Stand: 14.03.2013 18:16 Uhr  | Archiv

Chronologie des Handballskandals

2. Mai 2009: Die Kieler Staatsanwaltschaft weitet offenbar ihre Ermittlungen auf sechs osteuropäische Schiedsrichter aus. Nach Informationen des "Spiegel" gehen die Fahnder dem Verdacht nach, dass die Unparteiischen für die Manipulation von Europacup-Spielen Geld vom THW erhalten haben könnten. Dabei geht es erneut um das Champions-League-Finale 2007 zwischen dem THW und Flensburg, um das letzte Hauptrundenspiel 2008 gegen Ademar Leon und um das Halbfinal-Hinspiel 2008 gegen Barcelona.

7. Mai 2009: THW-Gesellschafter Hubertus Grote muss wohl doch vor dem Landgericht Kiel aussagen. Grote, der sich einen Tag zuvor von seinem Posten als Geschäftsführer der "Kieler Nachrichten" zurückgezogen hat, hatte die Aussage zunächst mit Verweis auf einen "unauflösbaren Widerspruch" verweigert. Das Gericht verhängte daraufhin ein Ordnungsgeld gegen Grote, wogegen dessen Anwalt Beschwerde einlegte. Wie die "Hamburger Morgenpost" berichtet, wies das Gericht die Beschwerde als unbegründet zurück. Grote muss nun zahlen oder aussagen.

9. Mai 2009: Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, droht dem Club der Ausstieg des Hauptsponsors, sollte es in der kommenden Woche keine weiteren personellen Konsequenzen geben. Demnach sei die Voraussetzung für eine weitere Zusammenarbeit der Rücktritt aller Gremien. Andere große THW-Sponsoren sollen ähnliche Ausstiegsüberlegungen anstellen. THW-Gesellschafter Georg Wegner und Verantwortliche wichtiger Sponsoren dementieren.

Einstellung der Untersuchungen möglich

12. Mai 2009: Der THW gibt die Neuordnung seiner Führungsstruktur bekannt. Die bisher allein entscheidende Gesellschafter-GmbH wird aufgelöst. Zukünftig wird ein fünfköpfiger Aufsichtsrat die Tätigkeiten der Geschäftsführung kontrollieren. Die Besetzung des Aufsichtsrates soll im Juni geklärt werden.

17. Juni 2009: Die Staatsanwaltschaft schließt die Einstellung der Ermittlungen nicht mehr aus. Die Beschuldigten schweigen weiterhin.

23. Juni 2009: Die Staatsanwaltschaft Kiel schließt die Ermittlungen in Deutschland ab. Aus den Nachforschungen in Kroatien, Slowenien, Polen und der Ukraine gibt es bisher kaum Ergebnisse. "Irgendwann werden wir eine Zäsur machen. Ob es vor Gericht geht, ist offen", so Oberstaatsanwalt Uwe Wick.

16. November 2009: Die Kieler Staatsanwaltschaft schließt die Vernehmung vom früheren THW-Manager Uwe Schwenker ab. "Am Freitag hat Herr Schwenker zuletzt ausgesagt, nun werden die Aussagen ausgewertet. Da sind Antworten gekommen. Es steht noch ein bisschen was aus, aber das ist marginal", bestätigte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer.

Serdarusic zahlt Geld an den THW

6. Dezember 2009: Der THW Kiel erhält eine Geldüberweisung vom früheren Trainer Zvonimir Serdarusic. "Nach der Vernehmung von Uwe Schwenker bei der Staatsanwaltschaft Kiel ist eine Zahlung von Noka Serdarusic beim THW Kiel eingegangen", bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Hinrich Vater. Über den Grund und die Höhe der Zahlungen wollte der Aufsichtsrats-Vorsitzende keine Angaben machen. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, soll Serdarusic 30.000 Euro auf ein Konto des Vereins überwiesen haben. Demnach soll die Summe ein Teil der 152.000 Euro sein, deren Verbleib im Mittelpunkt des Ermittlungsverfahrens stehen. Der Kieler Ex-Manager Uwe Schwenker hatte als Beschuldigter bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, 92.000 Euro seien an einen kroatischen Spielervermittler für dessen Dienste bei Spielertransfers geflossen. Barabhebungen in Höhe von 60.000 Euro erklärte Schwenker laut dem Nachrichtenmagazin damit, dass er das Geld Trainer Serdarusic "geliehen" habe. Der Coach verrechnete die Summe angeblich mit noch ausstehenden Prämien beim THW und überwies den Rest zurück.

7. Dezember 2009: Es werden weitere Details bekannt. Nach Informationen der "Kieler Nachrichten" erklärte Uwe Schwenker bei seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft Kiel im November den bisher unklaren Verbleib von 152.000 Euro. Die Zahlungen an den Kroaten Nenad Volarevic erfolgten laut Schwenker in zwei Raten. Die erste Rate in Höhe von 56.000 Euro wurde am 25. April 2007 verschickt, die zweite über 36.000 Euro am 27. Juni 2007. Schwenker erklärte die Zahlungen an Volarevic mit der Arbeitsweise des THW bei Transfers. Zwei weitere Transaktionen, eine Scheckzahlung am 4. April 2008 über 20.000 Euro und eine Barabhebung über 40.000 vom 13. Mai 2008, erfolgten an Ex-Trainer Noka Serdarusic. Schwenker: "Noka berichtete von einem finanziellen Engpass und benötigte Bargeld."

30. Januar 2010: Die Staatsanwaltschaft in Kiel bestätigt, dass gegen Ex-Manager Uwe Schwenker sowie den ehemaligen Coach Noka Serdarusic Anklage wegen Betrugs erhoben wurde.

Schwenker spricht mit NDR Info

24. März 2011: Der ursprünglich für den 29. März terminierte Prozessauftakt wird wegen der Krankheit eines Richters auf vorerst unbestimmte Zeit verschoben. Später wird der 21. September als erster Verfahrenstag festgelegt.

13. September 2011: Schwenker bricht nach Monaten sein Schweigen und äußert sich bei NDR Info zu den Vorwürfen. Der 52-Jährige erklärt, er sei froh, dass der Prozess nun beginne. Sein Abtauchen begründet Schwenker mit dem öffentlichen Druck. Er spricht von einem "Medien-Tsunami", der über ihn hereingebrochen sei.

21. September 2011: Der Prozess gegen den früheren Manager Schwenker und Ex-Trainer Serdarusic vor dem Kieler Landgericht beginnt.

26. Januar 2012: Das Kieler Landgericht spricht Ex-THW-Manager Schwenker und den früheren Kieler Trainer Serdarusic frei.

31. Januar 2012: Die Staatsanwaltschaft Kiel beantragt Revision gegen die Freisprüche für Schwenker und Serdarusic.

19. April 2012: Die Staatsanwalt begründet ihren Revisionsantrag im Handball-Prozess. Sie hat Zweifel an der Urteilsbegründung.

28. November 2012: Der Bundesgerichtshof Leipzig gibt dem Revisionsantrag in Bezug auf die beiden Darlehen über zusammen 60.000 Euro statt.

14. März 2013: Das Landgericht Kiel verhandelt erneut im Fall Schwenker.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 14.03.2013 | 18:25 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Marin Pongracic vom VfL Wolfsburg. © picture alliance/dpa Foto: Peter Niedung

VfL Wolfsburg reist ohne Streitfall Pongracic ins Trainingslager

Laut VfL-Geschäftsführer Schmadtke habe die Abwesenheit aber nichts mit der juristischen Auseinandersetzung zu tun. mehr