Trainer Markus Anfang © IMAGO / Sven Simon Foto: Tim Groothuis

Werder Bremen: Jedem neuen Anfang wohnt ein Offensivzauber inne

Stand: 04.06.2021 14:44 Uhr

Wie geht Werder Bremen nach dem Abstieg aus der Bundesliga das Kapitel Zweite Liga an? Mit Markus Anfang und Kombinationsfußball. Der neue Trainer wird erst am Sonntag (12.45 Uhr) offiziell vorgestellt, nach der Rückkehr aus seinem Urlaub.

von Ines Bellinger

Daher sprach einen Tag nach dessen Verpflichtung zunächst der Sport-Geschäftsführer der Bremer, zu dessen Lieblingsfloskeln doppelte Betonungen gehören. Also lobte Frank Baumann den neuen Übungsleiter "sehr, sehr". "Markus ist sehr, sehr ambitioniert. Er ist sehr, sehr erfolgsorientiert – vielleicht sogar erfolgsbesessen", sagte Baumann am Mittwoch in einer Medienrunde. Die Wahl sei auf den 46-Jährigen gefallen, weil er "ein komplettes Portfolio an positiven Eigenschaften" mitbringe. Und einen neuen Co-Trainer: Florian Junge, der mit Anfang schon bei Darmstadt 98 und beim 1. FC Köln zusammengearbeitet hat.

Baumann: Wollen wieder für Kombinationsfußball stehen

Die offensive Philosophie des Gespanns sei "absolut ein Argument" für die Verpflichtung gewesen, sagte Baumann, der nach dem zweiten Bundesliga-Abstieg heftig kritisiert wurde, mit dem Segen des derzeit noch amtierenden Aufsichtsrats aber weitermachen darf. "Wir wollen wieder für attraktiven, offensiven, erfolgsorientierten Kombinationsfußball stehen", sagte Baumann. "Wir müssen aber trotzdem die aktuelle Situation bedenken."

VIDEO: Werder-Manager Baumann über Zweite Liga: "Werden die Gejagten sein" (2 Min)

Schwieriger Transfer-Sommer

Über Positionsprofile, einzelne Spieler und den gesamten Kader, habe er sich mit Anfang ausgetauscht. Die Rahmenbedingungen für den anstehenden Umbruch seien klar. "Markus kennt unseren wirtschaftlichen Handlungsspielraum. Wir brauchen eine gute Mischung und eine gute Alters- und Führungsstruktur in der Mannschaft." Auch, wenn die Bremer durch eine Mittelstandsanleihe erst einmal 17 Millionen Euro eingenommen haben, müssen sie "gewisse Transfererlöse" erzielen, wie Baumann sagte. Ohne zu wissen, wie hoch diese ausfallen, ist es schwer, auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Baumann geht davon aus, dass der Kader zum Vorbereitungsbeginn und auch zum Pflichtspielstart am vorletzten Juli-Wochenende noch nicht komplett ist.

"Wir werden die Gejagten sein"

Dass Werder als Absteiger großen Druck bekommen wird, sei den Beteiligten klar. "Wir werden die Zweite Liga mit allergrößtem Respekt angehen. Eine Liga, die so stark ist wie noch nie, und die sich vielleicht nicht wie eine Zweite Liga anfühlt", sagte er im Interview mit Radio Bremen. "Wir werden die Gejagten sein." Auch das sei ein Argument für Anfang gewesen: "Markus kennt die Situation, eine Abstiegsmannschaft aus der Zweiten Liga nach oben zu führen, aus Köln." Anfang suche Lösungen mit Ball, habe eine klare Handschrift und gebe Spielern trotzdem Freiräume.

"Wir werden die Zweite Liga mit allergrößtem Respekt angehen. Eine Liga, die so stark ist wie noch nie, und die sich vielleicht nicht wie eine Zweite Liga anfühlt." Werder-Geschäftsführer Frank Baumann

Berichte, wonach die Trainerverpflichtung daran zu scheitern drohte, dass die Bremer zu wenig Ablöse an Darmstadt zahlen wollten, bezeichnete der Manager als falsch. "Dass das eine oder andere Säbelrasseln dazugehört, ist normal. Es hätte uns auch überrascht, wenn Darmstadt froh gewesen wäre, dass Markus Anfang weg möchte." Werder habe ein Angebot gemacht, Darmstadt seine Vorstellungen schriftlich dargelegt. Danach habe es eine Verhandlungsrunde und eine Einigung gegeben. "Was daran schwierig gewesen sein soll, erschließt sich mir nicht", sagte Baumann.

Baumann: Keine Angst vorm neuen Aufsichtsrat

Gelassen sieht er auch die Ankündigung, dass der Aufsichtsrat mit Marco Bode, Andreas Hoetzel, Thomas Krohne und Kurt Zech bei der Mitgliederversammlung im September nicht mehr zur Wiederwahl antreten will. 2016 habe es eine ähnliche Situation gegeben mit einem fast komplett neuen Kontrollgremium. "Der aktuelle Aufsichtsrat hat deutlich intensiver als die Öffentlichkeit meine Arbeit verfolgt und bewertet", sagte Baumann. "Ich bedaure, dass diese vier Mitglieder nicht mehr antreten. Ich habe aber auch keine Angst vorm neuen Aufsichtsrat."

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