Stand: 05.11.2017 20:35 Uhr

Fußball furios in Wolfsburg - VfL wieder remis

von Hanno Bode, NDR.de

Martin Schmidt muss weiter auf seinen ersten Bundesliga-Erfolg mit dem VfL Wolfsburg warten. Auch in der siebten Begegnung unter der Regie des Schweizers spielte der Werksclub unentschieden - diesmal 3:3 (2:1) gegen Hertha BSC. Das Duell mit den Berlinern dürfte Schmidt und dem "Wölfe"-Anhang dennoch nachhaltig in Erinnerung bleiben. Ein Gegentor nach wenigen Sekunden, zwei eigene Treffer, die nach dem Video-Beweis aberkannt wurden, sowie ein verschossener Strafstoß sorgten dafür, dass über diese Partie wohl noch lange gesprochen werden wird. "Es war ein turbulentes Spiel. Es ging hoch und runter. Es war auch ein gutes Spiel von uns. Wir haben es aber leider wieder nicht geschafft, die Führung über die Zeit zu bringen", sagte VfL-Offensivmann Yunus Malli im Interview mit NDR Info.

"Wölfe"-Spektakel ohne Gewinner

"Wölfe" geraten nach wenigen Sekunden in Rückstand

Ein Fehlpass von U21-Europameister Maximilian Arnold nach wenigen Sekunden läutete eine denkwürdige erste Hälfte ein. Der Gast schaltete nach dem Ballgewinn blitzschnell um und brachte Vedad Ibisevic in Position, der VfL-Keeper Koen Casteels mit einem trockenen Flachschuss ins kurze Eck keine Abwehrmöglichkeit ließ. Es war der erste Bundesliga-Treffer des Bosniers seit dem 22. April dieses Jahres. Seinerzeit hatte der 33-Jährige den 1:0-Siegtreffer für die Hertha gegen die "Wölfe" erzielt. Doch das Ende von Ibisevic' Durststrecke verkam rasch zur Randnotiz, da sich im Anschluss die Ereignisse überschlugen. Dabei schlüpfte ein Mann in die Hauptrolle, der nicht im kühlen Wolfsburger Stadion zugegen war, sondern im fernen Köln vor mehreren Monitoren die Spielszenen sichtete: Video-Assistent Jochen Drees.

Video-Assistent erkennt zwei VfL-Tore nicht an

11.Spieltag, 05.11.2017 18:00 Uhr

  • VfL Wolfsburg
  • 3:3


  • Hertha BSC

Tore: 0:1 Ibisevic (1.) 1:1 Malli (42.) 2:1 Gomez (45.) 2:2 Rekik (53.) 3:2 Origi (60.) 3:3 Selke (83.)
VfL Wolfsburg: Casteels - Verhaegh, Knoche, Brooks, Tisserand - Arnold, Guilavogui - Origi (82. Blaszczykowski), Didavi, Malli - Gomez
Hertha BSC: Jarstein - Pekarik (55. Esswein), Langkamp, Rekik, Plattenhardt - N. Stark (28. Maier), Skjelbred - Weiser, Lazaro, Kalou (67. Selke) - Ibisevic
Zuschauer: 25214

Weitere Daten zum Spiel

Der 47 Jahre alte Referee sorgte dafür, dass zwei VfL-Treffer wegen Abseits nicht anerkannt wurden. Hauptschiedsrichter Robert Kampka sowie seine Assistenten hatten zuvor jeweils auf Treffer entschieden. Zunächst bei einem Abstaubertor von Robin Knoche (5.), später dann bei einem Abschluss von Malli, den Daniel Didavi noch leicht touchierte (27.). Beide Entscheidungen von Drees waren - so zeigen es die Fernsehbilder - korrekt. Vor dem vermeintlichen 1:1 stand Mario Gomez beim vorausgegangenen Pfostenschuss von John Anthony Brooks im Abseits und griff dann aktiv ins Geschehen ein. Im zweiten Fall war Didavis Ballberührung entscheidend. Auch er befand sich zum Zeitpunkt des Schusses im Abseits. Viele "Wölfe"-Fans brachten dennoch kein Verständnis für die Nichtanerkennung der Tore auf. "Fußball-Mafia DFB", brüllten sie durchs weite Rund. Ihr Frust gründete allerdings nicht ausschließlich auf den Videobeweis-Entscheidungen, sondern auch auf einen verschossenen Strafstoß von Gomez. Der Stürmer jagte in der 20. Minute einen Strafstoß gegen die Querlatte.

Malli und Gomez belohnen Wolfsburger Anrennen

Dass sich die Niedersachsen trotz der diversen Rückschläge nicht demoralisieren ließen, war die vielleicht wertvollste Erkenntnis für Trainer Schmidt und den Anhang des Werksclubs an diesem turbulenten Abend. Es war schon recht beeindruckend anzuschauen, wie die Hausherren weiter unbeirrt angriffen. Und kurz vor der Pause erzielten sie dann kurz nacheinander auch zwei Tore, gegen die weder Kampka noch Drees etwas einzuwenden hatten. Zunächst egalisierte Malli nach Flanke von Divock Origi per Kopf (41.), 180 Sekunden später war Gomez per Fuß erfolgreich. Dass sein Abschluss zunächst an den rechten und dann an den linken Pfosten prallte, bevor er schließlich die Linie im Zeitlupen-Tempo überquerte, war irgendwie sinnbildlich für diesen verrückten Fußball-Abend.

"Joker" Selke verhindert Schmidts Premierensieg

Und dieser hatte noch weitere Höhepunkte parat. Beispielsweise den Ausgleich durch Karim Rekik (53.). Dass der Niederländer bei seinem Kopfballtor ausgerechnet Brooks übersprang, war eine weitere besondere Geschichte. Schließlich hatte die Hertha den 22-Jährigen im Sommer als Nachfolger für eben jenen nach Wolfsburg gewechselten Innenverteidiger geholt. Doch Brooks und seine Nebenleute zeigten sich auch von diesem Rückschlag unbeeindruckt. Frei nach Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn: "Mund abputzen - weitermachen" rannten sie erneut an. Und abermals wurden die Niedersachsen für ihren hohen Aufwand belohnt. Der sehr präsente und stets anspielbare Origi staubte nach einem Didavi-Eckstoß und einer Kopfballverlängerung von Robin Knoche zum 3:2 ab (60.). Nun also war wieder Berlin unter Zugzwang. Und auch die Hertha stellte eindrucksvoll unter Beweis, Nehmerqualitäten zu besitzen. Der Europa-League-Teilnehmer stemmte sich mit viel Leidenschaft gegen die drohende Pleite und kam durch Davie Selke zum 3:3 (83.). Der frühere Bremer war in der 67. Minute eingewechselt worden und setzte den Schlusspunkt unter ein furioses Bundesliga-Duell.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 05.11.2017 | 22:50 Uhr

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