Stand: 30.07.2020 06:00 Uhr

Einzigartig: DDR holt olympisches Handball-Gold

1980 holten die DDR-Handballer die olympische Goldmedaille.

Am 30. Juli 1980 gewann die DDR olympisches Gold im Handball. In Moskau schlug Paul Tiedemanns Auswahl sensationell den Gastgeber UdSSR mit 23:22 nach Verlängerung und sorgte damit für den bis heute einzigen Olympiasieg einer deutschen Nationalmannschaft im Hallenhandball. In Torwart Wieland Schmidt und dem Rostocker Rückraum-Ass Frank-Michael Wahl prägten zwei Spieler das Team, die später auch im Westen erfolgreich waren.

Vor allem eine Szene aus dem Finale ist für viele Handball-Fans unvergessen: Vier Sekunden vor dem Ende tauchte der Russe Alexander Karsarkjewitsch frei vor DDR-Torhüter Wieland Schmidt auf. Die Menge kreischte, Karsakjewitsch warf - und irgendwie lenkte der Keeper in seinem knallgelben Sweater den Ball mit dem Unterarm an die Latte. Die DDR war Olympiasieger. "Da kriege ich immer noch Gänsehaut. Das hat sich im Gedächtnis eingebrannt, immer wieder werde ich auf diese Szene angesprochen", sagte Schmidt in einem von vielen Rückblicken auf das denkwürdige Endspiel.

Wahl: "Schönster Triumph meiner Karriere"

Den Sieg gegen den großen Gold-Favoriten und Gastgeber hätte niemand für möglich gehalten.

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Und deshalb macht es den bis heute einzigen olympischen Handball-Titel der deutschen Nachkriegs-Geschichte noch spezieller, als er es ohnehin schon ist. Während die deutschen Weltmeister aus dem Westen dem Olympia-Boykott zum Opfer gefallen waren, spielte das DDR-Team unter der klugen Regie seines Trainers Paul Tiedemann das Turnier seines Lebens. "Der Triumph in der Höhle des Löwen ist immer noch der schönste meiner Karriere", betonte Frank-Michael Wahl. Mit 344 Länderspielen (302 für die DDR) und 1.412 Toren (1.338) ist "Potti" immer noch deutscher Rekord-Nationalspieler und -Torschütze.

Auch Trainer Tiedemann sprach vor seinem Tod von seiner "schönsten Erinnerung, für mich das größte Spiel aller Zeiten".

DDR-Stars begeistern in Hameln

Für den Erfolg gegen den großen Klassenbruder gab es den "Vaterländischen Verdienstorden in Silber" - inklusive einer Extra-Prämie von 10.000 DDR-Mark. Vier Jahre später - 1984 boykottierte das sozialistische Lager Olympia in Los Angeles - wurde der Sieg beim "Turnier der Freundschaft" mit dem Orden in Gold und 20.000 Ostmark belohnt.

Nach der Wende 1989 starteten Schmidt und Wahl auch im Westen in der Bundesliga durch. "Ich war der Erste, der rüberging und in Hameln etwas aufbaute. Dann fuhr ich mit den Verantwortlichen gleich nach Rostock, um 'Potti' zu verpflichten", erinnerte sich der Weltklassetorhüter vom SC Magdeburg. Zweitligist Hameln - bei dem zwischenzeitlich sieben DDR-Stars spielten - stieg 1991 in die Bundesliga auf und wurde 1994 sogar Vizemeister. 1997 rettete Tiedemann als Coach die Hamelner vor dem Abstieg, Wahl fungierte damals als Co-Trainer.

Schmidt: DDR-Handballer in die "Hall of Fame"

Olympiasieger Schmidt vermisst bis heute dennoch ein wenig die Anerkennung für die Handball-Stars aus dem Osten. Denn Heiner Brand, Weltmeister als Spieler und Trainer, sowie Erhard Wunderlich, Bernhard Kempa und Joachim Deckarm sind in der "Hall of Fame des deutschen Sports" vertreten, die DDR-Handballer aber nicht. "Ich finde es sehr, sehr schade, denn wir waren insgesamt sehr, sehr erfolgreich. Nicht nur mit dieser Mannschaft, sondern auch als Einzelspieler mit unseren Vereinen."

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Sport aktuell | 30.07.2020 | 07:25 Uhr