Stand: 09.06.2019 21:01 Uhr

Kiel feiert Alfred Gislason - auch ohne Schale

von Matthias Heidrich

Zum siebten deutschen Meistertitel mit dem THW Kiel hat es nicht ganz gereicht, aber der Abschied von Trainer Alfred Gislason fiel an der Förde trotzdem emotional aus. 30:26 (15:13) gewannen die "Zebras" das letzte Saisonspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf, doch Flensburg gab sich zeitgleich keine Blöße und holte die Meisterschaft. Die THW-Fans feierten den Vize-Meister und vor allem ihren "Alfred" trotzdem. Nach elf Jahren in Kiel, mit sechs Meisterschaften, sechs Pokalsiegen und zwei Champions-League-Titeln, ging am Sonntag eine Ära zu Ende. Gislason macht nach insgesamt 22 Jahren als Vereinscoach Schluss. "Es war mir eine Ehre", sagte der Coach bei seiner Hallen-Ansprache nach dem Spiel.

Gislason: "Auf den Abschied ist man nie vorbereitet"

Anschließend ging es für den THW-Tross auf den Rathausplatz, wo mehrere tausend Menschen die "Zebras" feierten. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hatte die Mannschaft zuvor im Rathaus empfangen. Dabei trug sie sich ins Goldene Buch der Stadt ein. "Jetzt ist der Abschied halt da. Es war abzusehen, aber wenn es soweit ist, ist man nie darauf vorbereitet", sagte ein sichtlich bewegter Gislason dem NDR. "Elf Jahre für den größten Handball-Club der Welt gearbeitet zu haben, macht mich sehr stolz. Aber es macht mich auch ein bisschen traurig, dass ich jetzt gehe."

Auf der Bühne hatte der Isländer noch einmal ausgelassen mit den Fans gefeiert und gescherzt. Er freue sich darauf, erst einmal gar keinen Plan zu haben, sagte Gislason und schob hinterher: "Viele auf der Tribüne haben gesagt, dass ich nie einen Plan hatte."

"Alfred, Alfred"-Sprechchöre in der THW-Arena

Bereits vor dem letzten Anwurf der Saison hatte es stehende Ovationen in der Kieler Halle für den 59-Jährigen gegeben. Die Trainerkollegen und Manager hatten den Isländer zum "Trainer der Saison" gewählt - zum vierten Mal nach 2002, 2009 und 2012. Als Gislason die Auszeichnung in Empfang nahm, feierten ihn die gut 10.000 Fans mit "Alfred, Alfred"-Sprechchören.

Rekord-Bilanz reicht nicht

"Das ist schon ein eigenartiges Gefühl nach elf Jahren hier", hatte Gislason vor dem Spiel bei "Sky" gesagt. Seine Mannschaft gab sich im letzten Auftritt unter dem Isländer keine Blöße, gewann souverän und beendete die Saison mit herausragenden 62:6 Punkten. Dass die beste Bilanz eines Tabellenzweiten der Bundesliga-Geschichte nicht zum Titel reichte, war der einzige Wermutstropfen der letzten Saison mit Gislason, in der die "Zebras" den DHB-Pokal und den EHF-Cup an die Förde holten. Für ihn übernimmt Filip Jicha beim THW.

Abschiedsspiel am 26. Juli

"Mein Plan ist es, erst einmal eine Pause bis zum Ende des Jahres einzulegen. Dann kann ich mir vorstellen, eine Nationalmannschaft zu trainieren", hatte Gislason schon vor dem letzten Spiel gesagt. Der kauzige Isländer wird den Handball-Fans also erhalten bleiben. Die Kieler Fans können ihrem langjährigen Trainer noch einmal am 26. Juli zujubeln. Dann steigt in der THW-Arena das Abschiedsspiel für den Isländer.

Alfred Gislason: Der kühle Titelsammler

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.06.2019 | 19:30 Uhr

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