Stand: 15.01.2019 15:15 Uhr

VfL Wolfsburg: Sogar die Königsklasse ist möglich

von Florian Neuhauss, NDR.de
Der VfL Wolfsburg ist auf dem besten Weg, sich wieder für den Europapokal zu qualifizieren.

Der VfL Wolfsburg ist das Überraschungsteam der Hinrunde. Die "Wölfe" haben sich nach zwei Relegationsteilnahmen in Folge in Windeseile zum Europapokal-Aspiranten gemausert. Der VfL überwintert auf Rang fünf in Schlagdistanz zu den Champions-League-Plätzen. Nicht zuletzt dank Trainer Bruno Labbadia, der den Moment in vollen Zügen genießt.

So lief die Hinrunde

Die Saison begann nach Maß: Zu Hause gegen Schalke und in Leverkusen holte der VfL jeweils drei Punkte. Doch Selbstvertrauen schöpften die Niedersachsen, die zuvor zweimal hintereinander nicht über Rang 16 der Bundesliga-Abschlusstabelle hinausgekommen waren, daraus nicht. So kamen vom dritten bis zum elften Spieltag nur sechs Zähler dazu. Doch anders als in den Vorjahren löste dies in Wolfsburg keine Unruhe auf. Der neue Manager Jörg Schmadtke hatte schon früh klargestellt, dass das Ziel "eine ruhige Saison" sei. Doch die wurde es gar nicht: 16 von 18 möglichen Punkten und damit sogar einen Zähler mehr als Spitzenreiter Dortmund holten die Wolfsburger noch bis zur Winterpause. Mit Rang fünf haben nicht mal kühnste Optimisten gerechnet. "Mir macht es gerade wahnsinnig viel Spaß", freute sich Trainer Bruno Labbadia im NDR Interview. Für Schmadtke sind "28 Punkte und Platz fünf außergewöhnlich".

Wer kommt, wer geht

Dementsprechend ruhig ist es in Sachen Zu- und Abgänge am Mittellandkanal. Die Leihe von Riechedly Bazoer zum FC Porto wurde vorzeitig beendet, der Niederländer nimmt nun beim FC Utrecht den nächsten neuen Anlauf (ebenfalls auf Leihbasis). Der immer wieder von Verletzungen geplagte Jakub Blaszczykowski verließ Wolfsburg auf eigenen Wunsch und spielt nun in seiner polnischen Heimat bei Wisla Krakau. Weitere Abgänge aus dem großen Kader sind möglich.

Und Zugänge? "Wir haben nicht den Druck, sondern sind gut aufgestellt", betonte Schmadtke. Wie schon im Sommer wird der VfL wieder mit Thiago Mendes (Lille) und Maxwel Cornet (Lyon) in Verbindung gebracht. Der Manager sieht aber keinen Bedarf, tief in die Tasche zu greifen - und damit das bestehende Gefüge womöglich sogar durcheinanderzubringen.

Der Trainer: Labbadia schafft die Wende

Bild vergrößern
Trainer Bruno Labbadia drückte im Sommer in Wolfsburg den Reset-Knopf.

Nicht wenige hatten erwartet, dass Schmadtke im Sommer mit seiner ersten Amtshandlung einen neuen Trainer installieren würde. Schließlich hatte Labbadia zwar mit dem VfL in der Relegation die Klasse gehalten, ansonsten seit Amtsantritt im Februar aber nur wenig Werbung in eigener Sache gemacht (neun Punkte in elf Spielen). Der Manager bewies jedoch einmal mehr seine unangepasste Art und hielt nach guten Gesprächen mit Labbadia am Coach fest. Doch längst hat sich die Entscheidung als richtig herausgestellt. Labbadia freut besonders die "fußballerische Entwicklung", die sein Team vollzogen hat: "Die Mannschaft geht den Weg bedingungslos mit."

Im Trainingslager gab der Chefcoach einen Tag frei und gönnte sich diesen auch selbst: Mit seinem Trainerteam legte sich Labbadia an der portugiesischen Algarve an den Strand. Der 52-Jährige ist nach Jahren im Abstiegskampf ganz entspannt - auch was seinen Vertrag anbelangt, der im Sommer ausläuft: "Momentan bin ich in meinem Denken komplett nur in der Kurzfristigkeit. Ich habe mir eine gewisse Freiheit erarbeitet, die mich den jetzigen Moment genießen lässt." Sorgen um seinen Job machen muss sich Labbadia aber offenbar sowieso nicht. Schmadtke: "Unsere Arbeitsweisen passen gut zusammen."

Erwartungen an die Rückrunde

Der VfL hat mit Wout Weghorst sowie Daniel Ginczek zwei treffsichere Angreifer, mit Admir Mehmedi einen trickreichen Spielgestalter - und stellt auch dank Torhüter Koen Casteels bei nur 22 Gegentoren die fünftbeste Abwehr der Liga. Schmadtke und Labbadia haben eine funktionierende Einheit geformt, die auch schon Rückschlägen getrotzt hat. Allerdings gab es kurz vor dem Rückrundenbeginn einen Rückschlag: Ginczek fällt verletzt mehrere Wochen aus. Trotzdem sollte sich die Konkurrenz, die eine Europapokal-Platzierung vor der Saison schon fest eingeplant hatte, vor den "Wölfen" in Acht nehmen. "Wir müssen uns kein Limit setzen", meinte Labbadia. Bei lediglich drei Punkten Rückstand auf die Viertplatzierten Leipziger, die Wolfsburg zudem Ende November 1:0 besiegte, ist sogar die Champions League nicht unrealistisch. Neue Ziele rief Schmadtke allerdings nicht aus und wiegelte ab: "Es geht nicht ohne Arbeit so weiter - und in der Bundesliga muss man immer vorsichtig sein."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 15.01.2019 | 17:25 Uhr

Mehr Sport

04:37
Schleswig-Holstein 18:00

Jollensegler Kurfeld hat viel vor

Schleswig-Holstein 18:00
02:02
Hamburg Journal