Stand: 09.06.2019 16:50 Uhr

Tobias Karlsson: Abschied mit der Meisterschale

Abschied mit Titel: Tobias Karlsson verlässt Flensburg als Meister.

Was für ein Abschied für Tobias Karlsson: Der Kapitän der SG Flensburg-Handewitt verlässt die Norddeustchen als deutscher Meister. Am Sonntag bestritt der Schwede beim entscheidenden 27:24 in Düsseldorf seine letzte Partie im Trikot der SG. "Es ist einfach nur unbeschreiblich. "Ich bin dem Verein für die ganzen Jahre unglaublich dankbar", betonte der 38-Jährige. Zehn Jahre war Karlsson im Verein, neun Jahren - so lange wie kein anderer Akteur in der Vereinsgeschichte vor ihm - Kapitän der Flensburger Mannschaft. Nun ist Schluss: Das Clubidol kehrt in seine schwedische Heimat zurück und beendet nach 17 Jahren als Handball-Profi seine aktive Karriere. Es ist das Ende einer Ära.

Rund 500 Spiele bestritt Karlsson für die SG, hat mit dem Club alles erreicht: 2014 gewann er mit dem Team von der Förde die Champions League, 2015 den DHB-Pokal und schließlich die beiden Meisterschaften 2018 und 2019. Karlsson: "Besonders diese Saison bleibt für mich immer im Gedächtnis - mit welcher Herausforderung durch unserem Umbruch wir in die Spielzeit gegangen sind."

Machulla: "Verlieren das Herz der SG"

Für Karlsson war sein sein letzter Auftritt das perfekte Abschiedsgeschenk. "Ich finde, wir verlieren das Herz der SG, weil er das verkörpert, wofür die SG steht: Herz, Wille, Leidenschaft", hatte Trainer Maik Machulla schon vor dem letzten Saisonspiel gesagt: "Er geht voran, die Spieler zu integrieren, wenn sie kommen, er nimmt sie an die Hand." Der Einbau von Neuzugängen, ein intaktes Mannschaftsgefüge waren stets auch die Ziele des Führungsspielers. "Er ist wahrscheinlich der beste Abwehrspieler in der Liga. Da entsteht ein großes Loch", so Teamkollege Johannes Golla.

Einsatz für Gleichberechtigung und Toleranz

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Der Abwehrchef hinterlässt als Leitfigur vielerlei Lücken. Karlsson engagiert sich für Gleichberechtigung, Vielfalt und Toleranz, trägt die Kapitänsbinde in den Regenbogenfarben zur Unterstützung der Lesben- und Schwulenbewegung. "Ich finde, dass die schöne Sportart Handball dafür stehen muss: für eine offene Halle, wo jeder teilnehmen darf und wo wir Respekt und Toleranz für jeden zeigen", so der 38-Jährige, der auch im Kampf gegen die Überbelastung der Handballer durch zu viele Spiele nicht locker ließ. Mit Erfolg: Ab 2020 gibt es eine längere Sommerpause. "Das ist ein Typ, der würde auch nachts um Eins losfahren, um zu helfen", weiß SG-Profi Holger Glandorf.

"Körperlich und mental an der Grenze"

Nur zu gerne wollten die Schleswig-Holsteiner den Schweden halten - am liebsten noch ein Jahr als Spieler oder zumindest in einer anderen Funktion. Doch sein Entschluss stand fest. "Das war ein richtig harter Tag, als ich den Leuten, die mir so am Herzen liegen, die Entscheidung mitgeteilt habe", berichtete der zweifache Familienvater im NDR Sportclub: "Aber ich habe das Gefühl, dass ich körperlich und mental an der Grenze dessen bin, was ich investieren möchte. Ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte, aber auch froh über die Entscheidung."

Teammanager der schwedischen Nationalmannschaft

Nach seinem letzten Bundesligaspiel geht der ehemalige schwedische Nationalspieler, der 2007 das Double aus Meisterschaft und Pokal mit dem THW Kiel feierte, nun in seine Heimatstadt Karlskrona zurück: "Es war ein wichtiger Teil der Entscheidung, dass ich näher bei meiner Familie bin. Ich freue mich riesig, näher bei meinem Bruder und bei meinen Eltern zu sein, die werden auch nicht jünger." Karlsson steigt in eine Beratungsfirma ein, die Unternehmen dabei unterstützt, neue Mitarbeiter möglichst schnell in ihre Abläufe zu integrieren. Auch dem Handballsport bleibt der Skandinavier weiter treu: Nach der EM im kommenden Jahr wird er Teammanager der schwedischen Nationalmannschaft. "Es ist eine Ehre für mich, wieder mit der Nationalmannschaft arbeiten zu dürfen", so der 38-Jährige.

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Zur Sache | 09.06.2019 | 15:00 Uhr