Die Spieler von Teutonia Ottensen. © Imago Images Foto: Hanno Bode

Teutonia Ottensen und der minimale Glaube an ein Pokal-Wunder

Stand: 30.08.2022 06:13 Uhr

Für den Hamburger Fußball-Regionalligisten FC Teutonia 05 Ottensen ist die Erstrundenpartie im DFB-Pokal gegen Titelverteidiger RB Leipzig das größte Spiel der Vereinshistorie. Der Wermutstropfen: Es findet auswärts beim ohnehin schon übermächtig erscheinenden Gegner statt.

An frustrierenden Mitteilungen herrschte in den vergangenen Wochen wahrlich kein Mangel. Vor wenigen Tagen erst war Teutonia der fünfte Austragungsort abhanden gekommen, weil Unbekannte einen Giftanschlag auf den Rasen im Paul-Greifzu-Stadion in Dessau verübt hatten. In der 400 Kilometer von Hamburg entfernten Stadt hatte der Regionalligist seine Erstrundenpartie im DFB-Pokal gegen den Titelverteidiger austragen wollen. Nun also, als absolute Notvariante, ist heute Abend (20.45 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) die 47.000 Zuschauer fassende Arena des Gegners der Ort des Geschehens - ein Pokalspiel in Leipzig.

"Für uns ist es das größte Spiel der Geschichte." Liborio Mazzagatti, Teutonia-Präsident

Beim Underdog haben sie sich damit arrangiert. Es herrscht inzwischen sogar Vorfreude darauf, dass sie in einem solch großen Stadion ein Pflichtspiel austragen dürfen. "Wir müssen uns jetzt abkoppeln von dem, was passiert ist, und uns nur sportlich auf das Spiel freuen", sagte Präsident Liborio Mazzagatti im Interview mit dem NDR. "Das ist der aktuelle Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer - da kannst du das Spiel doch nur genießen. Ohne Druck reingehen, einfach Spaß am Fußball haben und einfach Hamburg dann stolz machen."

So winzig die Chance auf ein Wunder auch sein mag, den Traum davon haben sie beim Viertligisten alle, auch Coach David Bergner. "Wir müssten einen sensationellen Tag erwischen und hoffen, dass RB Leipzig keinen so guten Tag erwischt. Wir wollen das Spiel aber nicht nur genießen, sondern auch die eine oder andere Möglichkeit nutzen, die wir bekommen", sagte der 48-Jährige, der einst für Sachsen Leipzig gespielt hat und später auch Trainer bei RB Leipzig II war.

Die Verlegung in die RB-Arena begrüßt er: "Für den Verein ist das die beste Lösung, denn wir wollen das Spiel jetzt unbedingt machen. Und für die Jungs ist es eine super Erfahrung, in so einem großen Stadion zu spielen. Sie wollen dort alles raushauen, was möglich ist."

St. Pauli wollte Millerntorstadion nicht zur Verfügung stellen

Auf dem heimischen Sportplatz an der Kreuzkirche hatten zuletzt 2019 Oberligaspiele vor rund 70 Fans stattgefunden. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga wich der Verein ins Stadion Hoheluft aus. Dort liegt aber ein Kunstrasen, der für DFB-Pokalspiele nicht zugelassen ist. Anfragen in Lübeck und Norderstedt waren erfolglos, da dort das Flutlicht nicht ausreicht.

Die Stadien der Hamburger Zweitligisten sind überdimensioniert, zudem wollte der FC St. Pauli insbesondere RB Leipzig keine Bühne bieten, aber auch nicht Teutonia, bei dem der Einstieg des russischen Öl-Unternehmens Lukoil neue Dimensionen möglich gemacht hatte. Nach der Invasion in die Ukraine distanzierte sich der Verein aus Ottensen vom Sponsor.

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Teutonia-Spieler freuen sich auf großes Arena-Erlebnis

Die Teutonia-Spieler sind nach der leidigen Suche nach einem Austragungsort längst voller Vorfreude auf das Spiel ihres Lebens: "Das Stadion ist jetzt natürlich im Fokus. Dort in der großen Hütte spielen zu dürfen. Wir hoffen, dass viele Zuschauer kommen - einfach die Atmosphäre genießen", sagte Angreifer Maik Lukowicz. Mitspieler Kevin Weidlich sagte: "Wir spielen so, wie gegen alle anderen spielen, ohne Druck."

"Die kochen ja mit demselben Wasser. Und wer weiß: Im Fußball kann alles passieren. Wir fahren in jedem Fall nicht hin, um uns abschießen zu lassen." Kevin Weidlich von Teutonia Ottensen

Leipzigs Trainer Tedesco kritisiert Umgang mit Teutonia

Leipzigs Trainer Domenico Tedesco fand zur Suche des Gegners nach einem Austragungsort klare Worte. "Wir können jetzt daheim spielen, aber das ist nicht Sinn der Sache. Wir wären gern auswärts angetreten, so wie es sich in den ersten Pokalrunden gehört", sagte der 36-Jährige. "Mit Teutonia erwischt es den Falschen. Sie haben in Hamburg keinen Platz bekommen. Da kann man jetzt natürlich die einzelnen Vereine mal durchgehen, die gesagt haben, nee aus Prinzip nicht. Und dann bucht ein kleiner Verein ein Hotel in Dessau und bleibt dadurch auf dem Geld sitzen. Eigentlich eine Wahnsinnsgeschichte."

Mögliche Aufstellungen:

Teutonia Ottensen: Zummack - Weidlich, Olayisoye, Jesgarzewski, Lopes - Steinwender, Siala, Istefo - Meyer, Berisha - Lukowicz
RB Leipzig: Blaswich - Simakan, Orban, Gvardiol - Henrichs, Schlager, Raum - Szoboszlai, Forsberg - Silva, Nkunku

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 29.08.2022 | 19:30 Uhr

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