Stand: 12.02.2018 09:15 Uhr

Marcell Jansen: Bittersüßes Fünftliga-Debüt

von Hanno Bode, NDR.de

Als Jansen am Freitagabend gemeinsam mit seinen neuen Teamkollegen den Kunstrasenplatz betritt, um sich für das Duell mit Teutonia warmzumachen, wirkt er allerdings noch so schlank und rank wie zu seinen Profi-Zeiten. Möglicherweise aber verdeckt auch der Trainingsanzug das eine oder andere Kilogramm zu viel auf den Rippen. Diesen behält der 45-malige Nationalspieler bei Minusgraden lieber an. Denn Coach Marcus Rabenhorst hat für seinen Star nur einen Platz auf der Bank vorgesehen. Doch nicht einmal diesen kann Jansen einnehmen. Der kleine Schemel ist bereits komplett besetzt, als er sein Aufwärmprogramm beendet hat. "Er muss sich hier erst einmal beweisen. Dann gibt es für ihn auch einen Platz", sagt HSV-Manager Milenko Mutabdzija schmunzelnd.

Ex-Bundesliga-Star als Trumpf im Abstiegskampf?

Erst seit ein paar Wochen hat Jansen einen Spielerpass bei der "Dritten". Da er dem HSV-Gesamtverein auch durch seine vielen beruflichen Tätigkeiten nach dem Karriere-Ende immer verbunden geblieben ist, kam der Kontakt zur Mannschaft zustande. Erst trainierte der 32-Jährige nur mit, dann entschloss er sich, auch für den Oberligisten aufzulaufen. Dieser hat die Hilfe des Ex-Nationalspielers dringend nötig. Der Aufsteiger schwebt in akuter Abstiegsgefahr und machte vor dem Jahreswechsel vor allem durch eine Brandrede von Ex-Coach Felix Karch Schlagzeilen. "Bei unseren Spielern spannen die Trikots am meisten. Keiner ist bereit, sich den Hintern aufzureißen. Die meisten gehen nach dem Training oder nach dem Spiel direkt nach Hause, ziehen sich um, gehen Shisha rauchen, denken, sie sind die Geilsten, und erzählen jedem: 'Ich spiele beim HSV in der Oberliga'", schimpfte der 33-Jährige im Interview mit dem Portal "Fussifreunde" und war bald darauf seinen Job los.

Das Premieren-Tor nur knapp verfehlt

Seitdem soll es Rabenhorst richten. Der frühere Regionalliga-Kicker der TSG Neustrelitz hat in Ex-Nationalspieler Christian Rahn einen prominenten Assistenten an seiner Seite. Sie haben es geschafft, das Team einigermaßen zu stabilisieren. Gegen den Tabellenzweiten Teutonia hält der Außenseiter auch ohne Winter-"Einkauf" Jansen gut mit. Zur Pause steht es vor rund 300 Zuschauern 0:0. Dann aber geht der Gast mit 2:0 in Front. Jansen macht sich inzwischen warm und sieht, wie sein Team verkürzen kann. "Cello", hallt es daraufhin über den Platz. Rabenhorst bittet den langjährigen Profi zur Bank und wechselt ihn in der 77. Minute ein. Nun kann der 32-Jährige das eine oder andere Kilogramm zu viel zwar nicht mehr unter einem Trainingsanzug verbergen. Seinen sportlichen Qualitäten schadet dies aber nicht. Jansen führt sich mit einer feinen Flanke ein und ist indirekt am Ausgleich beteiligt. Nach der abermaligen Teutonen-Führung besitzt er selbst die große Möglichkeit, erneut zu egalisieren. Doch er verfehlt mit der Stirn knapp das Ziel. Den Titel "Kopfball-Ungeheuer" wird der 32-Jährige HSV-Legende Horst Hrubesch wohl auch im Trikot der "Dritten" nicht mehr streitig machen.

Bitteres 2:4: "Es sollte heute nicht sein"

Am Ende laufen die Hausherren noch in einen weiteren Konter und stehen wieder einmal mit leeren Händen da. "Das ist Fußball. Es sollte heute nicht sein", resümiert Jansen. Dass er trotz seiner beeindruckenden Vita zunächst nur Ersatz war, ist für ihn kein Problem: "Ich habe jetzt - glaube ich - insgesamt sechs, sieben Mal mit den Jungs trainieren können, ich bin ja viel unterwegs. Die Jungs trainieren ja dreimal die Woche und sind auch fit. Von daher war das schon in Ordnung." Ob er in Zukunft häufiger für die "Dritte" auflaufen wird, ist noch nicht absehbar. Als Aufsichtsrat der HSV Fußball AG wartet auf den 32-Jährigen in naher Zukunft ob der sportlichen Krise des Bundesliga-Gründungsmitglieds wohl viel Arbeit.

Was wird aus Jansen bei Hoffmann-Wahl zum e.V-Präsidenten?

Unter anderem könnte die Wahl eines neuen e.V-Präsidenten die Machtverhältnisse in dem wichtigen Gremium durcheinanderwirbeln. Bekanntlich bewirbt sich in Bernd Hoffmann neben Amtsinhaber Jens Meier der Mann am 18. Februar für den Posten, der Vorstandsboss des HSV war, als Jansen 2008 vom FCB verpflichtet wurde. Der 55-Jährige hat in seinem "Wahlkampf" keinen Zweifel daran gelassen, im Falle seines Sieges einiges beim taumelnden "Dino" ändern zu wollen. Ein Umstand, der nicht bei allen Fans von Jansens neuem Team auf Zustimmung trifft. "Hoffmann vermeiden" steht auf einem großen Plakat am Eingang des Platzes, den Jansen am Freitagabend trotz der Niederlage sichtlich zufrieden verlässt.

Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 11.02.2018 | 18:00 Uhr

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