Amanal Petros (l.) © picture alliance / BEAUTIFUL SPORTS/Hilger | BEAUTIFUL SPORTS/Hilger

Amanal Petros: Deutschlands Marathon-Ass hat wieder Kontakt zur Familie

Stand: 26.03.2023 12:05 Uhr

Amanal Petros ist der beste deutsche Marathon-Läufer. Er hält den deutschen Rekord, obwohl seine Gedanken ständig um seine Familie in Äthiopien kreisen. Nach mehr als zwei Jahren ist der Kontakt nun wiederhergestellt.

von Marcel Stober

Zweimal in der Woche telefoniert Amanal Petros jetzt mit seiner Mutter. Die Tage, die er nicht mit ihr sprechen konnte, hat er gezählt - und beim ersten Telefonat mit ihr geweint. Seit zwei Monaten lässt es die Situation in der Bürgerkriegs-Region von Äthiopien zu, dass Petros wieder mit seiner Familie kommunizieren kann.

"Ich habe jetzt seit ein paar Wochen Hoffnung, und ich hoffe, dass es noch besser wird", sagt Petros, den seine Mutter nun über das Geschehen in seiner Heimat auf dem Laufenden halten kann: "Sie erzählt mir nur positive Sachen, aber ich weiß, dass sie auch viele schlimme Sachen erlebt hat." Auch wenn längst noch nicht alles gut ist, so geben diese Telefonate Petros besonders viel Kraft: "Ihre Stimme zu hören und zu wissen, dass es ihr gut geht, ist einfach das Beste für mich."

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Petros kommt mit 16 Jahren allein nach Deutschland

Amanal Petros wurde 1995 in Eritrea geboren. Schon im Alter von zwei Jahren floh seine Familie nach Äthiopien. Dort leben seine Mutter und seine beiden Schwestern noch heute. Im Alter von 16 Jahren kam Petros alleine nach Deutschland, holte schon wenig später einige deutsche Meistertitel im Laufen, wurde deutscher Staatsbürger und startete 2021 bei den Olympischen Spielen. Vor zwei Jahren verbesserte er in Valencia seinen eigenen deutschen Rekord auf 2:06:27 Stunden.

Der Kontakt zu seiner Familie war lange Zeit abgerissen. Im Jahr 2020 begann in der äthiopischen Region Tigray, in der seine Familie lebt, ein Bürgerkrieg, dem etwa eine halbe Million Menschen zum Opfer gefallen sind. Ob seine Mutter und seine Schwester noch leben, wusste Petros lange nicht. Denn in ihrem Wohnort gab es keinen Strom oder Internet mehr, Kommunikation war unmöglich. Selbst dorthin zu reisen ebenfalls.

Situation in Äthiopien hat sich entspannt

Doch im November 2022 wurde in Äthiopien ein Waffenstillstand unterzeichnet. Die Situation im Land von Petros' Familie bessert sich langsam, doch es herrsche immer noch Krieg, sagt Petros: "Ich bin aber eine Person, die an Gott glaubt, also hoffe ich, dass das alles gut wird". Während der Jahre ohne Kontakt zur Familie habe er oft so viel trainiert, um müde zu sein und trotz der Gedanken an die Heimat schlafen zu können. Seit ein paar Wochen geht es ihm besser: "Das hat mich noch stärker gemacht, sodass ich jetzt ohne Sorgen trainieren kann. Mittlerweile kann ich auch ziemlich gut schlafen und mich auf das Laufen konzentrieren."

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Sportclub | 26.03.2023 | 23:15 Uhr

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