Fabian Böhm von der deutschen Handball-Nationalmannschaft © imago images/wolf-sportfoto Foto: Marco Wolf

Böhm vor Handball-WM: Zwischen Vorfreude und "mulmigem Gefühl"

Stand: 01.01.2021 20:25 Uhr

Die Handball-WM in Ägypten (13. bis 31. Januar) steht für die deutsche Nationalmannschaft aufgrund der Corona-Pandemie unter besonderen Vorzeichen. Wegen des Virus, aber auch in personeller Hinsicht. Rückraumspieler Fabian Böhm von der TSV Hannover-Burgdorf geht das Abenteuer "mit gemischten Gefühlen" an.

Herr Böhm, die Mannschaft muss sieben Absagen verkraften. Vier Spieler haben wegen der Corona-Pandemie abgesagt, drei von Ihnen sind junge Väter. Wie sieht die Situation bei Ihnen aus und warum haben Sie sich persönlich für die Zusage entschieden?

Fabian Böhm: Es war natürlich keine einfache Entscheidung. Ich habe darüber lange mit meiner Frau gesprochen, weil wir auch zwei kleine Kinder haben. Aber es bleibt eine Weltmeisterschaft, die ich trotz allem sehr gern spielen wollte. Die Pläne des Deutschen Handball-Bundes und der Internationalen Handballförderation sehen sehr gut aus. Aber trotzdem bleibt natürlich ein großes Risiko.

Haben Sie Verständnis für die Entscheidung von Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold? Und was ist bei Ihnen vielleicht der Unterschied?

Böhm: Die Situation ist nie einfach, wenn man mal einen Monat weg ist von den Kindern. Und jetzt kommt auch noch Corona dazu. Meine Frau und ich haben uns schon sehr kontrovers über das Thema unterhalten. Sie hat ja auch direkten Kontakt, weil sie Ärztin ist. Aber wir haben es als Chance für mich gesehen, noch eine Weltmeisterschaft zu spielen - und viel Rückhalt in der Familie bekommen. Ich kann allerdings auch die Entscheidung der anderen total nachvollziehen.

Mit welchem Gefühl fliegen Sie jetzt nach Ägypten?

Böhm: Ich habe mich für die Teilnahme entschieden und freue mich auf die WM. Aber ich habe auch ein mulmiges Gefühl. Es ist schwer vorstellbar, dass in dieser Zeit 32 Mannschaften an einem kleinen Ort zusammenkommen. Ich hoffe einfach, dass das bestmöglich gelöst wird. Bei der Europameisterschaft der Frauen hat es sehr gut funktioniert. Aber jetzt ist es eine WM, bei der auch viele Mannschaften von anderen Kontinenten dabei sind. Man weiß nicht zu 100 Prozent, was einen erwartet.

Was erhoffen Sie sich vom neuen Trainer Alfred Gislason?

Böhm: Ich habe bereits als junger Spieler in Magdeburg unter ihm ein paar Trainingseinheiten gehabt und durfte ihn jetzt schon bei zwei Nationalmannschafts-Maßnahmen kennenlernen. Ich glaube, der Deutsche Handball-Bund hat einen riesengroßen Schritt gemacht, so einen großen Trainer zu holen. Die Einheiten und die Maßnahmen, die wir schon hatten, versprechen Großes. Aber die Situation ist für ihn und uns als unerfahrene Mannschaft jetzt natürlich nicht einfach. Ich sehe die Weltmeisterschaft trotzdem auch als Chance.

Und wie lauten Ihre Ziele für die WM?

Böhm: Deutschland hat als Nation natürlich immer hohe Ansprüche. Aber ich glaube, dass noch nie sieben wichtige Spieler so kurz vor dem Turnier weggebrochen sind. Deshalb ist es schwer, ein Ziel zu formulieren. Natürlich wollen wir die Gruppe gewinnen. Alles andere wird sich im Laufe des Turniers zeigen.

Das Interview führte Hendrik Deichmann, aufgezeichnet von Florian Neuhauss

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Dieses Thema im Programm:

Sportschau | 03.01.2021 | 17:30 Uhr

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