Stand: 24.04.2020 09:05 Uhr  | Archiv

Hier rollt der Ball: Siegmann schlitzt Lienens Oberschenkel auf

Das Foul von Norbert Siegmann an Ewald Lienen gilt als das brutalste und hässlichste der Liga-Geschichte. Der Bremer schlitzte seinem Gegenspieler mit seinem Stollen den Oberschenkel auf. Seitdem gilt Siegmann als der "Schlitzer", dabei hatte er an jenem 14. August 1981 beim Bundesligaspiel zwischen Werder und Arminia Bielefeld für den Zweikampf lediglich die Gelbe Karte gesehen.

Knochen und Muskeln lagen offen

"Eigentlich war es ein Allerweltsfoul", sagte Siegmann später einmal in einem Interview, "zu 90 Prozent ein Unfall. Meine Güte, ich habe immer 1.000 Prozent gegeben, ich wollte gewinnen. Die Bielefelder haben in dem Spiel reingehauen wie die Kesselflicker. Und irgendwann hat der Otto gesagt: Haut auch mal rein! Aber noch mal, das war keine Absicht von mir." Der Bremer grätschte von vorne in den ballführenden Lienen hinein. Was den Tritt so furchtbar werden ließ, war die Tatsache, dass Siegmanns Stollen den Oberschenkel seines Gegenspielers auf 25 Zentimeter aufschlitzte. Das Bild des anschließend auf dem Boden sitzenden Lienen, der immer wieder entsetzt auf die Wunde mit den blanken Knochen und Muskeln blickt, ist unvergessen.

Ewald Lienen beschuldigt 1981 Bremens Trainer Otto Rehhagel nach dem Foul von Norbert Siegmann. © imago Foto: imago
AUDIO: Lienen von Siegmann aufgeschlitzt (3 Min)

Lienen verklagt Siegmann und Rehhagel

Lienen stürmte schon kurz danach humpelnd und schreiend auf Bremens Trainer Otto Rehhagel zu, er habe seine Spieler zur Treterei animiert. Lienen ging sogar gerichtlich gegen Siegmann und Rehhagel vor - und scheiterte.

Audio

Lienen: "Meilenstein, sich gegen Brutalität zu wehren"

Ewald Lienen über das Foul und die Konsequenzen. 12 Min

Seine schwere Verletzung verheilte relativ schnell, nach vier Wochen konnte er wieder spielen. Beim "Rückspiel" in Bielefeld saß Rehhagel mit kugelsicherer Weste auf der Bank, weil es Morddrohungen gegen ihn gab. "Mich hat der Ewald damals genervt", sagte Siegmann. "Keiner hat gefragt, wie es mir dabei geht, dem Täter. Ich war gebrandmarkt als der Ober-Treter. Obwohl ich in meiner ganzen Bundesliga-Karriere keine einzige Rote Karte gesehen habe." Immerhin: Jahre später sprachen sich Siegmann und Lienen aus.

Das Spiel 1981 im Stenogramm:

Werder Bremen -Arminia Bielefeld 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Meier (54.)
Zuschauer: 34.000

Bremen: Burdenski - Fichtel, Gruber, Kamp, Otten - Siegmann, Möhlmann, Bracht, Reinders - Kostedde, Meier (75. Rautiainen)
Bielefeld: Kneib - Hupe, Bregman, Dronia, Pohl - Krobbach, Riedl, Geils, Pagelsdorf - Lienen (20. Krumbein), Schock (65. Steffensen)

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 24.04.2020 | 11:25 Uhr

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