Stand: 02.07.2015 15:12 Uhr  | Archiv

Tragisches Trainerschicksal: Branko Zebec

von Johannes Freytag, NDR.de
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Der HSV feiert die Meisterschaft 1979: Trainer Coach Branko Zebec (l.), Kevin Keegan mit der Schale und Manfred Kaltz.

Anders als zehn Jahre vorher in München hatte Zebec mit den HSV-Stars relativ wenige Probleme, allerdings waren diese auch andere Persönlichkeiten. Kevin Keegan, Horst Hrubesch oder Manfred Kaltz waren vergleichsweise ruhige, unkomplizierte Typen, die zunächst gut mit Zebecs taktischen Vorgaben zurechtkamen. 1979 holte der HSV den ersten Meistertitel seit 1960, doch in der darauf folgenden Saison kündigten sich erste Schwierigkeiten an, trotz Platz zwei. Die Spieler rebellierten, weil Zebec gegen Saisonende angeblich zu hart trainiert hatte. Dadurch, so die Kritiker, seien innerhalb von vier Tagen Meisterschaft (1:2 bei Aufsteiger Leverkusen) und Europacup (0:1 im Endspiel gegen Nottingham) verloren gegangen. Legendär ist, dass Zebec beim Lauftraining gerne in den Kies griff und die einzelnen Kieselsteinchen als Rundenzähler einsetzte, bis seine Hand wieder leer war. Diese Praxis soll er auch schon zu Bayern-Zeiten angewandt haben.

Günter Netzer © NDR

Netzer: "Zebec war ein Riesentyp"

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Der ehemalige HSV-Manager Günter Netzer über Hamburgs legendären Trainer Branko Zebec und seine Hilflosigkeit in Anbetracht der Alkoholkrankheit des Erfolgscoaches.

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Mit Alkoholproblemen auf der Trainerbank

Doch nicht nur diese harten Trainingsmethoden kamen bei den Hanseaten schlecht an. Zebec machte auch durch seine Alkoholkrankheit Schlagzeilen. Wegen Trunkenheit am Steuer verlor er seinen Führerschein. Der HSV ging trotzdem mit dem Jugoslawen in die dritte Saison und lag zur Saisonhälfte an der Tabellenspitze. Am 16. Dezember 1980 zogen die Hanseaten dennoch die Reißleine: Zebec war seit Wochen nur noch bedingt einsatzbereit. So soll er unter anderem beim Auswärtsspiel in Dortmund mit 3,25 Promille auf der Trainerbank gesessen haben. Zur Halbzeit wurde er damals "ausgewechselt" und in den Mannschaftsbus gesetzt. Die Rede ist auch von Mannschaftssitzungen, bei denen der Trainer nicht mehr in der Lage war, die Taktik zu erklären. "Spielt Fußball", habe er dann nur noch sagen können.

Netzer: "Er war ausgelaugt, am Ende"

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Branko Zebec (l.) auf der HSV-Trainerbank: Neben ihm Manager Günter Netzer und Physiotherapeut Hermann Rieger (r.).

HSV-Manager Netzer gab später zu, von der Krankheit schon bei der Verpflichtung gewusst zu haben: "Aber ich wusste nicht, was das bedeutete. Die Sache mit Branko hat mich persönlich so getroffen, wie nichts anderes im Fußball. Weil ich erleben musste, dass ich ihm nicht helfen kann. Er war ein Riesentyp, deshalb hat mir das so wehgetan. Irgendwann ging es nicht mehr. Er war ausgelaugt, am Ende. Das war sehr hart", sagte Netzer 2008 in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". Auch bei seiner nächsten Trainerstation stand sich Zebec selbst im Weg: Borussia Dortmund wurde unter seiner Regie 1981/82 ein taktisch reifes Team und feierte mit dem sechsten Rang nach 16 Jahren Abstinenz die Rückkehr auf die europäische Bühne. Trotz dieses Erfolges musste Zebec nach dem Saisonende gehen, da seine Alkoholprobleme nicht mehr zu kontrollieren waren. Unter anderem war der Trainer während einer Partie von der Bank gekippt. Auch bei Eintracht Frankfurt (September 1982 bis Oktober 1983) und Dinamo Zagreb (April bis Oktober 1984) scheiterte Zebec wegen des Alkohols. Am 26. September 1988 starb Branko Zebec in Zagreb im Alter von nur 59 Jahren.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 26.09.2013 | 10:25 Uhr