Babak Rafati im Einsatz beim Bundesligaspiel Stuttgart - Hoffenheim (15.10.2011) © picture alliance / Augenklick / Pressefoto Baumann Foto: Alexander Keppler

Vor zehn Jahren: Drama um Bundesliga-Schiedsrichter Rafati

Stand: 19.11.2021 09:07 Uhr

Am 19. November 2011, unmittelbar vor dem Spiel 1. FC Köln gegen 1. FSV Mainz 05, hat Schiedsrichter Babak Rafati versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Hannoveraner machte kurz darauf eine Depressions-Erkrankung als Grund für sein Handeln öffentlich.

Rafati war als Leiter der Begegnung in der Fußball-Bundesliga vorgesehen. Allerdings erschien er nicht im Stadion. Der schockierende Grund: Der Bankkaufmann aus Hannover hatte versucht, sich in einem Kölner Hotel das Leben zu nehmen. Das Spiel wurde abgesagt.

Rafati machte kurz darauf eine Depressions-Erkrankung als Grund für sein Handeln öffentlich. Wachsender Leistungsdruck für ihn als Schiedsrichter und der damit verbundene mediale Druck in Kombination mit der ständigen Angst, Fehler zu machen, seien zu einer immer größeren Belastung für ihn geworden, der er sich am Ende nicht mehr gewachsen gefühlt habe. Rafati begab sich daraufhin in therapeutische Behandlung.

Rücktritt im Mai 2012

Am 24. Mai 2012 gab der Niedersachse mit iranischen Wurzeln dennoch seinen sofortigen Rücktritt bekannt, ohne noch einmal ein Profi-Fußballspiel geleitet zu haben.

Rafati, der sein Bundesliga-Debüt im August 2005 bei der Partie Köln gegen Mainz gegeben hatte, pfiff insgesamt 84 Erstliga-Spiele. Von 2008 bis September 2011 stand er auf der FIFA-Liste und leitete ein Länderspiel (Griechenland - Armenien/Juni 2008). In seiner Bilanz stehen außerdem ein Qualifikationsspiel zur Champions League, fünf Qualifikations-Begegnungen zur Europa League, 102 Zweitliga-Partien, 17 DFB-Pokalspiele sowie ein Bundesliga-Relegationsspiel (Saison 2009/10: 1. FC Nürnberg - FC Augsburg).

Bei Abschiedsspielen als Referee noch auf dem Platz

Für Abschiedsspiele nahm Rafati die Pfeife wieder in den Mund, so etwa am 6. September 2014, als Aílton mit dem Profifußball aufhörte. Auch ein Jahr später, am 5. September 2015, leitete er das Abschiedsspiel von Dedé in Dortmund vor 81.359 Zuschauern. Am 13. Oktober 2018 stand er auf dem Platz, als Per Mertesacker in Hannover seine Karriere beendete.

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Der ehemalige Bundesliga-und FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati spricht als Dozent über Stress, Mobbing und Depressionen. (2018) © IMAGO Foto: Noah Wedel
Rafati spricht bei Veranstaltungen offen über die Folgen von Stress und Depressionen.

Seine persönliche Geschichte hat Rafati in einem Buch aufgeschrieben: "Ich pfeife auf den Tod!: Wie mich der Fußball fast das Leben kostete". Darin gibt er Einblicke in die Mechanismen des Fußballs und die Gesetze des Profisports, der für viele Akteure auch psychische Belastungen mit sich bringt. 2009 hatte sich Robert Enke, Torwart von Hannover 96, das Leben genommen. Auch Enke litt an Depressionen.

Inzwischen hält der Ex-Schiedsrichter Vorträge über Burnout, Mobbing und Depressionen sowie über Leistungsdruck. Außerdem arbeitet er als Mentaltrainer.

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Collage: ein Mann, zwei Frauen. © NDR/Kulturjournal

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 19.11.2021 | 23:03 Uhr

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