Final Four im Handball: Kastening und sein "ganz besonderes Spiel"

Stand: 03.06.2021 09:34 Uhr

Es ist eine der kuriosesten Geschichten beim Final Four um den deutschen Handball-Pokal. Timo Kastening warf die TSV Hannover-Burgdorf im vergangenen Jahr ins Halbfinale - und tritt dort nun heute mit Melsungen gegen seinen Ex-Club an.

"Das ist eine besondere Konstellation und für mich natürlich auch ein ganz besonderes Spiel", sagte der 25-Jährige im Interview mit dem NDR. Am 4. Dezember 2019 hatte er sich mit der TSV Hannover-Burgdorf durch einen 31:30-Erfolg bei den Rhein-Neckar Löwen für das Final Four qualifiziert. Das wird nun - Corona-bedingt eineinhalb Jahre später - ausgetragen, und Kastening spielt inzwischen in Melsungen, dem Halbfinalgegner der Niedersachsen.

Der gebürtige Stadthagener hatte das lange ausgeblendet: "Durch den ganzen Corona-Wahnsinn war das ein wenig in die Ferne gerückt. Und jetzt steht auf einmal das Halbfinale an und ich darf gegen meinen alten Club, gegen meinen Herzensverein aus Hannover, spielen. Ich freue mich darauf."

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Kastening wie im Dezember Sagosen

Die Gefahr, dass Kastening heute Abend (19.30 Uhr) versehentlich das falsche Trikot anzieht, sieht Melsungens Geschäftsführer Axel Geerken nicht, zumal TSV-Sportdirektor Sven-Sören Christophersen einräumte, dass ein Dress "in der aktuellen Version" für den ehemaligen Profi der "Recken" auch nicht vorläge. "Aber wir könnten improvisieren, wenn da jetzt der Wunsch auf Seiten der Melsunger besteht. Da sind wir offen für Vorschläge", ergänzte der 36-Jährige schmunzelnd.

Das seien halt die Rest-Auswirkungen der Pandemie, sagte Christophersen und verwies auf das Beispiel Sander Sagosen. Der Norweger erlebte eine ähnliche Konstellation im Dezember vergangenen Jahres beim Final Four in der Champions League, für das er sich mit Paris qualifiziert hatte, dann aber mit dem THW Kiel spielte - es kam dabei allerdings nicht zum direkten Duell mit seinem Ex-Club.

"Meine Eltern sehen mich erstmals live im MT-Trikot"

Rechtsaußen Kastening, der als C-Jugendlicher bei den "Recken" begann und für die Niedersachsen zwischen 2013 und 2020 in 214 Bundesligapartien 636 Tore erzielte, freut sich beim Turnier in Hamburg vor allem auf die Rückkehr der Zuschauer: "Es ist das erste Mal, dass meine Eltern und meine Freundin in der Halle sind, seit ich für die MT spiele. Die werden mich also zum ersten Mal live in einem anderen Trikot sehen - gegen Hannover. Das wird natürlich auch ein bisschen kurios werden."

"Endlich wieder Zuschauer, endlich wieder Gesichter, Emotionen, Mimiken, Gesten - ich glaube, jeder Spieler freut sich darauf." Timo Kastening über die Fan-Rückkehr

Kontakt zu seinen ehemaligen Mitspielern hat Kastening noch. "Ich habe mich mit Urban Lesjak und Nejc Cehte auf einen Kaffee getroffen und gefragt, ob sie schon mal im Heidepark gewesen seien. Als sie meinten 'Nein', habe ich gesagt, am Freitag hätten sie dann ja Zeit." Denn eines stellte der Nationalspieler trotz seiner Verbundenheit zu Hannover klar: "Es handelt sich um ein Pokal-Halbfinale, und das will ich um jeden Preis gewinnen. Am Ende ist es dann - wie man so schön sagt - egal, gegen wen man spielt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 03.06.2021 | 23:03 Uhr

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