-Meter-Bahn gibt es in Lägerdorf auch ein Becken mit einer Wasserrutsche. So kommen dort im Sommer alle auf ihre Kosten - die, die einfach herkommen, um Spaß zu haben, und die, die täglich ihre Bahnen ziehen wollen.

Und das Konzept geht auf: Ein Drittel der Kosten werden mittlerweile durch die Einnahmen gedeckt. Die meisten Freibäder müssen deutlich mehr bezuschusst werden.

In Lägerdorf lernen alle Kinder schwimmen

Das Engagement des Fördervereins freut auch die örtliche Grundschule. In Schleswig-Holstein fällt laut DLRG jede vierte Schwimmstunde aus. Häufig ist der Grund, dass kein Schwimmbad in erreichbarer Nähe ist - weil es geschlossen wurde oder saniert werden muss, sagt Schwimmlehrerin Anne Müller: "Das ist natürlich schlimm. Und dadurch ist es so, dass eben sehr viele Kinder nicht schwimmen können." Oft sei es so, dass die Kinder weder vor Schulbeginn noch in der Grundschule das Schwimmen lernen. "Das ist das Problem an der ganzen Sache", sagt Müller.

Zum Glück sei das in Lägerdorf anders, betont Böge: "Bundesweit heißt es, dass 50 Prozent der Grundschüler nach der vierten Klasse nicht schwimmen können. Das trifft für Lägerdorf nicht zu. Kein Kind verlässt die vierte Grundschulklasse, wenn es nicht schwimmen kann."

Großer Spaß für kleines Geld

Ohne Schwimmbad hätte Lägerdorf einen zentralen Treffpunkt verloren. Dazu kommt: In der Gemeinde sei bei vielen der Geldbeutel nicht so prall gefüllt. Umso wichtiger sei ein Schwimmbad für Familien, die sich keinen Jahresurlaub leisten könnten, so Böge. Eine vierköpfige Familie zahlt für einen Tag neun Euro Eintritt: "Uns allen vom Förderverein geht das Herz auf, wenn wir sehen, wie hier die Familien, die Kinder Spaß haben - für kleines Geld. Das muss man einfach immer so sehen."

Das Freibad in Lägerdorf ist damit ein Gewinn für die ganze Region, freut sich der 65-Jährige. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Als nächstes will der Förderverein die Umkleideräume sanieren. Für neue Spinde sammelt der Verein gerade Spenden. Die Bodenfließen werden Böge und seine Mitstreiter dann selbst verlegen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 28.04.2018 | 09:50 Uhr