Stand: 25.07.2020 10:50 Uhr

Werder Bremen und Kruse - ist das realistisch?

von Johannes Freytag, NDR.de
Werder Bremens Max Kruse © imago images / Jan Huebner
Heuert Max Kruse nach 2006-2009 und 2016-2019 ein drittes Mal bei Werder an?

In gut eineinhalb Wochen beginnt für Werder Bremen die Vorbereitung auf die kommende Bundesliga-Saison. Das Ziel ist klar: Nicht noch einmal wollen die Hanseaten eine sportlich so katastrophale Spielzeit hinlegen wie die vergangene, in der der Klassenerhalt erst in der Relegation gelang. Um aber den sportlichen Aufschwung bewerkstelligen zu können, bedarf es einiger Veränderungen im Kader. Seit Tagen brodelt die Gerüchteküche um Max Kruse, jenen Spieler, mit dem die Norddeutschen vor einem Jahr nur knapp an der Europa-League-Qualifikation vorbeigeschrammt waren. Bei "butenunbinnen.de" hat sich eine Mehrheit der Fans für eine Rückkehr ausgesprochen, erste Gespräche mit den Werder-Verantwortlichen soll es nach Medienberichten gegeben haben. Jedoch: Wie realistisch ist der Transfer wirklich, und würde er Werder voranbringen?

Ablösefrei - oder doch nicht?

Fakt ist: Kruse ist ohne Verein, seit er seinen Vertrag wegen seit Februar ausbleibender Gehaltszahlungen bei Fenerbahce Istanbul gekündigt hat. Hätte die Kündigung Bestand, wäre er ablösefrei.

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Jubel bei Max Kruse von Werder Bremen © imago/ActionPictures

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Und das ist der Punkt: Fenerbahce akzeptiert die Kündigung des 32-Jährigen ("unfair und unbegründet") nicht und könnte Kruses neuen Verein vor dem Weltverband FIFA auf Schadenersatz verklagen. Abgesehen von möglichen Strafzahlungen ist zudem fraglich, ob sich Werder angesichts des Corona-bedingten Defizits in Höhe von 30 Millionen Euro Kruses Gehalt überhaupt leisten könnte - auch wenn der unlängst erklärt hatte, dass es ihm nicht mehr vordergründig ums Geld gehe: "Ich glaube, dass ich für fast alle Clubs in der Bundesliga bezahlbar bin."

Seit fast fünf Monaten ohne Spielpraxis

Würde Kruse Werder sportlich helfen? Auf den ersten Blick scheint der Transfer logisch: Die Bremer konnten die Lücke im offensiven Zentrum, die Kruse mit seinem Abschied hinterließ, nicht schließen. Der Ex-Kapitän fehlte als kreativer Ballverteiler an allen Ecken und Enden. Allerdings ist der 14-fache Nationalspieler seit fast fünf Monaten ohne Spielpraxis und absolvierte in der Türkei verletzungsbedingt (Leistenprobleme, Bänderriss im Sprunggelenk) nur 20 Partien. Die Saison in der Süper Lig hat ihn fußballerisch nicht besser gemacht.

Kruse muss sofort Dreh- und Angelpunkt sein

Klar ist, dass ein Führungsspieler wie Kruse bei Werder in der vergangenen Saison auch abseits des Platzes schmerzlich vermisst wurde. Bei einer Rückkehr würde er das Mannschaftsgefüge entscheidend verändern: Wahrscheinlich wäre er vom ersten Tag an wieder Dreh- und Angelpunkt des Teams. Alle Profis müssten sich dem Wortführer Kruse wieder unterordnen, Trainer Florian Kohfeldt müsste Taktik und Spielsystem wieder auf einen Spieler zuschneiden, der seine taktische Rolle stets sehr frei interpretierte. Die Frage ist, ob das alle wollen.

Ailton, Klasnic & Co. für eine Rückkehr

Bremens Club-Legenden haben sich für eine Rückholaktion ausgesprochen - auch wenn das bei einer Entscheidung keine Rolle spielen dürfte. Die Ex-Stürmer Ailton und Frank Neubarth glauben, dass Kruse Werder helfen könnte. Ivan Klasnic zog in der "Bild" einen Vergleich heran: "Es wäre kein schlechter Schritt für beide Seiten. Bei Claudio Pizarro hat es auch geklappt. Ich trau ihm zu, dass es hier wieder funktioniert."

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Sport aktuell | 25.07.2020 | 12:25 Uhr

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