Stand: 16.02.2020 13:38 Uhr

Werder und Kohfeldt: Bis dass der Abstieg sie scheidet?

von Hanno Bode, NDR.de
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Sitzt trotz Tabellenplatz 17 offenbar fest im Sattel: Werder-Coach Florian Kohfeldt.

Es waren am Sonnabendnachmittag 60 Minuten absolviert in Partie der Fußball-Bundesliga zwischen RasenBallsport Leipzig und Werder Bremen, als "Bullen"-Coach Julian Nagelsmann einen Doppelwechsel vornahm. Der Übungsleiter des Champions-League-Teilnehmers brachte in Ethan Ampadu und Amadou Haidara zwei Akteure ins Spiel, die im bisherigen Saisonverlauf bei den ambitionierten Sachsen eine untergeordnete Rolle spielen. "Irgendwann haben wir durch die Wechsel signalisiert, dass wir ein bisschen was testen wollen", erklärte Nagelsmann später. Natürlich, der Meisterschaftsanwärter führte zum Zeitpunkt der Hereinnahmen von Ampadu und Haidara bereits mit 3:0. Doch ob der RB-Trainer den Doppelwechsel zu diesem frühen Zeitpunkt auch gegen einen starken Gegner vorgenommen hätte, ist zumindest fraglich. Werder aber war kein starker Gegner für die Leipziger, sondern eigentlich nur ein besserer Sparringspartner - wie Nagelsmanns Maßnahme drastisch verdeutlichte.

Baumann: "Florian ist der richtige Trainer"

Es gehört zur bitteren Werder-Wahrheit, von der Erstliga-Konkurrenz inzwischen offenbar nur noch bedingt ernst genommen zu werden. Doch bei einer Horror-Bilanz von zehn Pleiten in den vergangenen zwölf Partien und lediglich elf Zählern aus den vorausgegangenen 17(!) Begegnungen ist es kaum verwunderlich, dass die mit Europapokal-Ambitionen in die Saison gestarteten Hanseaten keinem Kontrahenten mehr den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Der viermalige deutsche Meister bewirbt sich nun schon seit Monaten für einen Startplatz in Liga zwei. Dennoch greifen am Osterdeich nicht die typischen Mechanismen des Profifußball-Geschäfts. Auch nach der nicht Bundesliga-tauglichen Leistung in Leipzig stärkte Sportchef Frank Baumann Coach Florian Kohfeldt erneut den Rücken. "Wer Florian jeden Tag erlebt, wie er die Sachen angeht, wie er die Sachen anpackt, der wird sehen, dass er der richtige Trainer ist und dass wir in den nächsten Wochen auch die nötigen Punkte holen, die wir brauchen", sagte der Ex-Nationalspieler: "Die Jungs vertrauen ihm nach wie vor, stehen hinter ihm", ergänzte der 44-Jährige.

Nicht die optimale Lösung? "Sie würden es mir sagen"

Das Verhältnis von Kohfeldt zur Mannschaft ist laut Baumann also intakt. Wie aber ist dann so eine leblose Leistung wie ein Leipzig zu erklären? Warum gehen besagte "Jungs" für ihren Coach nicht durchs Feuer? Diese Fragen blieben nach der 13. Saisonniederlage im 22. Spiel unbeantwortet. Kohfeldt selbst beteuerte, mit seinem Latein noch nicht am Ende zu sein. Zudem spüre er weiter das Vertrauen seiner Vorgesetzten. Denn: "Wenn die das Gefühl hätten, dass es nicht mehr die optimale Lösung ist, dann hoffe ich, und das weiß ich aber auch, würden sie zu mir kommen und es mir sagen." Nun, derzeit deutet tatsächlich trotz des Absturzes auf Rang 17 und der nach der Winterpause mit Ausnahme des DFB-Pokalduells mit Dortmund (3:2) wenig erbaulichen Auftritte nichts darauf hin, dass Sportchef Baumann und Aufsichtsratsboss Marco Bode die Reißleine ziehen.

Kaum noch Argumente für Kohfeldt

Im schnelllebigen Profifußball ist diese Nibelungentreue der Verantwortlichen zu ihrem Coach, der in seiner jungen Laufbahn seine erste Krisensituation meistern muss, eigentlich löblich. Aber eben auch nur eigentlich, weil es kaum noch Indizien dafür gibt, dass Kohfeldt die Mannschaft aus dem Keller führen kann. Das Kurz-Trainingslager vor der Leipzig-Partie zeigte jedenfalls keine für Außenstehende sichtbare Wirkung. Gegen RB patzten die Norddeutschen mal wieder hinten und traten offensiv praktisch nicht in Erscheinung. Dabei war erfrischer Angriffsfußball - auch gerne mal ohne Rücksicht auf defensive Stabilität - doch einmal das Markenzeichen dieses Clubs, der sich jetzt sehr ernsthaft mit dem zweiten Bundesliga-Abstieg in seiner Geschichte befassen sollte.

Nun zwei Heimspiele - Vogt und Bartels fallen aus

Was Hoffnung macht, das dieser verhindert werden kann? Derzeit nicht viel. Die kommenden Gegner heißen Dortmund und Frankfurt. Werder ist in diesen Partien jeweils der Gastgeber, was in früheren Zeiten mal ein Vorteil gewesen wäre. Doch der letzte Erfolg in der einstigen Bastion Weserstadion liegt nun bereits über fünf Monate zurück. Dass sich Hoffenheim-Leihgabe Kevin Vogt gegen Leipzig einen Einriss am Sehnenansatz der Beugemuskulatur des hinteren Oberschenkels am Knie zuzog und mindestens zwei Wochen ausfällt, erschwert die ohne bereits sehr komplizierte Bremer Lage zusätzlich. Pausieren muss auch für mindestens zwei Partien Stürmer Fin Bartels, der wegen Adduktorenproblemen schon gegen die Sachsen nicht im Kader stand.

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Sportclub | 16.02.2020 | 22:50 Uhr